Am Freitagnachmittag wurden bei der Formel 1 in den USA im 2. Training teamintern ein paar Reviere abgesteckt. Tatsächlich sieht es so aus, als ob sich in Austin Ferrari, Red Bull und Mercedes aktuell auf Augenhöhe begegnen könnten. Und doch haben sich am ersten Tag nur drei Fahrer im engen Favoritenkreis für Pole und Sieg festgefahren.
Ein fahrerisch schwieriger Tag war es in Austin gewesen. Der Circuit of the Americas hatte mit recht wenig Grip begonnen, und zwar wurde der Asphalt mit mehr Gummiabrieb im Tagesverlauf besser, doch böiger Wind und brutale Bodenwellen machten die Suche nach guter Balance und das Fahren guter Runden zur Herausforderung.
Über 200 Track-Limit-Vergehen wurden in nur 120 Trainings-Minuten erfasst. Drei Fahrer schafften es an der Spitze aber, sich bis zum 2. Training auszusortieren. Dann trennte sich in den Qualifying-Simulationen die Spreu vom Weizen.
Leclerc, Antonelli, Verstappen - in den USA eine Klasse für sich
Charles Leclerc führte nach dem ersten auch das zweite Training an. Kimi Antonelli rückte ihm mit nur 0,042 Sekunden Rückstand auf den Pelz. Max Verstappen folgte nur 0,189 Sekunden dahinter. Dann ging das Loch auf. Niemand sonst war in dieser Region unterwegs. Lewis Hamilton fehlten sechs Zehntel. George Russell fünf, wäre er auf seiner besten Runde innerhalb der Track Limits geblieben. McLaren und Isack Hadjar waren nirgends.
Manchmal relativiert sich so ein Bild in den Longruns, wo einzelne kleine Fehler nicht so sehr ins Gewicht fallen. Nicht aber 2026 in Austin. Es sind wieder die gleichen drei Fahrer, die sich (für ihre Teamkollegen schon fast besorgniserregend) absetzen. Verstappen und Leclerc waren sich auf Soft im Renntrimm ebenbürtig. Trotz längeren Stints und damit stärker beanspruchten Reifen brannten sie Hamilton und Oscar Piastri im Schnitt vier Zehntel pro Runde auf.
Mercedes fuhr Medium und ist damit nicht direkt mit der Konkurrenz zu vergleichen, doch das allgemeine Bild spiegelt das Qualifying-Kräfteverhältnis mit Antonelli auch bei vollen Tanks klar voran. Russell verliert eine halbe Sekunde im Schnitt, bei Isack Hadjar sind es sechs Zehntel. Aktuell ist es ein Kampf dreier nahezu ebenbürtiger Teams, aber mit je nur einem Fahrer.
Was machen die Teamkollegen in Austin falsch?
Leclerc beendet den Tag nicht nur mit der Trainings-Bestzeit, sondern ist auch bei der Balance der glücklichste Fahrer. Das ist der große Unterschied hier zu Lewis Hamilton. "Wir haben eine andere Richtung mit dem Setup eingeschlagen, aber ich fühlte mich im Auto nicht wohl, besonders über die Bodenwellen", erklärt der seinen großen Rückstand und kündigt an, sich über Nacht Leclercs Weg und seine Daten genau anzuschauen.
Ähnlich bog Isack Hadjar beim Setup falsch ab. Red Bull stellte zwischen FP1 und FP2 einige Dinge um, nachdem das Auto zu Beginn wie vorab befürchtet mit den Bodenwellen haderte. Verstappen bog in die richtige Richtung ab, Hadjar in die falsche. Seine Änderungen belasteten die Vorderreifen im Highspeed-Geschlängel des ersten Sektors zu stark, was für den Rest der Runde die Balance ruinierte.
Bei Mercedes haben die Sorgen um das schwierig abzustimmende Malaysia-Update nachgelassen, sind aber noch nicht ausgeräumt. In FP1 erlebten Antonelli und Russell die aus den letzten beiden Rennen bekannten Symptome, als sie diesmal beide mit den neuen Teilen auf die Strecke gingen: ein in langsamen Ecken schlecht ausbalanciertes Auto, hier zu anfällig für Verbremser.
Aber die Erkenntnisse der letzten beiden Wochenenden halfen, sich diesmal bis FP2 in ein besseres Fenster zu bewegen. Das sollte für beide Fahrer gelten. Nur machte Russell am Ende mehr Fehler. Antonelli präsentierte sich schlicht konstanter. Was sich sofort im Qualifying-Trimm offensichtlich niederschlug - Antonelli fuhr aus dem Stand um P1 mit, Russell überfuhr einmal Track Limits und musste im zweiten Versuch einen Highspeed-Dreher in den S-Kurven verhindern.
