Phillip Island und die MotoGP, das ist nun Geschichte. Der letzte Rennsonntag auf dem Kult-Kurs fiel dem Wetter zum Opfer. Nach stundenlangem Warten musste der finale Schlagabtausch auf der Achterbahn schließlich abgesagt werden. Die Folgen sind unterschiedlich zu bewerten. Was sich zunächst rein negativ anhört, hat auch Gewinner. Motorsport-Magazin.com zieht Bilanz.

Verlierer: Phillip Island uns seine Fans

Gleich einmal vorweg: Die Absage des letztens Rennens auf Phillip Island war völlig korrekt. Wenn der Rettungshubschrauber nicht fliegen kann, dann darf einfach nicht gestartet werden. Und dennoch hätte man diesen tapferen Fans, die stundenlang im Regen ausharrten, wenigstens ein Rennen am Sonntag gewünscht. "Es ist wirklich traurig, dass das letzte Rennen auf Phillip Island so enden muss. Ich hoffe die Fans haben die Rennen über all die Jahre und auch den Sprint von gestern genossen. Phillip Island hat uns so viel Großartiges gegeben, dafür müssen wir dankbar sein", äußerte sich etwa Pedro Acosta zum Abschied. Diese Strecke hat ihren festen Platz in der MotoGP-Geschichte inne, doch das letzte Kapitel war leider unwürdig. Zur Wahrheit gehört eben auch, dass das Wetter diese Geschichte oftmals mitgeschrieben hat. Nur diesmal hätte sich Petrus lieber zusammenreißen sollen.

Fans verlassen die Strecke auf Phillip Island im Regen
Die Fans mussten durchnässt wieder gehen, Foto: IMAGO / AAP

Gewinner: Jorge Martin und Aprilia

Nach der Verletzung am Samstag sah es bereits nach dem Ende aller Hoffnungen aus, doch eine überraschend positive Diagnose am Sonntag hält die Titelchancen von Jorge Martin und Aprilia noch am Leben. Und die Absage ist da das nächste Geschenk. Martin verlässt Australien mit nur 10 Punkten Rückstand. Außerdem profitiert auch Kundenteam Trackhouse. Vorjahressieger Raul Fernandez hätte mit seinem verletzten Finger nicht starten können und Ai Ogura ist im Regen, wie er selbst offen zugibt, ein Totalausfall. Das hätte ein schmerzhafter Tag für Noale werden können, doch er wurde sportlich irrelevant. Alle Infos zum möglichen Comeback von Martin in Sepang findet ihr hier:

Verlierer: Marc Marquez

Wo Aprilia erleichtert sein wird, hat Marc Marquez eine Chance verloren. Der Weltmeister stand auf Pole-Position und hatte bereits im Qualifying seine Extraklasse im Regen wieder einmal unter Beweis gestellt. Eine Garantie für einen erfolgreichen Sonntag gab es natürlich nicht, wie auch ein Sturz in besagter Zeitenjagd belegt. Doch es darf dennoch als sehr wahrscheinlich gelten, dass die Nummer 93 fette Punkte eingeheimst hätte und somit ein dickes Polster auf Martin herausfahren hätte können. Durch die Absage bleibt das alles aber im Konjunktiv.

Marc Marquez hätte groß Punkten können, Foto: MotoGP Press
Marc Marquez hätte groß Punkten können, Foto: MotoGP Press

Gewinner: Moto2-Leader Manu Gonzalez

Nicht nur in der Königsklasse gibt es klare Auswirkungen auf den WM-Kampf. In der Moto2 kommt es zur kuriosen Situation, dass der Pole-Mann wohl heilfroh über die Absage ist. Manu Gonzalez hatte den besten Startplatz auf Slicks herausgefahren, doch im Regen zeigt er seit Jahren eine große Schwäche. Im nassen FP2 verlor der Intact-Pilot zwei Sekunden auf Titelrivale Izan Guevara. Nun kommt dieser Nachteil aber nicht zum tragen und Gonzalez behält seine Führung von 5,5 Punkten in der Fahrerwertung.

Verlierer: Die Regenspezialisten Johann Zarco & Jack Miller

Bei Regen gibt es oftmals eine große Chance auf Überraschungen durch Außenseiter. Und mit Johann Zarco sowie Lokalheld Jack Miller hatten zwei ausgewiesene Regenfahrer auf den Startplätzen drei und vier sicherlich eine gute Ausgangslage. Für beide gibt es jetzt in Sepang wieder den Alltag einer unterlegenen Maschine. Besonders für Miller schmerzt der Verlust seines letzten Heimrennens in der Königsklasse sehr. "Es war ein Vergnügen, für euch all diese Jahre fahren zu dürfen. Danke für die Erinnerungen und es tut mir leid, dass wir dieses Mal absagen mussten. Das kotzt mich wirklich sehr an", wandte sich der Australier emotional an seine Fans. Da konnte er mit seiner Sonderlackierung ausgestattet nur noch durch ein paar Show-Einlagen glänzen, doch ein Ersatz für ein echtes Rennen war das leider nicht. Auch für ihn ein unwürdiger Abschied.

Jack Miller verabschiedet sich von den Fans auf Phillip Island
Jack Miller musste sich ohne Rennen verabschieden, Foto: IMAGO / AAP

Neutral: Marco Bezzecchi

Ein Aprilia-Pilot kann nicht als Gewinner gelten. Marco Bezzecchi betrauerte nicht nur den Abschied von Phillip Island, sondern auch den Verlust einer Möglichkeit, in der Meisterschaft aufzuholen: "Das wäre ein Rennen mehr gewesen. Eine weitere Chance, die gut oder schlecht ausgegangen wäre, aber so werden wir das nie erfahren. Das macht es nur noch ein wenig trauriger." Er fühlt sich also als Verlierer, doch realistischerweise muss der Selbsteinschätzung des Italieners widersprochen werden. Der WM-Dritte wäre (durch die Ausfälle von Martin und Fernandez, Anm.) von Startplatz sieben aus gestartet und der WM-Führende Marc Marquez von Pole-Position. Es kann als wahrscheinlich gelten, dass er mit noch mehr Punkten Rückstand als den aktuellen 50 Zählern aus diesem Wochenende gegangen wäre.

Gewinner: Die Spannung im WM-Kampf

Zum Schluss können wir Fazit ziehen: Es war ein trauriger Tag für das Racing, aber in Sachen WM-Kampf erweist sich dieser Sonntag als positiv für die MotoGP-Saison 2026. Nach dem Samstag schien fast alles klar und Marc Marquez konnte gefühlt die Titelfeier planen. Einen Tag später ist der Ducati-Pilot sicherlich immer noch favorisiert, aber von einer Vorentscheidung darf nicht gesprochen werden. Weder besitzt der Superstar einen großen Punktevorsprung, noch ist der verletzungsbedingte Ausfall seines ärgsten Rivalen Jorge Martin so gewiss, wie es nach dem Sprint-Unfall den Anschein hatte. Die Spannung in diesem Titelkampf hängt am Tropf der Gesundheit des 'Martinators', aber der Todesstoß wurde ihr noch nicht verpasst.

Absagen von Grand Prix sind in der MotoGP immer wieder vorgekommen. Wir blicken zurück auf die Historie jener Rennen, die nicht sein sollten: