Mit dem Großen Preis von San Marino kehrt der Formel 1-Zirkus nach drei Überseerennen in die europäische Heimat zurück. Dabei hält neben den Motorhomes und Hospitalities in Imola auch die große Zuversicht aller Teams Einzug im Fahrerlager. Vor dem vierten Saisonlauf zeigten sich beinahe alle Beteiligten optimistisch, auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari besonders gut abschneiden zu können. Die Vorschau Press Releases der 11 Teams sprudelten geradezu vor optimistischen Aussagen von Fahrern und Teamverantwortlichen - und zwar mehr, als sie sonst schon sprudeln...
Renault: Berechtigter Optimismus

Wenn dieser Optimismus bei einem Team und zwei Fahrern berechtigt ist, dann bei Renault und Fernando Alonso sowie Giancarlo Fisichella. Die beiden Gelb-Blauen haben nicht nur die ersten drei Rennen gewonnen, sondern auch die Testfahrten der letzten zwei Wochen dominiert. Entsprechend zuversichtlich äußerte sich das Renault-Duo vor jenem Rennen, bei dem Fernando Alonso im letzten Jahr sein erstes viel beachtetes Meisterstück vollbrachte und Michael Schumacher rundenlang mit einem strauchelnden Fahrzeug hinter sich hielt. Angesichts der letzten (Test-)Ergebnisse gehen die Franzosen auch das vierte Wochenende des Jahres als Topfavoriten an.
McLaren: Aufstrebende Ziele
Auf Position zwei der Favoritenliste sieht sich McLaren Mercedes. Die britisch-schwäbische Allianz wusste die Motorenprobleme der frühen Vorbereitungszeit zu beseitigen und mischte bei den ersten drei Rennen gut mit. Nach weiteren Verbesserungen bei den zurückliegenden Tests, soll nun in Imola endlich einmal alles glatt laufen: Ohne technische Probleme, unverschuldete Unfälle und sonstiges Pech, möchte Kimi Räikkönen in der Höhle der roten Pferdchen den ersten Saisonsieg in Angriff nehmen. Sein Teampartner Juan Pablo Montoya muss hingegen beweisen, dass er genauso gut wie der Finne ist und seine zuletzt wenig berauschenden Auftritte der Vergangenheit angehören. Der MP4-41 sollte beiden Chrompfeilpiloten sehr gute Voraussetzungen für ihre jeweiligen Unterfangen bieten.
Ferrari: Übermäßige Zuversicht

Für Ferrari steht vor heimischem Publikum ein entscheidendes Wochenende an: Am Sonntagabend und Montagfrüh werden nicht nur die italienischen Medien nur ein Thema kennen - Ferrari. Entweder die Roten werden für ihre höchstoptimistischen Aussagen nach dem ersten Saisonsieg gelobt oder sie werden nach einer weiteren Enttäuschung dafür im Blätterwald gesteinigt. Im Team brachte in den letzten beiden Wochen so ziemlich jeder seine Zuversicht zum Ausdruck, von den beiden Testfahrern über die zwei Stammpiloten bis hin zum Präsidenten höchstpersönlich: Alle sagen ein siegfähiges Auto und einen Kampf um das oberste Podest voraus. Doch wehe wenn der runderneuerte 248 F1 diesen hochgesteckten Zielen nicht Genüge tun kann...
Honda: Hoffnungsvolle Erwartungen
Drei Rennen sind absolviert und Honda fährt noch immer dem großen Ziel für 2006 hinterher: Dem ersten GP-Sieg. Von Bahrain bis Australien waren die Japaner trotz gelegentlicher Lichtblicke nie in der Position um den Sieg zu kämpfen. Für Imola griffen sie deshalb in die Trickkiste: In Melbourne stellte Jenson Button seinen RA106 kurz vor der Ziellinie mit einem Motorschaden ab. Dadurch verschenkte er die Punkte für seine Platzierung in Australien, ersparte sich aber die Strafversetzung für San Marino. Da es dort fast unmöglich ist zu überholen, wähnt man sich so auf der sicheren Seite, um endlich den ersten Sieg einfahren zu können. Denn Button und Honda waren in Imola schon immer stark. Von Rubens Barrichello konnte man dies bei seinen ersten Auftritten in Weiß noch nicht behaupten. Wie für Jenson schlägt auch für ihn beim San Marino GP die Stunde der Wahrheit: Sollte Buttons Motorenpoker nicht mindestens mit einem Podestplatz belohnt werden und sollte Barrichello wieder nur im Mittelmaß versinken, dürfte die mediale Schelte nicht lange auf sich warten lassen. So wie vor einem Jahr, als British American Racing beide Autos beim Saisonstart in Melbourne "freiwillig ausfallen" ließ, um somit in Malaysia mit frischen Motoren antreten zu können. Die Strafe folgte auf dem Fuße: Beide Autos kamen im Rennen keine drei Runden weit...
BMW Sauber: Gedämpfte Euphorie

