Man nehme eine seit Jahren verlassene ehemalige F1-Fabrik, einen vier Jahre alten F1-Boliden, einen aktuellen Honda V8-Motor, alle Ingenieure, Mechaniker und Teammitglieder, die bei drei noch nicht in ein anderes Motorhome geflüchtet sind und einen im letzten Jahr unterlegenen Reifenhersteller.

In die Fabrik mietet man sich ein, den Boliden befreit man von der Zentimeterdicken Staubschicht, den Motor versucht man irgendwie reglementkonform ins Auto einzupassen, mit den Ingenieuren, Mechanikern und sonstigen Teammitgliedern baut man aus dem Nichts ein Team auf und bei den Reifen hofft man auf die neuen Regeln. Fertig ist das Super Aguri F1 Team!

Super Aguri hat sich in Leafield eingenistet., Foto: Sutton
Super Aguri hat sich in Leafield eingenistet., Foto: Sutton

Das Team Mit Toyota, Honda und Super Aguri gehen in diesem Jahr drei reine japanische Rennställe an den Start. Super Aguri kann dabei getrost als das reine Gegenteil von Toyota bezeichnet werden. Die Japaner schickten ihren TF106 als erste auf die Strecke, können aus einem beinahe unerschöpflichen Ressourcen- und Budgettopf schöpfen und absolvierten ihrer Zeit ein ganzes Testjahr in Vorbereitung auf den F1-Einstieg.

Bei Aguri Suzuki ging alles fiel schneller: Nachdem das Projekt zunächst als mysteriöses Honda B-Team durch die Medien geisterte, wurde es im Winter 2005 in Tokio auf einer Pressekonferenz offiziell angekündigt. Danach ging es Schlag auf Schlag: Die FIA verweigerte in erster Instanz die Einschreibung, die anderen Teamchefs mussten dieser einstimmig zustimmen, die 48 Millionen Dollar Kaution mussten überwiesen und aus dem Nichts ein Auto sowie ein Team aufgebaut werden. Während Toyota seinen TF106 als erstes Team vorstellte, war Super Aguri das letzte Team, das seinen SA05 auf die Strecke schickte. Während Toyota vor seiner Debütsaison ein ganzes Jahr lang weltweit testete, kam Super Aguri gerade einmal auf ein paar Testkilometer.

Schon beim 1. Test hatte Super Aguri seine ersten Anhänger., Foto: Sutton
Schon beim 1. Test hatte Super Aguri seine ersten Anhänger., Foto: Sutton

Dennoch schaffte man es dank der gütigen Mithilfe von Motorenpartner Honda bis zum Saisonstart ein Team auf die Beine zu stellen. Ein Großteil der Belegschaft kennt sich in der alten Arrows-Fabrik in Leafield bereits bestens aus. Schließlich war diese schon zu Arrows-Zeiten ihr Arbeitsplatz. Und auch das Auto kennt diese heiligen Hallen ganz genau: Der SA05 erblickte hier anno 2002 als A23 das Licht der Welt.

Die Tests Von umfangreichen Testfahrten darf man bei der Saisonvorbereitung des elften F1-Teams nicht sprechen: Ein Shakedown auf einem britischen Flugplatz, drei Testtage in Barcelona und ein weiterer Shakedown in Silverstone mussten in der Kürze der Zeit ausreichen. Mehr Möglichkeiten gab es für Takuma Sato und Yuji Ide nicht, um sich an ihr neues Arbeitsgerät zu gewöhnen. Der Ablauf der Tests verlief wie erwartet: Zu Beginn mussten sich die Techniker mit diversen Kinderkrankheiten am vier Jahre alten Boliden herumschlagen. Nachdem diese weitestgehend beseitigt waren, konnte das Team seinen anfänglichen Rückstand von über 13 Sekunden auf rund die Hälfte reduzieren.

Das Auto "Den kenne ich doch!" Dieser Gedanke ging vielen Beobachtern durch den Kopf, als sie den schneeweißen Super Aguri Honda SA05 zum ersten Mal zu Gesicht bekamen. Schließlich ist der zuletzt präsentierte Bolide der 2006er Generation zugleich der dienstälteste Wagen: Schon in der Saison 2002 absolvierte er unter seinem eigentlichen Namen Arrows A23 eine - fast- komplette GP-Saison. Bei den ersten Tests im Februar hatte sich am Gesicht des Autos aber nur die Farbe geändert: Ansonsten waren äußerlich keine Modifikationen festzustellen. Somit entsprach der in Barcelona getestete Wagen auch nicht dem aktuellen Reglement.

