Indian Summer im Albert Park: Erstmals, seit die Formel 1 in Melbourne gastiert, ist in Down Under ein eher herbstliches Ambiente mit niedrigeren Temperaturen zu erwarten. Grund ist die Verschiebung des traditionellen GP-Termins von Anfang März auf den 2. April wegen der zuvor im Bundesstaat Victoria stattfindenden Commonwealth-Spiele.

Der Albert Park Circuit unterscheidet sich aber nicht nur durch die dezentere Witterung von den beiden Auftaktstrecken in Bahrain und Malaysia, sondern auch durch seine Stop-and-Go-Charakteristik. Der gewundene Stadtkurs zeichnet sich durch viele langsame und mittelschnelle Kurven aus, besitzt aber auch zwei Hochgeschwindigkeits-Abschnitte.

Fahrer, Fans und Verantwortliche lieben den Albert Park., Foto: Sutton
Fahrer, Fans und Verantwortliche lieben den Albert Park., Foto: Sutton

Das häufige heftige Herunterbremsen beansprucht die Bremsen der Boliden extrem. Die häufigen "Traction Events", also das Herausbeschleunigen aus niedrigen Geschwindigkeiten, erfordern eigentlich eine weiche Fahrzeugabstimmung. Bei der Abstimmung setzen die Teams dennoch auf ein mittleres Abtriebsniveau und ziemlich steife Federraten, damit die Autos bei den schnellen Richtungswechseln in den Schikanen gut und präzise einlenken. Allerdings sind die Bremszonen in Melbourne oft recht bucklig. Zu steif darf das Setup also nicht ausfallen, denn sonst riskieren die Fahrer blockierende Räder beim Bremsen.

Auf der technischen Seite benötigen die Boliden vor allem in den langsamen Kurven wie der Jones, Clark, Ascari oder Prost, welche alle samt im zweiten oder dritten Gang gefahren werden, viel mechanischen Grip sowie eine gute Traktion. Für die Whiteford, Lauda oder Waite Kurven ist hingegen auch eine optimale aerodynamische Balance von Nöten. Die beste Überholmöglichkeit auf der teils unebenen Strecke stellt die Start- und Zielgerade dar, an deren Ende sich eine gute Überholchance bietet. Der Vollgasanteil liegt bei 67%.

Die Strecke durch den Freizeitpark gilt im Gegensatz zu den beiden ersten Austragungsorten des Jahres nicht als besonders überholfreundlich. Auf der Jagd nach Rundenzeiten könnte der Verkehr die eine oder andere Strategie über den Haufen werfen. Die Strecke ist das Jahr über als öffentliche Straße oder Parkplatz für den Verkehr geöffnet. Zum Auftakt des Wochenendes finden die Formel 1-Autos deswegen auf Schmutz und Steinen kaum Grip. Wie auf Stadtkursen üblich, wird sich das Gripniveau im Lauf der Veranstaltung langsam, aber kontinuierlich steigern. Dennoch bleibt es auch während des Rennens ein wichtiges Gebot, die Ideallinie möglichst nicht zu verlassen, da die haftfähigen, heißen Pneus sonst Schmutz und Reifenabrieb aufsammeln. Der Reifenverschleiß wird als gering eingestuft.

Die F1 ist zurück im Party Park von Melbourne., Foto: Sutton
Die F1 ist zurück im Party Park von Melbourne., Foto: Sutton

Die Streckengeschichte

Die Formel 1 fuhr bereits in den Fünfziger Jahren dreimal im Albert Park, allerdings zählten diese Rennen damals noch nicht zur Weltmeisterschaft und wurden noch gegen den Uhrzeigersinn gefahren. So wurde beispielsweise 1956 ein Rennen zur Feier der olympischen Spiele in Melbourne ausgetragen, das Stirling Moss für sich entschied.

1985 wurde der erste offizielle Große Preis von Australien in Adelaide ausgetragen. Der Sieger des Debütrennens war Keke Rosberg in seinem Williams-Honda. Bis 1995 fand das Rennen in Adelaide statt, bis man den Grand Prix mit einem Ortswechsel nach Melbourne vom Saisonende an den Saisonanfang verlegte.

Der kürzeste australische Grand Prix fand im Jahre 1991 statt, als nach 14 von 81 Runden und gerade einmal 53 Kilometern wegen Regens gestoppt werden musste. Zum Sieger wurde der legendäre Brasilianer Ayrton Senna im McLaren erklärt. Er bekam dafür allerdings dem Reglement entsprechend nur die halbe Punktzahl gutgeschrieben. Jaques Villeneuve schrieb 1996 F1-Geschichte, als er bei seinem Formel-1-Debüt gleich von der Pole Position in den Australien GP startete. Beim Grand Prix im Jahre 2000 war die Startaufstellung nach Startnummern geordnet - zumindest von eins bis sieben in der richtigen Reihenfolge.