Manchmal ist es in der Formel 1 ganz gut, wenn man nicht alles mitbekommt. Vor allem dann, wenn es nicht läuft. Nach dem Auftaktdebakel für Toyota in Bahrain ist die Aufregung groß in den japanischen Medien.
Im Toyota-Team selbst herrscht dagegen noch relative Ruhe: "Druck herrscht in der Formel 1 immer. Wer mit dem Druck nicht umgehen kann, der ist hier fehl am Platz", so Chefingenieur Dieter Gass gegenüber motorsport-magazin.com. Ihm fällt jetzt zusammen mit den anderen Technikern die Aufgabe zu, das Problem zu lösen, das die Japaner aus Köln in die Krise gestürzt hat.
"Wir schaffen es nicht, die Reifen auf die entsprechenden Temperaturen zu bekommen, bei denen sie optimal funktionieren." Was im letzten Jahr Toyota noch zugute kam, der schonende Umgang mit den Reifen, ist jetzt ein Nachteil. Zwischen 80 und 90 Grad müssten die Gummiwalzen heiß werden - wo genau man liegt, will Gass nicht unbedingt verraten.

Er hofft aber, dass die Hitze hier in Malaysia dem Team entgegenkommt, dass die komplizierte Formel-1-Mathematik den rot-weißen zumindest hier einmal ein bisschen hilft: "Es könnte zum Beispiel so funktionieren, dass wir allein durch die höheren Streckentemperaturen näher an das gewünschte Temperaturfenster herankommen, und dann auch ein bisschen schneller fahren können, womit die Reifen wieder zusätzlich ein bisschen wärmer werden."
Die ersten Trainingseindrücke scheinen die Theorie zu unterstützen. Laut Bridgestone-Technikern kommt Toyota hier knapp an die 80 Grad heran, wobei Ferrari und Williams aber unter den hiesigen Bedingungen eher mit knapp 100 Grad unterwegs sind...
Dass das aber sowieso nicht die endgültige Lösung ist, ist klar - denn schon in zwei Wochen in Australien wird es wieder deutlich kälter werden. Dem neuen Reifenpartner Bridgestone, zu dem Toyota Ende 2005 wechselte, macht niemand einen Vorwurf, auch wenn dieser Umstieg von einer französischen auf eine japanische Marke eher dem Wunsch der höchsten Toyota-Führung in Tokio als dem der Verantwortlichen des Rennteams entsprach. "Denn bei Ferrari und auch bei Williams hat sich ja in Bahrain gezeigt, dass der Reifen an sich funktioniert - wir sind es, die das Auto dahin bringen müssen, dass er es auch bei uns tut," gibt Gass zu.

Ein paar Möglichkeiten hat man schon, in der Abstimmung, in der Aerodynamik, "im Prinzip das Gegenteil von all dem, was wir früher gemacht haben, um das Auto Reifen schonend zu machen." So wird jetzt selbst zwischen den Überseerennen getestet, am Sonntag Abend wird Ralf Schumacher sofort nach Europa zurückfliegen, zwei Testtage im südfranzösischen Paul Ricard stehen dann an.
Natürlich könnte man jetzt im Nachhinein sagen, dass man das Problem wohl unterschätzt habe, das ja schon beim Testen auftrat. "Wir haben es da aber auf den extrem kalten Winter in Europa geschoben und waren uns sicher, dass es sich unter normalen Bedingungen von selbst lösen wird. In Bahrain mussten wir erkennen, dass wir uns getäuscht haben," so Ralf. Die Hoffnung gibt er deshalb noch lange nicht auf: "Ich gehe davon aus, dass wir das in relativ kurzer Zeit lösen können. Ich sage relativ - ich möchte mich da nicht genau festlegen."
Auch Gass blickt nur nach vorne: "Nach dem ersten Rennen schon aufgeben, die Flinte ins Korn werfen, das gibt es nicht. Und bei uns schon gar nicht. Wir haben alle Ressourcen, alle Möglichkeiten. Natürlich sind alle erst einmal enttäuscht - aber das müssen wir zum Anlass nehmen, noch härter zu arbeiten."

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