Die Formel 1 trauert um einen Weltmeister: Alan Jones, Champion der Saison 1980, ist heute verstorben. Der 80-Jährige, der erst vor drei Tagen seinen runden Geburtstag feierte, starb nach kurzer Krankheit an der Gold Coast in Australien.

Jones war insbesondere in seiner Heimat ein bedeutender Motorsportler. Er ist bis heute der letzte F1-Weltmeister aus Australien und der letzte Australier, der sein Heimrennen gewann. Außerdem war er der Erste, der die Fahrerweltmeisterschaft für Williams gewann. Neben seinem WM-Titel trat er bei 116 Rennen an, gewann zwölf Grands Prix, erreichte zwölf weitere Podestplätze und sicherte sich sechs Pole Positionen.

"Alan war wegweisend, Williams zu dem zu machen, was es heute ist", verabschiedet sich das Team in einem Statement. "Er hat den Standard für Williams-Weltmeister gesetzt: ein schneller, kompromissloser Rennfahrer mit einer Herausforderer-Mentalität, der Motorrennen geliebt und ihnen sein Leben gewidmet hat. Er ist eine australische Ikone und eine Williams-Legende, die sehr vermisst werden wird."

Die Formel-1-Karriere von Alan Jones: Falsche Hymne bei Debütsieg

Der damals 28-Jährige aus Melbourne stieg im Jahr 1975 mit Hesketh in die Formel 1 ein und wechselte von einem Hinterbänkler-Team zum nächsten. Noch in derselben Saison wechselte er zum Team von Graham Hill, im darauffolgenden Jahr zu Surtees. 1977 feierte er beim Großen Preis von Österreich mit Shadow einen sensationellen ersten Sieg und setzte damit das erste Ausrufezeichen seiner F1-Karriere.

Alan Jones gewinnt in Österreich
Jones feierte seinen ersten Sieg in Österreich, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
Alan Jones gewinnt überraschend in Österreich
Jones teilte sich das Podium in Österreich mit Niki Lauda und Hans Joachim Stuck, Foto: IMAGO / PsnewZ

Dass Jones auf dem damaligen Österreichring Erster wurde, war so überraschend, dass die Organisatoren die australische Nationalhymne nicht vorbereitet hatten. Sie wussten nicht, dass sie "God Save the Queen" hätten spielen müssen. Ein wohl nicht mehr ganz nüchterner Musiker spielte stattdessen "Happy Birthday" und traf dabei offenbar nicht alle Töne, wie Jones später erzählte.

1978 wechselte er schließlich zum noch jungen Rennstall von Frank Williams und Patrick Head, konnte aber in diesem Jahr kein Rennen gewinnen. Erst in der zweiten Hälfte der darauffolgenden Saison gelangen ihm vier Siege. In seinem Weltmeisterjahr 1980 gewann er sieben Rennen, aber nur fünf dieser Grands Prix wurden im Rahmen der Formel 1 gezählt. Er holte sich die Siegerpokale in Argentinien, Spanien (kein WM-Lauf), Frankreich, Großbritannien, Kanada – wo er sich frühzeitig den Titel sicherte – und beim USA-GP in Watkins Glen sowie in seiner Heimat.

Alan Jones wird in Kanada Weltmeister
Jacky Stewart gratulierte Jones zu seinem WM-Titel, Foto: IMAGO / Panoramic by PsnewZ
Alan Jones
Jones fuhr ab 1978 für Williams, Foto: IMAGO / HochZwei / Ronco

Australien trauert um letzten Heimatsieger

Der Große Preis von Australien 1980 war ebenfalls nicht Teil der F1-Weltmeisterschaft. Dennoch war Jones' Sieg dort wohl einer seiner größten. "Als ein Formel-1-Weltmeister und einer von Australiens größten Rennfahrern hält Alan einen besonderen Platz in der Geschichte unseres Sports", würdigten die Veranstalter des Australien-GPs ihre Heimatlegende und dem ehemaligen TV-Kommentator. "Sein WM-Titel inspirierte eine Generation von australischen Motorsport-Fans. Er hinterlässt ein außergewöhnliches Erbe im australischen Motorsport und wird von der Motorsport-Gemeinschaft weltweit vermisst werden."

Jones besuchte in den vergangenen Jahren regelmäßig das Formel-1-Paddock und unterstützte die Fahrer aus seiner Heimat. Daniel Ricciardo und Oscar Piastri posteten Bilder von Jones in ihren Instagram-Storys, Mark Webber bezeichnete ihn als "Kämpfer".

Alan Jones und Daniel Ricciardo in Australien
Jones auf dem Podium mit Daniel Ricciardo, 2014, Foto: IMAGO / PsnewZ

Auch F1-Boss Stefano Domenicali verabschiedete sich von ihm: "Ich bin zutiefst betroffen vom Tod von Alan Jones, einer wahren Größe unseres Sports und einem außergewöhnlichen Rennfahrer. Alan war ein beeindruckender Konkurrent, ein natürlicher Anführer und eine Ikone, die Generationen von Fans, besonders in seiner geliebten Heimat Australien, inspirierte. Er hat sich seinen Platz in der Formel-1-Geschichte gesichert und er wird für seinen Charakter sowie seine Leidenschaft in Erinnerung bleiben." Die gesamte Redaktion von Motorsport-Magazin.com spricht der Familie und den Freunden von Alan Jones ihr aufrichtiges Beileid aus.