Ferrari, Red Bull, Mercedes: Unterschiedliche Probleme in Austin
Nun haben alle drei Anwärter jedoch unterschiedliche Sorgen für das verbleibende Wochenende. "Die anderen scheinen bis Samstag stets mehr zu finden, und wenn ich die kleine Lücke sehe, wird es morgen nicht einfach", schwant Leclerc Übles. Sein Ferrari ist schon fast zu gut, zickt nicht, macht keine Probleme, ist vor allem stark im letzten Sektor.
| Fahrer | S1 | S2 | S3 | Zeit | * |
|---|---|---|---|---|---|
| Leclerc | 0,017 | 0,374 | Schnellster | 01:35,291 | |
| Antonelli | 0,141 | Schnellster | 0,292 | 0,042 | |
| Verstappen | Schnellster | 0,471 | 0,109 | 0,189 | |
| Russell | 0,007 | 0,474 | 0,412 | 0,502 | Track Limits |
| Hamilton | 0,049 | 0,786 | 0,171 | 0,615 | |
| Piastri | 0,007 | 0,638 | 0,484 | 0,738 | Track Limits |
| Hadjar | 0,054 | 0,631 | 0,494 | 0,788 | Track Limits |
| Norris | 0,092 | 0,333 | / | / | Fehler |
Die Stärke im letzten Sektor passt zu Ferrari. Oftmals ist der SF-26 gut darin, auf Strecken, die über die Qualifying-Runde hinweg mit kleinen Rutschern in langen Kurven die Hinterreifen strapazieren und überhitzen, die Probleme bis zur Ziellinie in Grenzen zu halten. Zugleich gibt es aber hier auch einen besorgniserregenden Trend. Immer wieder scheitert man daran, mit den üblichen kleinen Setup-Anpassungen die gute Balance durch das Qualifying bis zum Q3-Showdown zu bringen. Oft schon verblasste diese vermeintliche Stärke dann.
Der Mercedes leidet selbst mit dem verbesserten FP2-Setup hintenraus nach den langsamen Kurvenkombinationen. Antonelli holt seine Zeit im Mittelsektor, dem Power-Teil der Strecke. Die Sorgen um das vermeintlich kleinere Arbeitsfenster der neuen Spezifikation des W17 lassen sich da nicht ignorieren. Wer ein kleineres Arbeitsfenster hat, der tut sich schwerer, sich auf wechselnde Kurventypen und wechselnde Bedingungen wie überhitzende Reifen einzuschießen.
Das bereitet Antonelli vor allem aber im Renn-Trimm Sorgen. Momentan ist der Pace-Abbau recht hoch, mit den leidenden Hinterreifen verändert sich die Balance über einen Stint hinweg stark. Trotzdem rechnet Pirelli mit nur einem Boxenstopp. Für Mercedes wäre der Albtraum, wenn die Balance über eine längere Distanz von 20 oder mehr Runden aus dem Fenster kippt. Auch bei Red Bull sind Balance-Kompromisse ein Thema. Der RB22 ist in den Highspeed-Kurven im ersten Sektor stark, hadert aber in den langsamen Kurven.
Ist der McLaren zu instabil für den Spitzenkampf in Austin?
Ein einziges Fragezeichen ist McLaren. Lando Norris brachte wegen Fahrfehlern keine Qualifying-Simulation durch. "Die Pace ist nicht schlecht, aber wir sind einen Schritt hinter Red Bull, Ferrari, wohl auch Mercedes, und das Auto ist einfach sehr schwierig zu fahren", klagt Norris das gleiche Leid wie schon die letzten Wochen.
Im internen Vergleich sah Norris deutlich stärker aus, auf seinem Hard-Longrun fuhr er Top-Zeiten - aber sonst fuhr niemand aus der Spitzengruppe Hard, es mangelt an Aussagekraft. Das Team baut auf Optimismus, Modifikationen an Bremskühlschächten und Diffusor bringen die erhofften kleinen Performance-Zuwächse. "Es war eine wettbewerbsfähige Runde bis zum Fehler", beurteilt Chefdesigner Rob Marshall die Norris-Leistung. "Ich bin eigentlich recht optimistisch."
Norris teilt das nicht: "Es ist unmöglich, eine Runde zusammenzubringen. Anzeichen von guter Pace sind da, aber wenn ich jetzt ins Qualifying gehen muss, dann ist es einfach zu schwierig, sie bei Bedarf auf jeder Runde abzurufen."



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