Entgegen dem Trend der allgemeinen Zuversicht bei allen Rennställen, dämpft das BMW Sauber Team die Euphorie der ersten Erfolge. In Australien brachte man erstmals beide Autos in die Punkteränge und das mit Motoren, die nur 'notdürftig' ausgebessert wurden. Genau das, könnte in Imola zum Problem werden: Erst nach dem vierten Rennen darf man straffrei die neueste Motoren-Generation einbauen. Deshalb befürchtet Mario Theissen Zuverlässigkeitsprobleme oder Leistungseinbußen. Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve hoffen trotzdem an ihre guten Leistungen aus den Überseerennen anknüpfen zu können. Die Konkurrenz im Kampf um Punkte ist jedoch groß.
Toyota: Große Zuversicht
Einer der Konkurrenten des BMW Sauber Teams kommt aus Köln-Marsdorf. Obwohl Imola bislang in der noch recht kurzen Teamgeschichte von Toyota alles andere als ein gutes Pflaster für die Japaner gewesen ist, sind die Weiß-Roten extrem zuversichtlich in diesem Jahr besser abschneiden zu können. Weder die 'bösen Kurbs' noch die "niedrigen Temperaturen" sollen Toyota von einer Fortsetzung des deutlichen Aufwärtstrends von Australien abhalten können. Ob diese Vorhersagen tatsächlich in die Tat umgesetzt werden können, bleibt noch abzuwarten. Zumindest die Testergebnisse ließen schon einmal hoffen - allerdings wissen nur die Japaner selbst, mit wie viel oder wie wenig Sprit Jarno Trulli seine Spitzenzeiten in Barcelona gefahren ist...
Williams: Große Hoffnungen

Das Überraschungsteam der ersten Saisonrennen, muss beim Europaauftakt wieder zur Standfestigkeit zurückfinden. Nach einem guten Start in Bahrain, gab es bei den Briten wie erwartet technische Probleme am superstarken Cosworth-V8 sowie dem stufenlosen Getriebe. Jetzt gilt es unter den kühlen Bedingungen ebenso konkurrenzfähig zu sein und zusammen mit Bridgestone an die Erfolge der letzten Wochen anzuknüpfen. Die Fahrer haben jedenfalls bewiesen, dass sie für vordere Platzierungen gut genug sind - wenn ein Mark Webber das überhaupt noch beweisen musste. In Imola erhält der Australier für seine Leistungen die Lorenzo Bandini Trophäe. Ein weiterer Anwärter auf einen Preis ist sein Teamkollege Nico Rosberg. Der junge Deutsche legte ein starkes F1-Debüt hin und dürfte auf ihm bekannten Terrain in Imola ähnlich gut unterwegs sein. Also aufgepasst, Mark!
Red Bull Racing: Zuverlässige Aussichten
Nach dem "besten Testtag" des Jahres, strotzt Red Bull Racing nur so vor Zuversicht. Mit zwei Autos konnte man in der letzten Woche in Barcelona über 100 Runden zurücklegen. In der Saisonvorbereitung war dies noch ein Ding der Unmöglichkeit. Mit der erlangten Zuverlässigkeit des RB2, möchte man nun höhere Ziele in Angriff nehmen und munter weiter WM-Punkt einfahren. Zudem stehen beide Fahrer unter Druck: Die Teamchefs forderten Christian Klien dazu auf David Coulthard zu schlagen und verlangten gleichzeitig von ihrem Teamleader, dass er den Österreicher bezwingt, um sich sein Cockpit für 2007 zu sichern.
Scuderia Toro Rosso: K(l)eine Wunder

Auch wenn das Team nicht mehr den Namen Minardi trägt: Imola ist und bleibt das Heimrennen für die Truppe aus Faenza. Die Zielsetzung für das Rennen nahe der Fabrik, hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nur bedingt geändert: An WM-Punkte denkt man bei Toro Rosso vorerst nicht. Obwohl Scott Speed in Australien für kurze Zeit den ersten Zähler von STR in Händen hielt, wissen Gerhard Berger, Franz Tost & Co genau, dass sie trotz ihrer V10-Motoren nur bei Ausfällen oder Problemen unter den Top-Teams in die Punkteränge rutschen können. Versuchen werden sie es natürlich trotzdem.
MF1 Racing: Keine Chance
Auch Midland wird versuchen ein kleines Wunder wahr zu machen und den ersten WM-Zähler des Jahres zu ergattern. Nur der Glaube daran fehlt. Mit Fabrizio del Monte schickt man einen weiteren Testfahrer ins Feld, der am Freitag Daten sammeln und Sponsorengelder bringen soll. Die Stammpiloten werden sich derweil erneut mit Super Aguri und Toro Rosso um die vorletzte Startreihe streiten müssen. Die einzigen Testarbeiten seit Melbourne fanden in der letzten Woche an zwei Tagen in Silverstone statt.
Super Aguri: Keine Neuwagen
Super Aguri war hingegen mit den anderen Teams in Barcelona aktiv. Allerdings erlebten die Japaner ein kleines Testdesaster: Hydraulikprobleme beschnitten die Testarbeiten von Takuma Sato enorm. Für Yuji Ide bedeutete das sogar, dass sein geplanter Test am Freitag abgesagt werden musste. Der Japaner dürfte das nicht gerne gesehen haben. Schließlich sollte er bei diesem Test jenes Selbstvertrauen und Wissen über sein Auto gewinnen, das ihm ein gutes Ergebnis einbringen und damit sein Cockpit sichern soll. Mehr als die letzten beiden Ränge sind für das Honda-Kundenteam aber ohnehin nicht drin.



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