Wird 2006 die beste und spannendste Saison aller Zeiten? Diese Frage bewegt seit dem packenden Saisonstart in Bahrain viele Medien, Experten und Fans. Sogar FIA-Präsident Max Mosley und F1-Boss Bernie Ecclestone zeigten sich vom Auftaktwochenende in der Wüste begeistert.

Die Frage ist nun: Wird es genauso spannend und abwechslungsreich weitergehen? Oder kam beim 1. Saisonlauf einfach nur alles zusammen? Eine moderne Strecke, die schon bei ihren ersten beiden Rennen viele Überholmanöver ermöglichte, ein ungewisses Kräfteverhältnis nach der langen Winterpause und neue Regeln, die veränderte Vorzeichen bei Reifen und Motoren mit sich brachten.

Einen ersten Hinweis darauf wird der Malaysia GP bringen. Insbesondere weil das Hitzerennen auf dem Sepang International Circuit die neuen V8-Motoren erstmals vor die Herausforderung stellt zwei Rennwochenenden zu überstehen. Ein Hoffnungsschimmer für die Fans ist die Tatsache, dass auch der Tilke-Kurs vor den Toren Kuala Lumpurs in der Vergangenheit ein Garant für spannende Rennen war. Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage, werden hingegen Rennen wie Imola oder Magny Cours bereithalten. Im Vorjahr hat Imola schon einmal bewiesen, dass auch auf den alten Traditionskursen tolle Rennen möglich sind.

Der Spanier jubelt und jubelt und jubelt..., Foto: Sutton
Der Spanier jubelt und jubelt und jubelt..., Foto: Sutton

Renault: Der zweite Streich?

Erstes Rennen, erster Sieg: In Bahrain wurde Renault der Favoritenrolle gerecht. Andererseits gab es auch bei den Franzosen noch viel Verbesserungsspielraum. Etwa bei der Taktik für das neue Qualifying oder bei der Zuverlässigkeit von Giancarlo Fisichellas R26. Obwohl Renault immer noch ein bisschen Speed in der Hinterhand zu haben schien, müssen die Gelb-Blauen in dieser Saison härter kämpfen um alle drei Hauptkonkurrenten hinter sich zu halten. In Malaysia sollen die hohen Temperaturen ihrem R26 sowie den Michelin-Pneus entgegen kommen. Dann möchte neben Alonso auch Fisichella richtig in die Saison starten und um den Sieg mitfahren. Rein theoretisch stehen die Chancen dafür gut, allerdings bleibt der amtierende Weltmeister zu favorisieren. Eine Wiederholung seines Vorjahreserfolges ist demnach unter normalen Umständen wahrscheinlicher als der erste Saisonsieg des Italieners.

McLaren: Endlich zuverlässig?

Kimi Räikkönen würde gerne einmal herausfinden, wo er landet, wenn er von weiter vorne starten würde. Vielleicht bekommt er in Malaysia die Gelegenheit dazu. Dafür muss aber die Technik mitspielen: Nur wenn sein MP4-21 die Distanz übersteht, kann der Finne auch das Potenzial des Autos voll ausschöpfen und um den Sieg mitfahren. Ansonsten sind selbst mit Meisterleistungen wie seiner Aufholjagd von Bahrain nicht mehr als Podestplätze möglich. Sein Teamkollege Juan Pablo Montoya wurde vom Ice Man durch diese Fahrt gleich beim Saisonauftakt in den Schatten gestellt. Aus seiner Sicht müsste nun in Sepang ein gutes Ergebnis folgen, um nicht erneut wie im Vorjahr ins Hintertreffen zu geraten. Wahrscheinlicher ist jedoch eine weitere Niederlage im Teamduell gegen Räikkönen.

Dies mal möchte Ferrari vor den Gelb-Blauen bleiben., Foto: Sutton
Dies mal möchte Ferrari vor den Gelb-Blauen bleiben., Foto: Sutton

Ferrari: Der Sprung nach ganz vorne?

