Die Saisonvorbereitungen sind abgeschlossen. Seit den Präsentationen und Roll-Outs der einzelnen Teams ist bereits eine Weile vergangen und die Techniker haben sich nicht auf die Faule Haut gelegt. Ganz im Gegenteil: Einige Teams haben schnell gemerkt, dass ihr neuer Bolide nicht ganz den Erwartungen entsprochen hat. Dadurch wurden Nachbesserungen nötig, die wir Ihnen rechtzeitig zum Saisonstart vorstellen und erklären.
Renault
Die Franzosen sind nach den Testfahrten die großen Favoriten für die Formel 1 Saison 2006. Konstante und schnelle Rundenzeiten schieben die Mannschaft von Flavio Briatore bereits vor dem ersten Rennen in die Pole Position. Vertraute man bisher auf eine sehr schmale Nase, präsentierten die Techniker nun eine völlig neue Lösung, welche jener des letztjährigen McLaren sehr ähnlich sieht. Ob die Testergebnisse mit der neuen Nase zufrieden stellend waren, wird sich zeigen, wenn Renault in Bahrain mit der neuen Konstruktion auftauchen sollte.
McLaren-Mercedes

McLaren galt zu Beginn der Testfahrten als große Enttäuschung. Die Schuld lag allerdings nicht am neuem MP4-21 sondern wohl eher am schwachem Mercedes-Motor. Allerdings hat man in Stuttgart einige PS gefunden, und seitdem fahren die Briten gut mit. Vor allem im Renntrimm scheinen die Mannen aus Woking gut unterwegs zu sein. In einigen Wochen könnte Mercedes die Drehzahl bis 19.500/min freigeben, spätestens dann sollte McLaren zum Favoritenkreis zählen. Bei Testfahrten präsentierte man ein neues Kühlsystem, welches auf der rechten Seite einen größeren Chimney und Kiemen aufweist als auf der linken. Anscheinend gab es speziell auf der rechten Seite große Kühlprobleme, welche zu dieser neuartigen Lösung führten.
Ferrari
Bei den Italienern wird wohl viel davon abhängen, wie gut man mit den Bridgestone-Reifen zu Recht kommen wird. Das Auto ist ein solider Wurf und durch ein neues Aerodynamikpaket, welches speziell die Front betrifft, scheint man auch fast eine Sekunde an Speed gefunden zu haben. Es handelt sich dabei um eine spitzere Nase und einen Doppeldecker-Frontflügel, welcher sich bereits seit geraumer Zeit in der Formel 1 bewährt hat. An der Zuverlässigkeit muss aber noch gearbeitet werden, denn bisher brachte es der 248F1, im Vergleich zu anderen Titelanwärtern, auf wenig Testkilometer. Die Problemfelder reichen vom Getriebe bis zur Kupplung und werden von starken Vibrationen abgerundet. Technikchef Ross Brawn hält die Aufgabe jedoch für durchaus lösbar.
Toyota

Toyota verfolgt eine ganz neue Strategie in der Formel 1. Bereits im Dezember rückten sie zu Testfahrten mit dem angeblich neuen Modell aus. Dieses entpuppte sich jedoch von der aerodynamischen Seite betrachtet als alt und somit setze man im Februar auf ein komplettes Facelift. Der neue TF106 erinnert an ein Flügelmonster, denn die Japaner setzen auf mehr Zusatzflügel als ihre Konkurrenten. Es gab einen neuen Frontflügel mit Zusatzelement, zwei Zusatzflügel an der Nase, neue Seitenkästen, zwei Flügel an der Airbox und ein neues Kühlsystem. Ob dieser Flügelsalat erfolgreich ist lässt sich noch nicht sagen, denn niemand weiß ob die Japaner bereits alle Karten aufgedeckt haben oder nicht.
Williams-Cosworth
Die Briten trotzen vor Zuversicht und das nicht umsonst. Der neue FW28 sieht nicht nur gut aus sondern scheint auch schnell zu sein, und besitzt überraschenderweise wahrscheinlich sogar den besten Motor im ganzen Feld. Die Cosworth-Maschine leistet bis zu 20.000 U/min und besitzt genügend PS um an der Spitze mitzuhalten. Einziges Sorgenkind bleiben die Bridgestone-Reifen, welche noch nicht das Potenzial haben um mit den Michelin-Gummis mitzuhalten. Besserung brachte auch ein neuer Frontflügel mit einem kleinen Doppeldeckerelement welches oval ist und in der Mitte einen Gurney Flap besitzt.
Honda Racing

