"Michael Schumacher wird Weltmeister" sangen die manchmal nicht nur freudentrunkenen Schumi-Fans am Sonntagabend rund um den Nürburgring - im Fahrerlager selbst wollte das aber bei den Ferrari-Konkurrenten und auch bei den meisten Experten noch niemand endgültig unterschreiben.

Bei aller Anerkennung für die Leistung der Roten, die in der Eifel bestätigten, dass der Erfolg von Imola nicht nur eine Eintagsfliege gewesen war, eine - oder besser zwei - Fragen stellten sich viele. Erstens: Wie weit spielten die Reifen beim Schumi-Erfolg am Nürburgring die entscheidende Rolle? Und zweitens: Wenn Bridgestone hier besser war, dann deshalb, weil die Japaner die Franzosen tatsächlich grundsätzlich überholt haben - oder vor allem deshalb, weil diesmal vor allem die Top-Michelin-Teams daneben griffen, so wie Ferrari in Australien?

Bridgestone besser als Michelin

Logisch, dass man bei den Ferrari-Rivalen, aber auch bei Michelin, vor allem auf die zweite Variante setzt: Weltmeister Fernando Alonso befand genauso wie sein Teamchef Flavio Briatore, der zweite Platz hier sei schon okay, "Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich das in einer Woche in Barcelona bei meinem Heimrennen wieder umdrehen kann. Auch wenn unsere Reifen heute okay waren - die Bridgestones waren hier besser."

Auch Briatore wollte von Sorgen, dass Ferrari und Bridgestone Renault und Michelin in der Entwicklung überholt haben könnte, nichts wissen: "Glaube ich nicht, warten wir Barcelona ab, das ist eine auch aerodynamisch sehr anspruchsvolle Strecke. Da werden wir wieder perfekt aufgestellt sein. Außerdem war hier Bridgestone einfach stärker - aber es werden auch wieder ganz andere Strecken kommen, eben Barcelona, aber mit Sicherheit zum Beispiel auch Silverstone."

Eine folgenschwere Fehleinschätzung

Bei McLaren-Mercedes fehlten Kimi Räikkönen am Ende nur Bruchteile von Sekunden für den dritten Platz - und bei den Silbernen sagte man als erstes noch viel deutlicher, was wohl passiert war: "Es hätte im Michelin-Angebot einen Reifen gegeben, mit dem wir heute die Grip-Probleme wohl nicht bekommen hätten, mit denen wir Ferrari wohl auf jeden Fall hätten schlagen können", meinte McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh, "das gilt allerdings für Renault genauso. Die Bridgestone-Teams haben hier offensichtlich die bessere Wahl getroffen. Das soll aber keine Kritik an Michelin sein, letztlich müssen wir uns an der eigenen Nase ziehen, denn wenn wir den anderen Reifen hätten nehmen wollen, hätte Michelin sicherlich nicht Nein gesagt."

Michelin-F1-Chef Nick Shorrock gab die Fehleinschätzung zu: "Anscheinend hat die Strecke heute Nachmittag weniger Grip gehabt als gestern. Unter diesen Umständen war unsere Mischung, die wir hier hatten, offenbar ein bisschen zu hart. Schon in Imola war es ein sehr enges Rennen, aber wir haben daraus gelernt und werden neue Reifen entwickeln, die wir in Barcelona erstmals einsetzten werden."

Keine Vorentscheidung

Gut möglich also, dass dort das Bild schon wieder anders aussieht. An ein vorzeitiges Kippen der WM in die eine oder die andere Richtung glauben allerdings die wenigsten Experten - und auch nicht unbedingt an ein endgültiges Schlüsselrennen Barcelona, das eindeutige Hinweise liefern werde - selbst wen der Circuito de Catalunya als der selektivste Kurs im gesamten F-1-Kalender gilt.

Es werde wohl eng bleiben, das Pendel einmal in die eine, dann wieder in die andere Richtung ausschlagen zwischen Rot und Blau, meinte etwa Christian Danner. Und vielleicht könne ja McLaren-Mercedes tatsächlich aus dem Zweikampf noch einen Dreikampf machen - und die WM damit noch spannender...