Der SA05 geht runderneuert ins erste Rennen., Foto: Sutton
Der SA05 geht runderneuert ins erste Rennen., Foto: Sutton

Das Team begründete dies damit, dass man sich rein auf die mechanischen Komponenten konzentrieren wollte. Aus diesem Grund taufte man den Wagen Systems Car und ließ beim abschließenden Silverstone-Test ein neues Aerodynamikpaket folgen. Dieses entsprach dann auch dem 2006er Reglement. Wunderdinge darf man deshalb aber keine erwarten.

Die Modifikationen an der Aerodynamik, der Motoraufhängung sowie den Crash-Strukturen des Autos brachten aber nicht nur viel Arbeit mit sich: Sie banden auch Ressourcen und Personal. Aus diesem Grund dürfte sich die Fertigstellung des ersten eigenen Rennwagens namens SA06 verzögern. Das geplante Debüt beim Europa-Auftakt in Imola scheint nicht mehr einzuhalten zu sein.

Der Motor Das Beste am SA05 dürfte zweifelsohne der Honda-Achtzylinder im Heck des Autos sein. Während die Bridgestone-Reifen noch ein großes Fragezeichen auf der Lauffläche kleben haben, wusste der Honda V8 beim Werksteam zu überzeugen. Zwar gab auch das Honda-Aggregat zu Beginn der Wintertests des Öfteren deutliche Rauchzeichen von sich, aber mittlerweile hat sich der RA806E als schnelles und zuverlässiges Triebwerk bewährt.

Aguri Suzuki schickt zwei Landsleute in die Schlacht um die rote Laterne., Foto: Sutton
Aguri Suzuki schickt zwei Landsleute in die Schlacht um die rote Laterne., Foto: Sutton

Die Fahrer Mit Takuma Sato und Yuji Ide schickt Super Aguri zwei Japaner ins Rennen. Während der Ex-Honda-Pilot lange Zeit als einziger Grund für die Gründung des Teams galt (schließlich wollte Honda nach dem Rauswurf Satos in der Heimat nicht das Gesicht verlieren), gab es um das zweite Cockpit viele Spekulationen.

Letztlich machte der F1 unerfahrene, 31-jährige Yuji Ide das Rennen. Für ihn gilt es an den ersten Rennwochenenden so viele Kilometer wie möglich abzuspulen und alle Informationen in sich hineinzusaugen. Ob Takuma Sato der ideale Teamkollege zum Anlernen eines Rookies ist, bleibt zu bezweifeln. Der deutlich schnellere Fahrer sollte Sato auf alle Fälle sein. Alles andere würde nicht nur verwundern, sondern auch die Daseinsberechtigung des Ex-Honda-Piloten eliminieren.

Sato selbst galt schon immer als Heißsporn. Und das ist noch positiv ausgedrückt: Gerade in seiner Debütsaison bei Jordan wurde er als Crash-Kid und Kamikaze-Pilot verschrien. Mittlerweile schreibt er nicht mehr so viele Autos ab, gerät aber dennoch immer wieder in knifflige und vor allem vermeidbare Situationen wie den Unfall mit Michael Schumacher in Spa 2005 oder die Kollision mit Jarno Trulli in Suzuka.

Punkte liegen für Super Aguri außer Reichweite., Foto: Sutton
Punkte liegen für Super Aguri außer Reichweite., Foto: Sutton

Da Ide Satos aggressiven, wilden und kompromisslosen Fahrstil nachahmen möchte, könnte den Konkurrenten eine heiße Anfangsphase sowie den FIA-Stewards arbeitsreiche Stunden bevorstehen.

Die Prognose Langfristig möchte Aguri Suzuki sein Team als japanische Nationalmannschaft etablieren und die Flagge mit der aufgehenden Sonne über dem Siegerpodest flattern sehen. Für diese Saison kann die Zielsetzung aber nur eine sein: So oft wie möglich ins Ziel zu kommen, dabei nicht zu oft überrundet zu werden und so viele Dinge wie nur irgendwie möglich zu lernen. Der größte Erfolg des Super Aguri Teams ist ohnehin, dass man das unerbittliche Rennen gegen die Zeit vor dem Saisonstart gewonnen hat. Die zweitwichtigste Nachricht ist derweil, dass die 107%-Regel schon vor einiger Zeit abgeschafft worden ist...

Die Team-Analysen im Überblick