"Entscheiden tut weh", heißt ein Spruch, den es in dieser Form zwar nicht wirklich gibt - aber Motorrad-Star Valentino Rossi weiß sicher, was gemeint ist. In seinem Falle ist es mittlerweile sogar so weit fortgeschritten, dass er schlaflose Nächte riskiert, wenn er auf seinem Bettchen sitzt und darüber nachzudenken beginnt, ob er 2007 mit Ferrari in der Formel 1-WM oder weiter mit Yamaha in der MotoGP-Serie antreten soll. "Da habe ich dann Probleme mit dem Einschlafen", verriet Rossi in einem Interview mit Autosport.

"Ich soll bis Juni eine Entscheidung treffen. Das ist keine leichte Wahl", sagte Rossi, der an diesem Wochenende in der Türkei verweilt, um ein Rennen zur MotoGP-Serie, seinen 100. WM-Lauf, zu bestreiten. "Ich muss die Vor- und die Nachteile abwägen", fügte er hinzu. Er habe sich sehr gefreut über den Sieg von Michael Schumacher in Imola: "Ich bin jetzt ein richtiger Ferrari-Fan."

Es stellt sich die Frage, ob Rossi auch dann noch ein Ferrari-Fan sein würde, wenn im Hintergrund längst das "Dreamteam" Michael Schumacher/Kimi Räikkönen verpflichtet worden wäre. Die Gerüchte dahingehend mehren sich tagtäglich. Die gewöhnlich gut informierten britischen Kollegen wollen von einer Quelle aus dem Umfeld von Ferrari-Sponsor Marlboro erfahren haben, dass der Tabakriese trotz Werbeeinschränkungen bis zum Ende des Jahres 2011 Titelsponsor bleiben möchte und dass man auch für das erwähnte Traumpaar tief in die Kasse greifen möchte.

Finanziert Phillip Morris das Traumpaar?

Allein im kommenden Jahr würden die beiden rund 70 Millionen Dollar kosten. Für den Phillip Morris-Konzern wäre das immer noch ein Handgeld - vor allem, wenn man den ungeheuren Werbewert einer solch explosiven Paarung nachrechnet. Jahrelang wollten die Fans Michael Schumacher neben einem gleichwertigen Piloten, neben einem der Superstars sehen - wenn sich der Siebenfachweltmeister im Herbst seiner Karriere tatsächlich einer derartigen Herausforderung stellen sollte, würde nicht nur die Motorsportwelt das Pärchen mit Argusaugen verfolgen.

Greift der Tabakriese für das Dreamteam in die Kasse?, Foto: adrivo Sportpresse
Greift der Tabakriese für das Dreamteam in die Kasse?, Foto: adrivo Sportpresse

Valentino Rossi glaubt nicht daran, dass die Scuderia ihre Pferdchen längst auf das deutsch-finnische Gespann gesetzt hat: "Nein, nein, so ist das nicht. Die Tür ist offen und ich bin sehr froh darüber. Ich meine, die Tatsache, dass mir Ferrari Zeit gab, um mich zu entscheiden, ist doch sehr nett und auch ein Beweis ihres großen Vertrauens." Wen er als Teamkollegen bevorzugen würde - Schumacher oder Räikkönen - wollte Rossi nicht wirklich verraten: "Gut, Michael Schumacher war immer sehr nett zu mir. Ich empfand ihn sehr freundlich. Aber ich kenne Kimi Räikkönen nicht - vielleicht ist er ja auch sehr freundlich."

Sehr freundlich ist auch Felipe Massa. Und derzeit sitzt er auch in einem Ferrari. Zurzeit jedoch scheint er das vierte Rad an einem Wagen zu sein, der eigentlich nur zwei Räder haben darf. Denn bekanntlich setzt Ferrari nur zwei Autos in der F1-WM ein. Ein Michael Schumacher, der laut seinem Manager Willi Weber eher weiterfahren wird und der sich laut eigener Aussage sehr wahrscheinlich für Ferrari entscheiden wird - angeblich überlegt man sogar, schon am kommenden Wochenende, beim Grand Prix von Europa auf dem Nürburgring, seine Vertragsverlängerung bekannt zu geben. Ein Kimi Räikkönen, der laut zahlreichen Medienberichten bereits einen Ferrari-Vertrag unterschrieben haben soll. Ein Valentino Rossi, dem laut eigener Aussage die Tore in Maranello offen stehen. Wirklich sicher ist nur: Zwei der vier genannten Piloten werden im kommenden Jahr nicht in einem Einsatzwagen der Scuderia sitzen.