Hinterher haben es immer alle gewusst: Vor Saisonbeginn wurde in den heiligen Hallen in Maranello tiefgestapelt, jetzt waren alle schon vor Bahrain davon überzeugt, dass der 248 F1 ein Siegerauto ist. Nach dem Comeback muss jetzt die endgültige Wiederauferstehung folgen: Ferrari muss seinen ersten richtigen Sieg gegen mehrere, gleichwertige oder leicht überlegene Gegner herausfahren. Der Gewinn des US Grand Prix in der Vorsaison zählt in diesem Zusammenhang nicht. Welcher Ort könnte für die Auferstehung der Roten besser sein, als jene Strecke, die im letzten Jahr den Tiefpunkt des roten Daseins markierte: Malaysia. Der Ort, an dem sie und Bridgestone 2005 sang- und klanglos untergingen und geradezu gedemütigt wurden. Apropos Bridgestone: Die Japaner müssen nach dem starken Auftakt im kühler als erwarteten Bahrain beweisen, dass sie auch in der Hitze von Sepang bestehen können. Und zwar ohne vorher dort getestet zu haben. Sollte das gelingen, könnte Ferrari den angestrebten ersten Erfolg seit langer, langer Zeit schaffen.

Williams: Bestätigung der Leistung?

Sie waren die Geheimfavoriten, doch erst in Bahrain konnte Williams auch die letzten Zweifler überzeugen. Jetzt gilt es aus der Überraschung des ersten Rennwochenendes eine konstante Regelmäßigkeit zu machen. Mit Mark Webber und dem neuen Liebling der Massen Nico Rosberg besitzt man jedenfalls die passenden Fahrer für eine erfolgreiche Saison. Sollte das Paket bestehend aus FW28, Cosworth V8 und Bridgestone Reifen auch in Malaysia konkurrenzfähig sein, und davon gehen die Briten aus, haben sie einen weiteren Schritt auf dem Weg zurück zu altem Ruhm geschafft. Und genau das war ja die Zielsetzung vor Saisonbeginn. Obwohl zwischen Bahrain und Malaysia nur eine Woche liegt und nicht getestet wurde, bringt das Team schon beim zweiten Rennen einige neue Teile zum Einsatz. Das gehört zum neuen "aggressiven" Stil. Im Fernduell mit dem alten Partner BMW, liegt der Traditionsrennstall nach dem ersten Rennen mit 1:0 in Führung.

Das Duell B gegen B währte nicht lange., Foto: Sutton
Das Duell B gegen B währte nicht lange., Foto: Sutton

Honda: Der große Durchbruch?

Vor dem Auftaktrennen hatte man sich bei Honda Siegchancen ausgerechnet. Deshalb reichte den Japanern der vierte Platz von Jenson Button nicht. Der Brite ist aus diesem Grund froh schon am kommenden Wochenende eine neue Chance auf seinen ersten GP-Triumph zu erhalten. Der RA106 ist laut dem Team dafür gerüstet. Angeblich soll der Wagen sogar bestens für die heißen Bedingungen in Sepang vorbereitet sein. Aber nicht nur die Kühlung des Autos wird von den Bossen gelobt, auch die Michelin-Reifen sollen in der tropischen Hitze wieder zu alter Überlegenheit zurückfinden. Wenn alles zusammenpasst, dann könnte es in Malaysia tatsächlich endlich so weit sein: Allerdings nur für Button und Honda - Rubens Barrichello hinterließ in Bahrain noch nicht den Eindruck, als ob er gewinnen könnte.

Red Bull Racing: Hält der Motor?

Dass Red Bull Racing vor dem Saisonauftakt keine einzige komplette Renndistanz absolviert hatte, ist mittlerweile weitgehend bekannt. In Bahrain schafften es dennoch beide RB2 bis ins Ziel. Der von David Coulthard kam jedoch nicht viel weiter: Kurz nach der Zieldurchfahrt blieb der Schotte mit einem Motorschaden stehen. Das Schlimme daran: Da das Rennen bereits abgewunken war, erhält DC für seinen notwendigen Motorwechsel eine Strafversetzung. Den Malaysia GP beginnt er also definitiv nicht von der Pole Position. Das steigert die Chancen von Christian Klien auch beim zweiten Saisonlauf vor seinem Teamkollegen zu landen und vielleicht weitere Punkte zu sammeln. Mehr ist für RBR zu diesem Zeitpunkt und angesichts der starken Konkurrenz nicht drin.

DC und Quick Nick gefiel der harte Zweikampf., Foto: Sutton
DC und Quick Nick gefiel der harte Zweikampf., Foto: Sutton

BMW Sauber: Die ersten Punkte?

