Die eigene Identität. Das eigene Ich. Wer oder was oder wie will man sein? Wie schaut er aus, der eigene Weg? Was will man erreichen im Leben? Was muss getan werden, damit man zeitig in der Früh gerne die Äuglein öffnet und nicht bis 15 Uhr des Aufstehens widerwillig in den Federn liegt? Und was soll man dann tun, wenn man einmal aufgestanden ist?
95 Prozent der Menschheit dürstet zunächst nach etwas Flüssigem, bei einer nicht geringen Anzahl dürfte es sich um das Aufstehgetränk Nr. 1, Kaffee, handeln. Und was kommt danach? 90 bis 95 Prozent, schätzen wir, wollen dann einfach Erfolg haben. Erfolg. Erfolg. Erfolg. Darum geht es im Leben, sagen viele - und wer keinen hat, ist ein Niemand. Und weil niemand ein Niemand sein will, möchte man einfach jemand anderer sein. Klarerweise orientiert man sich an erfolgreichen Personen. Und weil man oft nichts anderes kennt, sind es meist Personen, die im gleißenden Lichte der allgegenwärtigen Medienmaschine glänzen.
Eine solche ist Flavio Briatore. Erst am letzten Wochenende holte er mit seinem Formel 1-Team einen Doppelsieg für Renault, den ersten seit 1982. Der Bild-Zeitung verriet der Erfolgreiche: "So regiere ich die Formel 1!" Und er fügte hinzu: "Ich bekomme jeden Tag 750 E-Mails von jungen Männern, die wissen wollen, wie man ein Briatore wird." Sind in summe 273.750 Männer pro Jahr - in einem Zeitraum von zehn Jahren wollen demnach über zwei Millionen Menschen ein Briatore werden.
Aber wie wird man ein Briatore? So richtig schlau wird man aus Briatores Bild-Aussagen nicht: "Schnelle Entscheidungen und einfache Denke gleich Siege. Bei anderen Teams ist alles zu kompliziert." Anderes, grammatikalisch unbedenklicheres Beispiel: "Ich will immer der Erste sein, arbeite manchmal vier Tage und Nächte am Stück. Als in Deutschland noch alle dachten, Schumi sei der Sohn von Toni Schumacher, hatte ich ihn schon."
Also: Einfach denken, schnell entscheiden, immer vordrängen, wenig schlafen - wobei sich die Frage stellt, wie jemand tatsächlich vier Tage durchmachen kann, ohne zu verbotenen Substanzen zu greifen? Noch eine Frage stellt sich: Was bringt es der Welt, wenn es so viele Briatores gibt? Und was hat man letztlich davon, wenn man ein Briatore ist? Für den Erfolg die eigene Identität verkaufen? Sicherlich haben auch Kopien Erfolg, die Chancen sind gegeben. Aber es wird immer nur ein Abklatsch sein. Und zudem, und das sollten die 750 jungen Männer pro Tag bedenken, ist die Kopie immer auch abhängig vom Original. Und was tun, wenn Briatore plötzlich beschließt, ein vom Erfolg unabhängiger Landstreicher zu werden?

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