Der Kontrast könnte kaum größer sein: Von den ultraschnellen, lang gezogenen Kurven Barcelonas geht es durch die langsamen, engen Kehren der monegassischen Innenstadt. Und obwohl es den Formel 1-Piloten sonst nicht schnell genug gehen kann, sind die meisten ausgerechnet von diesem langsamsten Kurs der Saison Jahr für Jahr aufs Neue begeistert. Für die Zuschauer an der Strecke und vor den Fernsehern ist Monaco ohnehin ein Leckerbissen, denn da die Autos im Zentimeterabstand an Leitplanken und Häuserecken vorbeihetzen, erhalten die Zuschauer hier mehr als auf anderen Strecken ein Gefühl für die enorme Geschwindigkeit
Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer
Einmal im Jahr werden die Straßen von Monte Carlo auf einer Länge von 3,340 Kilometern notdürftig abgesperrt und daraus einer der berühmtesten Stadtkurse der Formel 1 Welt gemacht. Ex-Weltmeister Nelson Piquet ließ sich deshalb, aufgrund der engen Häuserschluchten des monegassischen Fürstentums, einst zu jenem legendären Vergleich mit seinem Wohnzimmer hinreißen: "Es ist, als würdest du mit einem Hubschrauber durchs Wohnzimmer fliegen."

Der Straßenkurs in Monte Carlo fordert von den Fahrern über 78 Runden höchste Konzentration: Auf dieser Strecke darf man sich nicht den kleinsten Fehler erlauben. Denn ein solcher bedeutet zumeist unweigerlich das Aus. Dieeser Mangel an Auslaufzonen sorgt Jahr für Jahr für eine ausgesprochen hohe Ausfallquote.
Den Piloten steht die schwierige Aufgabe bevor, ihre rund 900 PS starken Monoposti zielgenau durch den engen Leitplankenkanal zu manövrieren. Dabei nähern sich die Boliden der unnachgiebigen Absperrung oft bis auf wenige Millimeter - zwischen Ideallinie und Ausfall liegt ein denkbar schmaler Grat. Manche Fahrer betonen sogar, dass man die Hinterreifen in einigen Kurven an der Leitplanke 'anlehnen' müsse.
Doch obwohl genau diese spezielle Atmosphäre das gewisse Etwas des Großen Preises von Monte Carlo ausmacht, erschwert die engste und langsamste Strecke des Grand Prix Kalenders das Überholen und macht damit das Qualifying und die am Ende herausgefahrene Startposition zu einem entscheidenden Faktor; allerdings nur, wenn auch die Zuverlässigkeit von Fahrzeug wie Fahrer stimmen.
Das Rennen in der Glitzerwelt des Fürstentums ist deshalb nicht ganz unumstritten. Der Kurs kann den heutigen Sicherheits- und Streckenbestimmungen kaum noch standhalten. Außerdem leiden Fahrer, Teams, Sponsoren sowie Fans unter der Platznot. Dennoch: Nirgendwo sind die Fans so nah am Geschehen und erleben das PS-Feeling so direkt wie im Fürstentum.
Eine große Schlüsselstelle

Für die Piloten ist das so genannte "Wohnzimmer" eine unglaubliche Herausforderung. Neben der Enge und den verschiedenen Streckenbelägen kann man fast den gesamten Kurs als eine riesige Schlüsselstelle bezeichnen. Sehr wichtig ist die erste Kurve nach der Start-/Zielgeraden, die Sainte Devote. Zudem ist der Circuit de Monaco natürlich durch seine berühmt-berüchtigte Tunnel-Passage, welche mit rund 250 bis 270 km/h durchquert wird, sowie die Loews-Kehre bekannt, die langsamste Kurve des gesamten Rennzirkus.
Auf der technischen Seite sind die Boliden im Fürstentum mit relativ hoher Bodenfreiheit unterwegs, um auf der unebenen Fahrbahn nicht ununterbrochen aufzusetzen. Zudem werden die Federung extrem weich und die Flügel extrem steil eingestellt. Dadurch soll einerseits die Traktion aus den vielen Kurven erhöht und andererseits genügend Anpressdruck für schnelle Rundenzeiten zu generiert werden.
Die Streckengeschichte
Der Große Preis von Monaco gehört zusammen mit dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans, der Rallye Monte Carlo und dem 500-Meilen-Rennen von Indianapolis zu den eindeutig prominentesten Motorsportereignissen des Jahres. Große Geschichten und kultische Tradition umwehen dieses erstmals 1929 ausgetragene Rennen, dass sich seit der Gründung der Formel 1 Weltmeisterschaft im Jahre 1950 im Kalender gehalten hat. Doch während grenzenloser Glamour ein Markenzeichen des Grand Prix Wochenendes ist, erleben die Einsatzteams indes eine andere Seite des Grand Prix: Was für die Zuschauer die prickelnde Atmosphäre von Nähe zum Geschehen ausmacht, bedeutet für sie Enge und erschwerte Arbeitsbedingungen. Routinemäßige Rennvorbereitungen werden in Monaco zur Herausforderung...

Seit der offiziellen Zeitrechnung der Formel 1, seit 1950, wurden in Monaco 52 Grands Prix ausgetragen. Insgesamt ist das 2006er Rennen die 64. Ausgabe des Großen Preises von Monaco. Den ersten gewann Juan Manuel Fangio auf Alfa Romeo. Damals betrug die Renndistanz 100 Runden bzw. 318 Kilometer.
Erst seit 2004 gibt es in Monaco entlang der Boxengasse auch Garagen für die Fahrzeuge. Bis dahin hatten die Teams die Autos zwischen den Trainings und Qualifyings sowie zum Rennen stets zwischen den provisorischen Werkstätten im Fahrerlager und der Boxengasse hin- und herschaffen müssen. Das alte Gebäude hatte im Wesentlichen als Unterstand für die Tankanlage, Ersatzteile und Computer gedient.
Um die Erweiterung der Boxenanlage zu ermöglichen, wurde im Hafen von Monaco künstlich aufgeschüttet. Der Streckenabschnitt zwischen Schwimmbad und Rascasse-Kurve rückte ans Meer. So entstand zusätzlicher Platz für eine neue Boxengasse, die auf der Meerseite des Hügels verläuft.



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