Seit drei Rennen sind wir zurück in Europa. Das viele Reisen ist für mich kein Problem, auch die Reisen außerhalb Europas sind für mich okay. Ich kann mich im Flugzeug erholen und neue Länder kennen lernen. Dennoch ist es immer wieder schön zurück in Europa zu sein. Die Anreisewege sind relativ kurz und es sind meist viele Fans an der Strecke.

Außerdem haben wir bei den Europa-Rennen unsere neue Energy Station mit dabei - mittlerweile finde ich mich darin auch ohne Kompass zurecht. Wir haben immer sehr viele Gäste in unserer Energy Station und sie ist sicher das Begegnungszentrum im Paddock, wo sich die Mitglieder aller Teams und Medienvertreter treffen. Zudem bringen unsere Formula Una Girls immer etwas Farbe in unser Haus.

Als Fahrer ist es wichtig einen Ort zu haben, an dem man sich entspannen und konzentrieren kann. Aber um ehrlich zu sein, hat man am Rennwochenende nicht so viel Zeit, sich mit allen Einrichtungen der Energy Station zu beschäftigen.

Jeder Fahrer hat seinen eigenen Raum, in den er sich zurückziehen kann, um kurz abzuschalten oder sich vom Physiotherapeuten massieren zu lassen. Am "Chilled Thursday" haben wir aber jeweils etwas Zeit, um uns mit unseren Gästen zu unterhalten. Die Energy Station ist aber mehr für unsere Gäste gedacht, da unser Hauptarbeitsbereich die Box und die Meetingräume mit den Ingenieuren sind. Das Geschäft der Fahrer ist ja schließlich der Rennsport.

Ab in den Papierkorb

Abseits der Strecke, gab es an diesem Wochenende die lächerlichen Gerüchte, dass ich durch unseren Testfahrer Robert Doornbos ersetzt werden würde. Viele haben mich gefragt, ob mich solche Spekulationen ärgern oder eher amüsieren würden? Nun ja, amüsieren kann man nicht gerade sagen. Aber ich wusste von Anfang an, dass da nichts Wahres dran war.

Innerhalb des Teams gibt es auf Grund der Fahrerperformance keinerlei derartige Überlegungen. Man muss wohl solche unnötigen Schlagzeilen und Storys zur Kenntnis nehmen und in den Papierkorb werfen. Unser Team lässt sich dadurch jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen.

Jetzt geht es an den Speed

Auf der sportlichen Seite hatten wir in den letzen Rennen vor Barcelona einige Probleme mit der Standfestigkeit. Zudem hatten wir auch mit unglücklichen Umständen bei den Qualys zu kämpfen. Es ist uns bisher noch nicht gelungen, den vor Beginn der Rennsaison verlorenen Testrückstand wett zu machen. Das ganze Team arbeitet aber hart daran, um die Zeitlücke zu den Punkterängen zu verringern.

Am meisten hat mich in den ersten Rennen geärgert, dass ich aus diversen Gründen keine Rennen zu Ende fahren konnte. Bis zum Spanien GP bin ich heuer nur in Bahrain ins Ziel gekommen. Deshalb war ich besonders froh, dass wir in Barcelona sogar beide die Zielflagge gesehen haben.

Dennoch sieht es so aus, als ob wir momentan noch der verlorenen Zeit aus der Saisonvorbereitung hinterher laufen. Es ist in der schnelllebigen F1-Welt eben nicht einfach, fünf Wochen Rückstand aufzuholen. Wir werden aber nicht locker lassen. Das erste Ziel ist die Standfestigkeit zu erreichen, dann kann man an den Speed gehen.

Am Limit

In dieser Saison geht es in der Formel 1 noch enger als im letzten Jahr zu. Derzeit sind wir dort einzuordnen, wo wir auch in der Meisterschaft stehen - auf Platz 8. Von dieser Position müssen wir jetzt versuchen uns nach vorne zu arbeiten.

Wir müssen von Wochenende zu Wochenende unsere Erwartungen anpassen und abwarten was passiert. Unsere Zielsetzung lautet im Qualifying in die Top10 zu gelangen und im Rennen zu punkten. Genau so wollen wir auch das nächste Rennen in Monaco angehen.

In meinem ersten F1-Jahr bin ich in Monaco in der ersten Runde ausgeschieden. Im vergangenen Jahr bin ich auf Grund des Cockpit-Sharings nicht gefahren. Dies wird also hoffentlich mein erstes komplettes Rennen dort. Ich freue mich sehr darauf, da mir die Streckencharakteristik ausgesprochen gut gefällt. Allerdings müssen wir abwarten, wie unsere Performance dort aussehen wird. Dann müssen wir Fahrer das Maximum herausholen.

Schwierig könnte das Qualifying werden: Wie einige andere Piloten, wurde ich in diesem Jahr im Qualifying schon zweimal "Opfer" langsam fahrender Konkurrenten. Am Nürburgring und in Barcelona wurde ich dadurch behindert. Gelbe und rote Flaggen können ihr Übriges dazu tun. Dieses Problem könnte sich auf dem engen Kurs in Monaco verstärken. Dadurch könnte sicherlich der ein oder andere Fahrer benachteiligt werden.

Allgemein stellt der Große Preis von Monaco für mich und die meisten anderen Fahrer eine besondere Herausforderung dar. Man kann sich nicht den geringsten Fahrfehler erlauben, da ja praktisch keine Auslaufzonen vorhanden sind. Aber es bereitet mir enormen Spaß im Leitplankenkanal in den Häuserschluchten von Monte Carlo bis ans Limit zu gehen. Für mich ist es ganz klar etwas Besonderes, seit ich als Zuschauer im Alter von 8 Jahren, hier schon Ayrton Senna habe fahren sehen.