Für den Ex-Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart ist Michael Schumacher ein außergewöhnlicher Fahrer, der sich selbst in den letzten Jahren noch hat verbessern können. "Wenn man die Onboard-Kameras betrachtet, dann sieht man, dass er das Auto heute besser im Griff hart als noch vor vier Jahren", sagt Stewart. "Das verstehe ich sehr gut. Ich habe in meinem letzten Jahr viel mehr gelernt als noch in den jungen Jahren. Weil ich da schon die grundsätzlichen Dinge beherrschte und mich auf die Kleinigkeiten konzentrieren konnte."
Stewart gibt zu, dass es sein Traum wäre, Schumacher nochmals als Weltmeister zu sehen. "Das wäre doch wunderbar, wenn er dieses Jahr den Titel holt und dann aufhört", sagt er. "Aber selbst wenn er das nicht schafft, sollte er aufhören. Er hat doch sowieso einen Rekord, der nicht zu brechen ist. Wir haben so oft gesehen, dass der Hunger nach noch mehr ansonsten zur ewigen Jagd vom Regenbogen wird."
Legende sei Schumacher sowieso, meint Stewart. "Er ist ein sehr guter Mann für diesen Sport gewesen", sagt er. "Aber er ist auch schon 37 Jahre alt. Da weiß, er dass er irgendwann aufhören muss. In der Formel 1 fahren keine Geschäftsmänner, die bis 60 dabei bleiben können. Und die Liebe zu diesem Sport verliert er auch nicht, nur weil er bloß seine Karriere beendet."
Die Angst vor dem schwarzen Loch, wie es wohl Mika Häkkinen nach seiner Karriere erlebt hat, sieht Stewart gar nicht als Notwendigkeit. "Als ich aufgehört habe, habe ich sofort dafür gesorgt, dass ich genug zu tun hatte", sagt er. "Ich habe Verträge geschlossen mit Ford, Elf, Goodyear und dem Fernsehsender ABC. Dazu habe ich für Rolex und Moet Chandon gearbeitet. Das waren mehrjährige Verträge, mit ABC sogar für 15 Jahre. Ich hatte so viel zu tun mit den gleichen Leuten, mit denen ich auch vorher zu tun hatte, dass ich das Aufhören keinen einzigen Tag bereut habe."
Das Aufhören hat sich für Stewart auch finanziell gelohnt. "Ich habe mit diesen Geschäften viel mehr Geld verdient als jemals als Formel 1 Fahrer", sagt er. "Ich habe 1970 bis 1973 als Fahrer 1,2 Millionen Pfund pro Jahr verdient. Danach habe ich 14 Jahre lang allein von Ford zwei Millionen Dollar pro Jahr bekommen."
Auch Michael Schumacher rät der Schotte dazu, seinen Status auszunutzen. "Wenn er irgendwann Firmen anruft und etwas vorschlägt, dann bin ich sicher, dass es keine Firma gibt, die ihn nicht sehen will", sagt er. "Denn er ist ein Filmstar. Warum wollte jeder Präsident, jeder Monarch dieser Welt Charlie Chaplin kennen lernen? Weil er ein Filmstar war."
Doch das sei nur der Anfang, meint Stewart. "Diesen Zugang schafft einem wie Schumacher der Name", sagt er. "Aber danach muss er auch etwas leisten."
Stewart tut es noch heute - als Berater des Williams-Sponsors RBS (Royal Bank of Scotland), von denen er fünf Millionen Dollar pro Jahr bekommt. "Ich habe sie nicht gesucht, sondern sie kamen auf mich zu", sagt er. "Und sie waren bereit, diese signifikante Summe Geld zu bezahlen, weil sie damit meine Erfahrung einkaufen."

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