Robert, die Logos auf Deinem Auto versprechen Dir Flügel zu verleihen. Welche Auswirkungen hatte das bei den ersten drei Rennen?

Robert Doornbos: Seit ich den Vertrag unterschrieben habe, fühle ich mich wie beflügelt. Das liegt aber nicht nur daran, dass ich jetzt so viel Zeit in Flugzeugen verbringe, sondern auch daran, dass ich mit einigen der Top-Leute in der Formel 1 zusammenarbeite. Es ist immer nur Vollgas!

Du warst F1-Testfahrer, dann Stammfahrer und nun bist Du wieder Testfahrer: Wie schwierig war die Umstellung zwischen diesen Rollen?

Robert Doornbos: Rennen zu fahren ist natürlich die beste Variante. Es gibt kein besseres Gefühl als am Sonntagmorgen aufzuwachen und zu wissen, dass man heute ein Rennen fahren wird. Ganz besonders in der F1! Wir hatten die Chance mit einem Team Rennen zu fahren, aber das wäre nur eine kurzfristige Lösung gewesen. Ich möchte jedoch langfristig in der F1 bleiben. Das ist schwierig zu erreichen, aber im richtigen Umfeld ist alles möglich. Red Bull gab uns die Möglichkeit in die Familie hineinzuwachsen und ich möchte das dazu nutzen, in naher Zukunft für das Team Rennen zu bestreiten. Obwohl ich derzeit nur für RBR teste, lege ich mehr Kilometer zurück als bei Minardi. Ich verbessere mich mit jedem Tag.

Nach Jordan und Minardi bist Du wieder bei einem Privatteam. Allerdings einem größeren und aufstrebenden Team. Kannst Du uns ein paar Beispiele von Tests und Rennen nennen, die zeigen welche Unterschiede zwischen einem größeren Team wie Red Bull Racing und einem kleineren Team wie Minardi existieren?

Robert verbessert sich von Test zu Test., Foto: Sutton
Robert verbessert sich von Test zu Test., Foto: Sutton

Robert Doornbos: Zuerst möchte ich Minardi meinen Respekt aussprechen. Was sie mit ihrem Budget erreicht haben, war aller Ehren wert. Wir hatten für Minardi-Verhältnisse im letzten Jahr eine gute Saison und kämpften während des Jahres gegen Jordan. Das hat allen im Team einen echten Motivationsschub gegeben! Bei Red Bull erlebe ich seit dem ersten Tag eine komplett andere Welt... und das ist auch gut so. Wenn am Auto etwas verbessert werden muss, ist es beim nächsten Test fertig. Bei Minardi bat ich immer um Verbesserungen, aber es gab nicht genügend Geld um größere Verbesserungen umzusetzen.

Mit Toro Rosso gibt es noch ein Red Bull Team, was für Euch toll ist. Warst Du dennoch etwas traurig Minardi aus der F1 verschwinden zu sehen?

Robert Doornbos: Sie haben sich als kleinstes F1-Team einen Namen in der F1 gemacht und waren das freundlichste Team. Sie waren richtig gut darin große Talente hervorzubringen. Fernando Alonso ist ein gutes Beispiel dafür. Ich fühle mich sehr geehrt ein Teil des Teams gewesen zu sein und es ist toll, dass ich ihren letzten Grand Prix in China im letzten Jahr vor meinem Teamkollegen und einem Jordan beendet habe!

Es gab viele Diskussionen um die V10-Motoren Eures Schwesterteams, auf welche wir gar nicht eingehen möchten. Was aber hältst Du von den neuen V8-Motoren? Stimmst Du Ricardo Zonta zu, der sagt, dass ein kleines Mädchen diese Autos fahren könnte, oder hältst Du es mehr mit Michael Schumacher, dem die V8 viel Spaß bereiten?

Robert Doornbos: Ehrlich gesagt war mein erster Test damit sehr schockierend, da ich vorher nur V10 gefahren bin. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Wir haben eine sehr gute Beziehung zu unserem Motorenpartner Ferrari und wir geben immer alles um noch mehr Power aus den Maranello-Pferdchen herauszuholen. Der Unterschied zu den V10 ist, dass man seinen Fahrstil anpassen muss, da es weniger Spielraum für Fehler gibt. Als Fahrer muss man sehr rund fahren, um mehr Speed in die Kurven mitzunehmen. Denn die PS alleine werden einen nicht mehr durch die Kurve ziehen.

Eure Saisonvorbereitung wurde von Kühlungsproblemen beeinträchtigt. Wie sehr hat das Deine Testarbeiten gestört?

Robert Doornbos: Zu stark. Ich wäre gerne mehr gefahren. Aber das trifft wohl auf alle Fahrer und Teams zu. Wir mussten das Problem identifizieren und zu einem gewissen Zeitpunkt, konnten wir nur eine Runde drehen und das war nicht gut. Das Team hat rund um die Uhr gearbeitet und ein neues Auto gebaut, das jetzt viel besser ist!

Die Reifen sind immer sehr wichtig: Wie sehr haben Deine Freitagstestarbeiten Christian und David bei den ersten drei Rennen geholfen? Wie sieht Dein Fazit nach drei Freitagen für RBR aus?

Robert gibt immer 110% - auch außerhalb des Cockpits..., Foto: gepa
Robert gibt immer 110% - auch außerhalb des Cockpits..., Foto: gepa

Robert Doornbos: Bei einem neuen Team, muss man sich zunächst den Respekt verdienen. Beim Testen habe ich gezeigt, dass ich schnell bin und an den Freitagen hatte ich die Verantwortung das Maximum aus unseren Michelin-Reifen herauszuholen. Ich gebe immer 110% und das Team ist sehr dankbar dafür. Das ist nach erst drei Rennen sehr gut. Ich habe in Melbourne mit Davidson um P1 gekämpft und Renn-Setups simuliert, um David und Christian zu helfen. Mein Selbstbewusstsein nimmt immer mehr zu und das Team wird mit jedem Wochenende besser!

Red Bull organisiert immer verrückte und lustige Events für seine Fahrer. Etwa die Arabian Night Fahrzeug-Präsentation, die Fahrt mit Skidoos oder das Springen aus Flugzeugen: Was war bislang das Beste, was sie von Dir verlangt haben - und sag jetzt nicht: Ihr Auto zu fahren...

Robert Doornbos: Ich warte noch auf das allerbeste Event, aber ich habe schon einige schöne Sachen wie das Skidoo-Rennen in Kitzbühel gemacht. Auch bin ich mit dem F1-Auto durch die Straßen von Damman in Saudi-Arabien gefahren. Es war ziemlich cool etwas Gummi zu verbrennen und einige Donuts hinzulegen. Denn es war das erste Mal, dass ein F1-Auto in Saudi-Arabien gefahren ist.