Gestern sah die rote Welt noch heil aus: Egal ob Ross Brawn, Felipe Massa oder auch Michael Schumacher - alle blickten dem Rennen optimistisch entgegen. Die Long Runs und die Konstanz der Bridgestone-Reifen lieferten ihnen angeblich allen Grund dazu.
Umso überraschender fiel das Ergebnis am Sonntag aus: Michael Schumacher hatte keine Chance mit Fernando Alonso mitzuhalten. Selbst der Spanier war von seinem großen Vorsprung auf seinen Titelrivalen überrascht und hatte "mehr" von den Roten erwartet.
Statt eines Taktikduells sah Renault-Chefstratege Pat Symonds diesmal also einen "Sieg der Geschwindigkeit"; Ferrari sei einfach viel langsamer als Renault gewesen. Michael Schumacher bestätigte diese Sicht: "Unsere Taktik war perfekt - nur waren wir nicht schnell genug. Jetzt müssen wir herausfinden warum."
Giancarlo Fisichella war jedenfalls nicht das befürchtete Zünglein an der Waage. "Egal ob Giancarlo da gewesen wäre oder nicht: Ich hätte nicht viel schneller fahren können. Er hat mich nicht aufgehalten. Im direkten Duell mit Fernando waren wir heute einfach zu langsam." Später wiederholte Schumacher sogar noch einmal: "Wir waren insgesamt permanent zu langsam."
Somit war der Ex-Champion weniger von der guten Pace der Renault überrascht. "Ich war über unsere Rundenzeiten überrascht, die bei weitem nicht gehalten haben, was wir im Vorfeld gezeigt haben." Denn: "Wir waren hier vor dem Rennen sehr zuversichtlich, weil wir klar dominiert haben und extrem schnelle Long Runs gefahren sind, jetzt war ich eine Sekunde langsamer - das müssen wir aufklären."
Die Enttäuschung über dieses Ergebnis wollte Michael Schumacher nicht verhehlen. "Ich bin enttäuscht, weil ich mehr erwartet hatte. Wir hatten uns große Siegchancen ausgerechnet." Ein möglicher Ansatzpunkt für die Analyse sind die ständig wechselnden Streckenbedingungen. "Vielleicht lag es an unterschiedlichen Bedingungen", sagte er. Bei den Tests hätte der Wind ihnen schon einige Male einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei Renault spekulierte Pat Symonds darüber, ob vielleicht die höheren Temperaturen Michelin eher entgegen gekommen wären. Egal was es war: "Es hatte einen negativen Effekt auf uns und eine positive Auswirkung auf Renault."
Nur Felipe Massa sah dies nicht so: "Das Auto funktionierte wie erwartet und unsere Pace war ebenfalls wie erwartet", so der Brasilianer. Hatte er also gestern zu viel versprochen als er Ferrari absolut siegfähig sah? "Unsere Rivalen waren heute einfach ein bisschen schneller als wir", versuchte sich Massa den Rückstand zu erklären.
"Es ist passiert, was wir befürchtet haben: Wir haben gut angefangen, konnten dann aber nicht dicht genug dranbleiben an Fernando", analysierte Ross Brawn, der "etwas mehr Performance" finden möchte. "Wir hätten schneller sein müssen, um einzelne Chancen zum Überholen herauszufahren." Man habe jedoch schnell festegestellt, dass man "nicht schnell genug" gewesen sei, um den Sieg einzufahren.
"Wir hatten sie bei den letzten beiden Rennen in der Hand - hier haben wir es aus der Hand gegeben", brachte Michael Schumacher einen Vergleich. "Jetzt müssen wir verstehen warum." Derzeit kann er sich jedenfalls "keinen Reim" darauf machen, "wie es in Monaco" aussehen wird. "Acht Punkt sind aber ein gutes Ergebnis. Man könnte sagen, dass ich letzten Sonntag nur zwei Punkte gewonnen habe und hier nur zwei verloren habe."



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