Fernando, Monaco wird immer wieder als ultimativer Fahrerkurs bezeichnet. Ist es auch deine Lieblingsstrecke im Kalender?
Fernando Alonso: Der Grand Prix von Monaco ist einfach mit nichts zu vergleichen. Er ist vollkommen anders als alle anderen Saisonläufe. Wir fahren in Monte Carlo mit einem ganz speziellen Set-up, um mit den zahlreichen Fahrbahnunebenheiten und den engen Kurven zurechtzukommen. Der Kurs ist dermaßen eng, dass es richtig schwierig ist, das Maximum aus dem Auto, den Reifen und dem Motor herauszuholen. Wenn ich das Rennfahrer-Dasein dadurch definiere, dass wir immer versuchen, die maximale Leistungsfähigkeit unserer Wagen abzurufen, zählt Monte Carlo mit Sicherheit nicht zu meinen Lieblingskursen.
Dennoch freust du dich auf das kommende Wochenende...
Fernando Alonso: In meinen Augen bietet der Monaco-Grand Prix den Fans eine einmalige Show. Unsere Aufgabe besteht darin, den Zuschauern eine tolle Vorstellung zu liefern, Spaß zu haben und so spektakulär wie möglich zu fahren.
Du sprachst das Set-up an. Wie schwierig ist es, in Monaco das optimale Handling des Autos zu finden?
Fernando Alonso: Das gestaltet sich als nahezu unmöglich. In Monte Carlo musst du zum Teil ein wenig raten und dein Set-up immer auf Qualifying und Rennen ausrichten - nicht zwingend auf die aktuell vorherrschenden Verhältnisse. Zu Beginn des Rennwochenendes präsentiert sich die Strecke immer sehr dreckig. Sie wird aber von Runde zu Runde besser. Du musst also immer ein wenig vorausschauen und dein Set-up den zu erwartenden Bedingungen anpassen.
Es heißt immer, dass es in Monaco nur auf eine gute Startposition ankommt, da das Überholen so gut wie unmöglich sei. Stimmst du dieser Einschätzung zu?
Fernando Alonso: Selbstverständlich stimmen auch wir unser Auto auf das Qualifying ab. Wir arbeiten zunächst nur darauf hin, diese eine perfekte Runde zu fahren. Wenn du beim Start in der ersten Reihe stehst, ist es fast garantiert, dass du - vorausgesetzt du beendest das Rennen - auf dem Podium landest. Startest du nicht aus den Top-Five heraus, brauchst du unter normalen Umständen gar nicht erst über einen Podestplatz nachdenken. Du musst im Qualifying also einige Risiken eingehen. Aber diese Risiken sind notwendig, sie sind der Schlüssel zum Erfolg.
Viele Experten äußerten Zweifel, dass das neue Qualifying-Format auf einem derartig engen Kurs funktionieren wird. Wie lautet deine Meinung?
Fernando Alonso: Ich denke, wir alle machen uns in puncto Qualifying ein paar Sorgen. Die Erfahrung zeigt, dass du in Monte Carlo in jeder Trainingssitzung viel Verkehr auf der Strecke hast. Während des Qualifyings wird es am Samstag wohl besonders eng zugehen. Vor allem die ersten 15 Minuten werden hart. Wenn du hinter einem Fahrer bist, der Probleme bekommt, oder es kommt nur eine Gelbe Flagge, kann es das für dich gewesen sein. Wir müssen also sehr vorsichtig sein. Wir werden mit Sicherheit eine etwas andere Strategie verfolgen, um unter allen Umständen bis in den dritten Qualifying-Durchgang zu kommen.
Du hast den Grand Prix von Spanien gewonnen, auf einer Strecke, die als kompletter Kurs gilt. Wie stehen die Chancen für den Renault R26 in Monte Carlo?
Fernando Alonso: Ich denke, dass der R26 schnell sein wird. Auf dieser Strecke brauchst du eine gute Traktion. Dieser Punkt zählte im bisherigen Saisonverlauf zu den großen Stärken von uns. Unser Reifenpartner Michelin erledigte in Barcelona einen fantastischen Job. In Monaco waren sie in der Vergangenheit immer stark. Das sollte am kommenden Wochenende nicht anders sein. Auch Renault sah in den vergangenen Jahren in Monaco immer sehr gut aus. Aber mehr denn je müssen wir ein fehlerfreies Wochenende hinlegen, um um den Sieg mitfahren zu können. Darauf konzentrieren wir uns.

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