War das die Wiederauferstehung von Ferrari oder das bekannte Imola-Strohfeuer?
Hans Joachim Stuck: Ferrari war ja schon am Saisonbeginn relativ schnell. Sie hatten sicher ein Problem und haben deshalb ein quasi runderneuertes Auto gebracht. Aber man muss sie eben immer auf der Rechnung haben – sie können irrsinnig schnell reagieren, wenn's eng wird und verstehen das Auto jetzt besser. Ich glaube, dass Alonso noch ein wenig schneller ist. Dass hat man in Imola gesehen, da konnte er an Michael leicht heranfahren. Jetzt wird es am Nürburgring sehr spannend.
Alonso war schneller, aber Michael hat gewonnen...
Hans Joachim Stuck: Ganz entscheidend ist heute, ob man ein Rennen kontrollieren kann. Michael hat gezeigt, dass er es kann. Und mit einem cleveren Ross Brawn hat man auf die Strategie der anderen reagiert, und das war letztendlich der Sieg. Nicht nur der Speed allein entscheidet. Beeindruckend war vor allem, wie fehlerfrei Michael gefahren ist, unter dem Druck von Alonso ist ihm kein einziger Fehler unterlaufen.
Und er testete gleich wieder selbst in Le Castellet - macht das einer, der dran denkt aufzuhören?
Hans Joachim Stuck: Ich glaube nicht, dass er aufhört. Ich glaube, dass er noch 1-2 Jahre fahren wird und dann bei Ferrari aufhört. Auf die Spekulationen mit Renault oder BMW gebe ich nichts. Aber es zeigt, dass er Biss hat, wenn er selber testet, denn das hat er ja früher oft nicht gemacht. Er will es offensichtlich jetzt wissen - und das ist auch verständlich.
Ist er motivierter als im Vorjahr?
Hans Joachim Stuck: Richtig, wenn Du siebenfacher Weltmeister bist, fangen unter Anführungszeichen "gewisse Allüren" an, das fällt nur solange nicht auf, solange das Auto gut ist. Natürlich ist es besser, als wenn Badoer oder Gené im Auto sitzen. Und dieses eine Zehntel macht heute in der F1 den Unterschied aus. Deswegen muss der Champ selber testen! Weil er auch die Inkonsequenz des Autos so haben muss, wie es für ihn passt. Und je mehr er das macht, desto besser für ihn.



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