Vier Tage vor dem Auftaktrennen in Bahrain zeigte sich Ralf Schumacher in einem Interview mit dem Express recht zurückhaltend über den möglichen Saisonverlauf.

"Prognosen sind immer problematisch," antwortete er auf die Frage nach den ersten Acht beim Grand Prix von Bahrain. "Wenn wir uns aber an Fakten halten, also an die Ergebnisse der letzten Tests, dann dürften sich auf den ersten Plätzen Renault-, Honda- und McLaren-Piloten tummeln."

Sein eigenes Team Toyota sei aber wohl für eine Überraschung gut. "In Bahrain werden wir Temperaturen um die 40 Grad haben. Also eine Hitze, die weit weg ist von den Bedingungen unserer Tests in Spanien. Doch erst unter tatsächlichen Gegebenheiten werde ich die Quali-Güte der unterschiedlichen Reifen-Marken einstufen können. Tut mir leid, aber ich bin momentan mit dieser Frage genau so überfordert wie die Fans."

WM-Favoriten sind für Ralf Schumacher nach den Wintertests wieder einmal die üblichen Verdächtigen. "Renault hat mich am meisten beeindruckt und Honda sehr überrascht. Dass man, wie Red Bull, selbst im Winter Kühlprobleme haben kann, war übrigens auch eine Überraschung."

Seinen Bruder Michael hat Ralf im Rennen um den Titel nicht auf der Rechnung, auch wenn er seine Aussagen der vergangenen Woche etwas abschwächt. "Mein Zitat, dass ich Michael 2006 den Titel nicht zutraue, ging ja wirklich um die Welt. Wobei ich ihm den Titel - nach mir natürlich - wie keinem Zweiten gönne. Bloß, und das nochmal: Ich glaub nicht so sehr daran. Renault und Honda erscheinen momentan ziemlich übermächtig. Was auch was mit den Reifen zu tun hat."

Der neue Qualifikationsmodus findet bisher die volle Zustimmung des 30-jährigen. "Generell finde ich es gut, dass wir wieder mehr als nur einen Schuss für die beste Trainingszeit haben. Den neuen Modus hat es vom Prinzip ja schon in anderen Serien gegeben: Beispielsweise in der DTM, und da war er ein Erfolg. Aber: Bekanntlich liegt der Teufel ja im Detail und deswegen muss ich erst einmal zwei, drei Qualis abwarten, um wirklich sagen zu können, wie gut der neue Modus tatsächlich ist."

Zum ersten Mal tritt Toyota 2006 auch auf Bridgestone-Reifen an. Nach den recht durchwachsenen Wintertests fällt Ralf eine abschließende Beurteilung des Potentials des Gesamtpakets und der Aussichten für die eigene Saison recht schwer. "Wie ich schon zum Qualifying gesagt habe: Wir haben bislang nur bei relativ kühlen, ja sogar tiefen Temperaturen getestet. Deswegen ist eine exakte Beurteilung beider Reifenhersteller eigentlich gar nicht möglich. Zumindest heute nicht."

Trotzdem ist er mit der bisherigen Entwicklung seines Arbeitsgeräts recht zufrieden. "Der TF106 hat sich ganz gut gemausert. Sicherlich ist es schwierig eine 100-prozentig akkurate Bewertung abzugeben, denn das Zusammenspiel der neuen Komponenten, also Chassis, Motor, Reifen, ist noch nicht ausgereift. Wir haben jedoch gute Arbeit in den Wintertests gemacht. Tut mir leid, aber es läuft bis zum ersten Rennen immer auf die übliche Floskel hinaus: Wir sind zwar besser als im Vorjahr, wie gut wir aber wirklich sind, wissen wir erst in Bahrain am Samstagnachmittag."