Nur wenige Tage vor dem ersten Grand Prix der Saison 2006 meldete sich Ex-Formel 1 Weltmeister Niki Lauda in der Münchener Abendzeitung zu Wort. Obwohl Michael Schumacher selbst sehr zuversichtlich in die neue Saison geht, zählt Lauda den Deutschen nicht zu den Favoriten um den WM-Titel.
"Für mich ist Schumacher kein Favorit auf den Titel," stellte er fest. "Er hat Außenseiterchancen und wird wieder Rennen gewinnen." Um den Titel werden aber wohl andere kämpfen. "Alonso hat den stärksten Eindruck hinterlassen. Sein Renault ist nach den Testfahrten das beste Auto im Feld. Dann kommt für mich Honda. Und dann erst Ferrari zusammen mit Mercedes."
Rückendeckung bekommt der 57-jährige in seiner Einschätzung von Ex-Rennfahrerkollege Martin Brundle. Er sagte der Sunday Times dass, Schumacher auch "mit gleichwertigen Material nicht mehr in der Lage wäre, Alonso oder Räikkönen zu schlagen." Schumacher hätte den Zenith seiner Karriere überschritten meinte Brundle. "(In Brasilien und Istanbul letztes Jahr) war er ein guter Fahrer, aber kein außergewöhnlicher. Das Ende einer Ära naht."
Unter den Deutschen in der Formel 1 ist für Lauda Michael Schumacher aber immer noch die Nummer eins. "Schumacher ist die Nummer eins, ganz klar. Nicht nur in Deutschland. Weltweit." An der beinahe schon blamablen Saison 2005 sei er unschuldig. "Schumacher ist vorgeführt worden, aber das lag am Auto. Insofern muss ich verbessern: Ferrari ist vorgeführt worden. Schumacher traf keine Schuld. Unabhängig davon hat er seinen Teamkollegen letztes Jahr erneut dermaßen vorgeführt wie kein anderer Pilot im gesamten Fahrerfeld." Am Druck des übermächtigen Deutschen sei ja bisher jeder Teamkollege gescheitert. "Seit zwölf Jahren hat er jeden seiner Fahrerkollegen deklassiert. Er hat ihnen Selbstvertrauen geraubt."
Nach dem Weggang von Rubens Barrichello ist nun ein weiterer Brasilianer, Felipe Massa, Schumachers neuer Teamkollege. Wird er eine Chance haben, den 7-mailgen Weltmeisterschaft zu besiegen? "Nein, er darf ihn nicht herausfordern," ist Lauda sicher. "Das ist bei Ferrari so. Jeder neue Fahrer weiß, dass er erstmal nur die Nummer zwei ist. Aber Massa könnte Schumacher auch gar nicht herausfordern. Der Unterschied ist ja noch größer als zwischen Deutschland und Österreich im Fußball." Vermutlich würde er seinen Platz nach dieser Saison sowieso an Kimi Räikkönen abgeben müssen, orakelt Lauda.
Und wer ist nun die Nummer zwei in Deutschland? "Schwierig", meint Lauda. "Nick Heidfeld und Ralf Schumacher liegen gleich auf. Sie fahren beide schon seit Jahren mit, aber den Durchbruch haben beide nie geschafft. Sie fahren halt mit. Fairerweise muss man sagen, dass ihnen oft das Auto gefehlt hat, um wirklich den Titel zu gewinnen. Aber ich muss mich eben durch meine Leistung in schwächeren Autos anbieten, dann kommt das Angebot von einem Top-Team von ganz alleine."

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