"Wir könnten es uns leisten, mit 8 Autos gleichzeitig zu testen", klingen mir Ralf Schumachers Worte noch in den Ohren. Was hat er nicht für große Töne gespuckt in der Winterpause. Bruder Michael hatte er beispielsweise schon mal vorab jegliche Konkurrenzfähigkeit im Ferrari abgesprochen. Wie schön, dass auch Experten irren können.

Das Bahrain-Wochenende war für Toyota nach eigenen Worten "ein Schock". Die Aussage kommt einem Erdbeben gleich. Formulierungen dieser Art sind politisch unkorrekt für einen Weltkonzern. Sie könnten unmittelbare Auswirkungen auf Verkaufszahlen und Aktienkurse haben.

Der deutlichste Hinweis: Jarno Trulli fehlten auf die schnellste Rennrunde von Nico Rosberg 2,4 Sekunden. Die Topspeed-Werte von Toyota und Midland waren so beschämend niedrig, dass in Köln wohl alle Alarmglocken läuten müssen. Ob Frank Williams es noch für eine gute Idee halten wird, 2007 auf Toyota-Motoren zu wechseln, darf zumindest bezweifelt werden.

Hat Toyota den Winter verschlafen? Alle Fachleute haben den Kopf geschüttelt, als der neue Bolide Wochen vor der Konkurrenz vom Stapel gelassen wurde. Wie es scheint, nicht ganz zu Unrecht.

Haben die erweiterten Spionage-Anklagen der Staatsanwaltschaft das Team in der Entwicklung so sehr behindert? Hat der Abgang von Gustav Brunner ein größeres Loch gerissen als vermutet? Hat sich der patriotisch und kommerziell motivierte Wechsel zu Bridgestone als folgenschwerer Fehler erwiesen? Lähmen die multinationalen Entscheidungsstrukturen die notwendigen Kreativprozesse?

Bei allem Katzenjammer darf nicht vergessen werden: Toyota ist nach wie vor ein junges Team, dem es vor allem an einem fehlt: An Erfahrung.

Beim Einstieg in den Grand Prix-Sport haben die Konzernbosse einen 5-Jahresplan befohlen. Nach drei Jahren wollte man um Siege mitfahren, im fünften Jahr sollte der Titel her. Bahrain 2006 war der erste massive Rückschritt in diesem Projektplan.

So bitter diese Erfahrung für Toyota auch sein mag - für die Formel 1 kann sie gut sein. Wenn ein low-budget-Ansatz wie der von Williams mit einem Nobody aus der GP2 so aufgehen kann, dann frage ich mich, wozu man 400 Millionen-Budgets braucht und wie Fahrer ihre 15 Millionen-Gagen rechtfertigen.

Wenn der Star unter den Designern dorthin geht, wo man nicht glatt rasiert zur Arbeit erscheinen muss, dann gibt es doch noch eine Restmenge an Lebensgefühl in diesem Sport. Und wenn eine Bastelbude wie Super Aguri mit nicht einmal 600 Testkilometern im Winter auch nicht viel mehr als 2 Sekunden auf Toyota einbüßt, dann wird die Formel 1 vielleicht für echte Racer auch wieder leistbar.

Nicht falsch verstehen, ich wünsche dem sympathischen Toyota-Team nur das Beste. Noch nie ist ein Neuling so professionell und methodisch an die Formel 1-Aufgabe herangegangen. Wenn es nun noch gelingt, diese bunte Söldnertruppe mit einem Rennvirus wie die Williams-Mannschaft zu infizieren, dann wird die Geduld der Konzern-Bosse in Japan nicht mehr allzu lange auf die Probe gestellt werden.