Die Mannschaft aus Brackley gilt neben Renault als größter Favorit auf den WM-Titel. Der brandneue RA106 ist leistungsstark, zuverlässig und verfügt mit den Michelin-Reifen über die passenden Schuhe. Kein Team schaffte mehr Testkilometer pro Auto und Testtag als die Japaner. Auch auf der aerodynamischen Seite wurde in Brackley nachgebessert: Man probierte bei den Tests einige Frontflügel-Varianten aus. Ob sich der zweistöckige Flügel, welcher mit der Nase seitlich verbunden ist, durchsetzen kann, wird sich zeigen.
Red Bull Racing
Red Bull erlebte eine große Enttäuschung zu Beginn der Testfahrten. Der RB2 entpuppte sich als total unzuverlässig und langsam. Kühlprobleme stoppten den Testbetrieb, denn bei den Kühldaten hat man sich um 30° verrechnet. Mit größeren Seitenkästen und Kühlschlitzen bekam man diese Probleme in den Griff, schädigte jedoch die Aerodynamik. Durch den neuen dreiteiligen Frontflügel und die neue Motorhaube konnte man das Defizit egalisieren. Dennoch kämpft man weiterhin mit der Zuverlässigkeit. Der Red Bull schaffte bisher noch keine Renndistanz.
BMW Sauber

Das BMW Team stach die gesamten Testfahrten hindurch nicht wirklich heraus, hat die Hausaufgaben jedoch mit erfolg abgearbeitet. Das Team selbst schätzt 2006 im vorderen Mittelfeld mitfahren zu können. Der Motor wurde verbessert, das Chassis war bereits von Anfang an ein großer Fortschritt und durch die vielen Testkilometer können die Schweizer diese Saison sicherlich eine große Steigerung erwarten. Die großen Kühlkiemen zeigen jedoch, dass der BMW Motor viel Luft zum Atmen braucht.
MF1 Racing
Der M16 stellte sich bereits bei den ersten Testfahrten als relativ langsam heraus. Der Bolide wirkt zusammengestückelt und relativ plump. Es fehlt an Abtrieb auf allen Seiten, deswegen setzten die Russen auf einen wuchtigen Frontflügel der dem cw-Wert des Autos nicht unbedingt zugute kommt. Das neue Auspuffsystem, welches die Abgase leicht seitlich aus dem Heck austreten lässt, brachte nicht den gewünschten Erfolg, somit bleibt als einziger Pluspunkt der neue Toyota-Motor.
Scuderia Toro Rosso

Der Scuderia Toro Rosso tritt dieses Jahr mit einem verkappten Red Bull aus dem Vorjahr an. Die Autos sind sich sehr ähnlich was bei den Konkurrenten Proteste auslöste. Doch rechtlich gesehen ist diese Aktion legal und pusht die Scuderia weit nach vorne. Ein verbesserter RB1 ist sicher auch dieses Jahr noch besser als der von Minardi entwickelte Bolide. Durch den V10 besitzen die Italiener einen weiteren Vorteil in punkto Zuverlässigkeit. Der STR1 ist keine aufregende aber solide Konstruktion und durch einen neuer Heckflügel, mit geschwungenem Element, konnte man sich auch auf der aerodynamischen Seite steigern.
Super Aguri
Die Ausgangslage ist zwar hoffnungslos, doch die Japaner scheinen das Beste daraus zu machen. Bei Testfahrten präsentierte man einen komplett rund erneuerten A23, welcher die Fachwelt überraschte, denn Super Aguri schaffte es den alten A23 an aktuelle Aerodynamik Trends anzupassen. Die Front blieb zwar relativ unverändert, doch das Heck unterscheidet sich gänzlich vom Museumsauto A23. Kleinere Seitenkästen, welche eingezogen wurden und stärker abfallen, verbessern die Aerodynamik. Dazu kommen neue Batmans und Chimneys als Auslässe für die heiße Luft. Ein neuer Heckflügel, welcher an das Reglement angepasst wurde, rundet die Aerodynamik ab. Ein Problem konnte jedoch nicht behoben werden, der Super Aguri ist nicht verwindungssteif. Das alte Arrows Chassis kommt mit den stärkeren Vibrationen des Honda Motors nicht zurecht. Bei den Japanern hofft man allerdings auf maximal fünf Sekunden Rückstand pro Runde, was jedoch relativ schwer zu erreichen sein wird.

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