Irgendwie hatte man sich bei BMW Sauber trotz allen Tiefstapelns für das Debüt mehr erhofft. Ein Ausfall, ausgerechnet mit einem kapitalen Motorschaden, und ein Platz außerhalb der Punkte, sprechen nicht gerade für ein perfektes Debüt. Dabei hatte alles so gut mit einer Trainingsbestzeit für Robert Kubica und einer Top10-Startposition für Nick Heidfeld begonnen. Das gleiche Fahrertrio möchte nun in Malaysia den zweiten Versuch unternehmen. Sollten keine Defekte oder unvorhersehbaren Kollisionen in der ersten Kurve hinzukommen, könnte ein heißer Kampf mit Red Bull und Williams um die letzten freien Punkteränge entbrennen. Mehr scheint für BMW Sauber momentan nicht drin zu sein. Aber das erwartet man ja auch gar nicht. Noch nicht.

Toyota: Besser als in Bahrain?

Schneidet Toyota in Malaysia besser als in Bahrain ab? Die berüchtigten bösen Zungen würden behaupten: Schlechter geht ja wohl kaum! Und tatsächlich: Der Auftritt der Weiß-Roten beim Saisonauftakt in Bahrain war ein Desaster. Darüber sind sich auch die Japaner im Klaren, die aber noch um Geduld bitten: Bis zum Malaysia GP ist die Zeit einfach zu kurz, um grundlegende Veränderungen einzuleiten. Insbesondere da es Mike Gascoyne nur nach einem dürstet: Mehr Testfahrten. Dabei soll herausgefunden werden, warum man mit den Reifen keinen Grip aufbauen kann. Auf Bridgestone kann man die Schuld nicht abschieben: Bei Ferrari und Williams funktionierten die Reifen bestens. Angesichts der vielen starken Konkurrenten, dürfte Toyota zufrieden sein, wenn sie in Malaysia in der Nähe der Punkteränge anzutreffen sind. Eine Wiederholung des Podestplatzes aus dem Vorjahr ist utopisch. Selbst vor dem Motto der Japaner: Manches ist eben doch unmöglich...

Die Bullen im Heck des STR1 werden vorerst nicht weiter gezähmt., Foto: Sutton
Die Bullen im Heck des STR1 werden vorerst nicht weiter gezähmt., Foto: Sutton

Scuderia Toro Rosso: Eine kleine Überraschung?

Die große Überraschung blieb beim Saisonstart aus: Die V10-gepowerten STR1 fuhren nicht wie von manchem Konkurrenten erwartet auf das Podium. Stattdessen reihte man sich brav im Mittelfeld ein. Allerdings weit vor den Rivalen von MF1 - und vor Toyota. Für das zweite Wochenende der Teamgeschichte gelten die gleichen Ziele: Erfahrung sammeln, die beiden jungen Piloten unterstützen und zusammen mit dem Schwesterteam für gute Stimmung sorgen. Sobald man aber auch für gute Ergebnisse sorgen sollte, wird diese Stimmung sicherlich schnell einer neuerlichen V10-Diskussion weichen. Der Hitzeschlacht von Malaysia darf man unterdessen gelassen entgegensehen: Während die V8 um ihre Zuverlässigkeit zittern müssen, dürfen die STR-Fahrer ihre erprobten Cosworth-Aggregate weiter voll ausdrehen.

MF1 Racing: Keine Chance?

Sie hatten keine Chance und konnten diese in Bahrain nicht nutzen. Vielleicht gelingt MF1 Racing das in Malaysia besser. Christijan Albers war jedenfalls davon überzeugt, dass in seinem M16 noch mehr Potenzial steckt. Allerdings liegt Midland im Niemandsland des Starterfeldes: Zwei Sekunden vor Super Aguri und zwei Sekunden hinter Toyota und Toro Rosso. Die einzige Chance auf eine Überraschung in Form von WM-Punkten, könnte durch technische Probleme bei der Konkurrenz entstehen. Ansonsten müssen sie sich damit abfinden, vorerst nur um die goldene Ananas zu fahren.

Super Aguri: Der nächste Fortschritt?

Wer innerhalb von nur vier Monaten ein F1-Team aus dem Boden stampft, einen vier Jahre alten Wagen an das neue Reglement anpasst und dann bei seinem Debüt nur zwei Sekunden auf das rund 400 Millionen Euro schwerere Toyota-Team verliert, der darf wahrlich stolz auf sich sein. Nichtsdestotrotz wissen bei Super Aguri alle, dass man mit dem aktuellen Paket keinerlei Chancen auf WM-Punkte besitzt. Das Ziel lautet Erfahrung zu sammeln und sich so tapfer wie nur irgendwie möglich zu schlagen. In Bahrain hat das schon einmal gut geklappt. Der zweite Anlauf folgt sogleich.