Nach dem MotoGP-Sprint machte sich am Samstagabend auf Phillip Island Ernüchterung im Paddock breit. Jorge Martin war heftig gestürzt und hatte sich die Speiche an der rechten Hand gebrochen, zudem wurde eine Fraktur der rechten Elle befürchtet. Bei zehn Punkten Rückstand auf den neuen WM-Führenden Marc Marquez schien der Kampf um die MotoGP-Weltmeisterschaft 2026 damit vorzeitig entschieden, schließlich drohte Martin gar das Saisonaus. Doch eine erfreulich Zweitdiagnose und die Absage des Australien-GP haben am Sonntagmorgen für die nächste dramatische Wende im Titelrennen gesorgt. Plötzlich scheint wieder alles möglich!
Aprilia wittert Morgenluft im Titelrennen: MotoGP-Weltmeisterschaft noch offen!
"Keine Punkte für Jorge, keine Punkte für Marc. Damit ist die Weltmeisterschaft noch offen", strahlte Aprilias Teammanager Paolo Bonora im Gespräch mit https://x.com/bikesontnt/status/2114221594490830882?s=20. Zuvor hatte er im offiziellen Livestream der MotoGP bereits bestätigt, dass sich Martin entgegen der ersten Diagnose vom Samstagnachmittag doch 'nur' die rechte Speiche gebrochen hatte und aller Voraussicht nach um eine Operation herumkommen wird. Damit ist eine Teilnahme am Malaysia-GP kommende Woche (30.10. - 01.11.) tatsächlich denkbar: "Das gibt uns jetzt die Möglichkeit, dass er sich bestmöglich erholen kann. Es ist keine verschobene Fraktur, das ist das Wichtigste. Heute morgen haben wir Jorge sehr positiv gestimmt erlebt."
"Ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht für uns ist, aber ich glaube schon, dass Jorge darüber recht glücklich ist", blies auch Racing-CEO Massimo Rivola ins gleiche Horn. Anschließend folgte zumindest eine dezente Kampfansage vom Aprilia-Boss an die rote Konkurrenz: "Es wird schwer, aber ich hoffe, dass Jorge in Sepang wieder bei uns sein kann. Wir werden nicht aufgeben, bis es vorbei ist."
Auch Ducati glaubt noch an offenen MotoGP-Titelkampf: Jorge Martin wird uns das Leben schwer machen!
Dass Noale die Absage des Australien-GP ganz gut in den Kram passte, ist also offensichtlich. Und deshalb überrascht es auch nicht, dass der WM-Gegner am Sonntag eigentlich ganz gerne ein Rennen zu sehen bekommen hätte. "Es ist klar, dass das für Ducati eine verpasste Chance ist", machte Teammanager Davide Tardozzi keinen Hehl daraus. Der Italiener zeigte allerdings auch vollstes Verständnis für die Entscheidung, den Australien-GP abzublasen: "Die Sicherheit der Fahrer steht bei Ducati immer an erster Stelle. Ich musste [im Jahr 2000, Anm.] schon einmal mit ansehen, wie hier die Karriere eines meiner Fahrer [Carl Fogarty, ehemaliger Superbike-Pilot von Tardozzi, der sich bei einem Auffahrunfall auf Phillip Island u.a. folgenschwer an der Schulter verletzte, Anm.] zu Ende ging. Das möchte ich nicht nochmal erleben. Wenn wir also aus Sicherheitsgründen aufgeben müssen, dann geben wir auch auf."
Zudem erinnerte Tardozzi daran, dass Ducati 24 Stunden zuvor noch der große Profiteur des Wetterumschwungs auf der kleinen Insel im Süden Melbournes gewesen war. "Ich denke, dass sie [Aprilia, Anm.] auch Pech hatten. Es ist offensichtlich, dass Bezzecchi im Trockenen sehr konkurrenzfähig war und auch Martin war sehr, sehr schnell. Ich weiß nicht, ob Marc ihn ohne seinen Fehler hätte besiegen können", kommentierte er und meinte anschließend sogar: "Ich freue mich zu hören, dass Jorge nach Sepang kommen wird. Wir kennen ihn sehr gut, er ist ein Held und ein extrem schneller Fahrer. Er wird uns das Leben bis zum Schluss schwer machen. Ich glaube nicht, dass er in Sepang gewinnen kann - oder ich hoffe es zumindest [lacht, Anm.] - aber wir werden dort auf jeden Fall herausfinden, wie konkurrenzfähig er in den letzten Rennen sein wird."

Auch Tardozzi sieht die MotoGP-Weltmeisterschaft 2026 also noch lange nicht entschieden, ist vor einem Mega-Comeback seines ehemaligen Schützlings gewarnt. Wie Marc Marquez darüber denkt, haben wir am Sonntag leider nicht erfahren. Die Medienrunde des Spaniers fiel nach der Absage des Grands Prix - wie die aller anderen Fahrer auch - ins Wasser. Er dürfte jedoch im Zwiespalt sein. Einerseits hatte Marquez Martin am Samstag eine schnelle Genesung gewünscht und im Sinne des Sports auf eine baldige Rückkehr gehofft. Andererseits ließ er bei einem kurzen Interview im offiziellen MotoGP-Livestream aber auch durchklingen, dass er am Sonntag gerne gefahren wäre: "Die Bedingungen waren akzeptabel, aber der Helikopter konnte nicht fliegen. Es ging also um Gründe der Sicherheit. Das tut mir sehr leid für die Fans. Wir Fahrer wären bereit gewesen, Rennen zu fahren, aber heute ging es nicht."
Marco Bezzecchi trauert um Australien-Absage, gibt WM-Hoffnung aber nicht auf
Ebenfalls gerne in den Australien-GP gegangen wäre Marco Bezzecchi. Der WM-Dritte sah sich nämlich um eine gute Gelegenheit gebracht, seinen Rückstand auf Marquez zu verringern. "Das ärgert mich, denn das ist ein Rennen weniger, in dem es gut hätte laufen können. Aber wir werden es nie erfahren, das macht mich etwas traurig", seufzte er. Ans Aufgeben denkt 'Bezz' deshalb aber noch lange nicht. "Wir haben noch vier Rennen, das nächste schon nächste Woche", zeigte er sich optimistisch, doch noch Weltmeister werden zu können. Bei 50 Punkten Rückstand vielleicht nicht sonderlich wahrscheinlich, aber abgeschrieben hat ihn auch Tardozzi noch nicht. Der Teammanager von Ducati warnte: "50 Punkte sind nichts. Marco hat das Potenzial, die letzten Rennen allesamt zu gewinnen."
Was meint ihr: Wittert Aprilia mit Martin und Bezzecchi nach der Australien-Absage zurecht Morgenluft im Titelrennen oder bleibt Marc Marquez klarer Favorit? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



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