Ferrari war in den Trainings bei der Formel 1 in Austin die tonangebende Kraft. Alle drei Bestzeiten gingen an die Scuderia, FP1 und FP2 am Freitag an Charles Leclerc, FP3 an Lewis Hamilton. Doch kaum hatte das Qualifying begonnen, war es wieder dasselbe Spiel wie schon so oft in dieser Saison. Die Konkurrenz legte Pace zu, die Scuderia-Piloten mussten sich weiter hinten anstellen.
Als es in Q3 darauf ankam, war der SF-26 plötzlich nicht mehr an der Spitze der Tabelle anzufinden - auch das nicht zum ersten Mal in diesem Jahr. In Q2 war Leclerc noch eine Zeit von 1:34,198 gefahren, das hätte für den zweiten Startplatz gereicht. In Q3 schaffte er es aber mit einer langsameren Runde nur auf P4. "Ich hatte erwartet, dass wir einen weiteren Schritt machen könnten, aber dieser kam nicht", stellte er fest.
Warum fiel Ferrari in Q3 zurück? Hamilton und Leclerc widersprechen sich
Wie so oft setzte nach dem Qualifying ein Rätselraten ein, in welchem die Ferrari-Fahrer mehrere Hypothesen aufstellten, aber keine eindeutige Antwort für den Rückschritt geben konnten. Leclerc sah einen klaren Unterschied zu den vergangenen Qualifying-Niederlagen: "Es gab ein paar andere Wochenenden, in denen wir in den Trainings stark waren und als es ins Qualifying ging, wurde klar, dass die anderen auf den Geraden viel mehr auf Lager haben. Aber heute hatte ich das Gefühl, dass wir das Potenzial im Auto hatten", so der Monegasse.
Vollkommen konträr dazu machte Lewis Hamilton auch auf dem Circuit of the Americas die mangelnde Motorleistung als ausschlaggebend aus. "Wenn wir uns die Geraden an diesem Wochenende anschauen, dann sieht man, wie die anderen einfach weiter anschieben können, während bei uns schon die Power nachlässt", so der Rekord-Weltmeister, der sich den fünften Startplatz sicherte.
Dass Ferrari ein deutliches Power-Defizit etwa zum Mercedes-Antrieb hat, ist ja schon länger verbrieft. Austin bildet da keine Ausnahme, wobei Leclerc tatsächlich konstant im Qualifying schlechtere Geschwindigkeitswerte aufwies als Hamilton, obwohl die beiden SF-26 mit der identischen Spezifikation unterwegs sind. Teilweise fehlten ihm über 15 km/h auf Antonelli. Das erklärt natürlich, wo Ferrari viel Zeit verliert, aber es erklärt nicht, warum man in Q3 keine Rundenzeit mehr fand.
Rückschlag im Formel-1-Qualifying: Leclerc gibt dem Wetter die Schuld
Leclerc vertrat deshalb die Theorie, dass das Wetter und nicht der Motor ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten. "In Q3 war es zwei oder drei Grad kälter und das machte für mich einen großen Unterschied. Ich hatte auf der Outlap viele Probleme, rutschte schon auf der Outlap viel und das machte es nachher viel schwieriger", führte er weiter aus.
Das zeigte sich vor allem im ersten Sektor. In den Esses hatte Leclerc in Q2 die Muskeln seines Ferrari-Chassis spielen lassen und war sogar 0,14 Sekunden schneller als Kimi Antonelli auf seiner Pole-Runde. Bezahlt hatte er das am Ende der Runde in Kurve 19, die allgemein eine Schwachstelle des Ferraris war - möglicherweise aufgrund der Reifen. In Q3 war Leclerc im ersten Abschnitt verglichen mit seiner Q2-Zeit eine Zehntelsekunde langsamer, holte aber danach in Summe kaum mehr etwas auf. Hier die Runden im Vergleich mit der Antonelli-Bestzeit:
"Sobald wir in Q3 gehen und für die letzten Hundertstel pushen, dann zeigen sich die Balance-Probleme unseres Autos ein bisschen stärker. Da sind wir ziemlich auf des Messers Schneide und sobald wir ein bisschen darüber gehen, verlieren wir viel Rundenzeit", bemühte Leclerc noch einen anderen Anhaltspunkt.
Doch auch hier lässt sich kein eindeutiges Bild herausarbeiten, das beide Ferrari-Fahrer abdeckt. Denn Lewis Hamilton betonte dezidiert, dass seine Reifenvorbereitung in Q3 gut war: "Meine Outlap war sehr gut, da hatte ich keine Probleme und die Runde war sauber", ist er überzeugt. In den Telemetriedaten wirkt es so, als ob Hamilton kurz vor den letzten beiden Kurven die Reifen ausgingen, denn bis vor Turn 19 trennte ihn weniger als eine Zehntelsekunde von Antonelli, danach waren es 0,276 Sekunden.
Kann Ferrari in Austin überholen?
Was auch immer die Gründe für das letztlich enttäuschende Qualifying von Ferrari sein mögen, für den Rennsonntag werden die Karten nochmal neu gemischt. Und auch da sind sich Hamilton und Leclerc bei den Aussichten uneins. Der Monegasse sieht das Glas halbvoll und hofft auf die Longrun-Pace seines Boliden.
Hamilton hingegen macht auf die Überholschwierigkeit in Austin aufmerksam - gerade mit dem brustschwachen Ferrari-Motor ein Problem. Er erinnert sich an seinen ersten Sieg in Texas: "Sogar von P2 aus, ist es schwierig, jemanden über die Renndistanz zu besiegen. 2012 benötigte es Vieles, um an Vettel vorbeizukommen." Das Problem in Austin ist weniger, dass es keine Überholstellen geben würde, sondern vielmehr, dass die Reifen sehr schnell zum Überhitzen neigen, wenn man länger hinter einem Konkurrenten herfährt.



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