Nachdem die FIA-Rennleitung in den vergangenen Jahren den Formel-1-Fahrern in den Trainings nicht genauer auf die Finger geschaut hatte, streicht sie in der Saison 2026 auch in FP1, FP2 und FP3 nach Track-Limit-Vergehen wieder rigoros Rundenzeiten. Um diese Streichungen nachvollziehbar zu dokumentieren, werden nach den jeweiligen Trainingssessions alle Übertretungen in einer Liste aufgeführt.
Normalerweise sind diese Listen keine News wert, da sich die Zahl in Grenzen hält. Doch auf dem Circuit of the Americas explodierte die Anzahl der Track-Limit-Verstöße am Freitag förmlich. Insgesamt griff die Rennleitung im Laufe der ersten beiden Trainings ganze 207-mal ein.
Max Verstappen verliert Trainings-Bestzeit, Albon größter Bösewicht
Da auf einigen Runden gleich mehrere Vergehen begangen wurden, strich man in Summe 181 Runden. Eine davon kostete Max Verstappen im ersten Freien Training sogar die Bestzeit. Seine Runde von 1:35,860 wäre die schnellste der Session gewesen, allerdings beinhaltete sie einen kleinen Ausflug neben die Streckenbegrenzung in Kurve 19.
Insgesamt war Verstappen in Bezug auf die Track Limits aber einer der bravsten Fahrer. Er leistete sich im Laufe des Tages drei Vergehen. Nur Esteban Ocon, Sergio Perez (je 2) und Valtteri Bottas (1) hatten sich weniger zu Schulden kommen lassen. Der größte 'Übeltäter' des Trainingsfreitags war hingegen Alex Albon.
Der Williams-Pilot verging sich gleich 20-mal an den Track Limits. Das ging sogar so weit, dass er in FP1 nach 19 absolvierten Umläufen offiziell nur mit einer 2:16,468 ins Klassement einging - schlappe 36 Sekunden hinter P21. Im zweiten Training gelang dem Thailänder erst in den Longruns eine gültige Zeit - diese fiel natürlich entsprechend langsam aus und ist genauso nicht aussagekräftig. Lando Norris folgte dahinter mit 18 Track-Limit-Vergehen vor Isack Hadjar und Charles Leclerc, die sich mit 15 Verstößen Platz 3 teilen. Hier die vollständige Liste:
Formel 1 Austin: Track-Limit-Verstöße pro Fahrer
| Fahrer | FP1 | FP2 | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Alexander Albon | 9 | 11 | 20 |
| Lando Norris | 5 | 13 | 18 |
| Isack Hadjar | 4 | 11 | 15 |
| Charles Leclerc | 5 | 10 | 15 |
| Lewis Hamilton | 4 | 10 | 14 |
| Kimi Antonelli | 4 | 9 | 13 |
| Gabriel Bortoleto | 5 | 8 | 13 |
| Oliver Bearman | 4 | 8 | 12 |
| Nico Hülkenberg | 9 | 2 | 11 |
| Oscar Piastri | 1 | 10 | 11 |
| Carlos Sainz | 4 | 6 | 10 |
| Franco Colapinto | 3 | 5 | 8 |
| George Russell | 5 | 3 | 8 |
| Pierre Gasly | 4 | 3 | 7 |
| Lance Stroll | 3 | 3 | 6 |
| Fernando Alonso | 1 | 4 | 5 |
| Liam Lawson | 1 | 4 | 5 |
| Arvid Lindblad | 2 | 3 | 5 |
| Colton Herta | 3 | 0 | 3 |
| Max Verstappen | 1 | 2 | 3 |
| Esteban Ocon | 2 | 0 | 2 |
| Sergio Perez | 0 | 2 | 2 |
| Valtteri Bottas | 0 | 1 | 1 |
Wind schuld? In diesen beiden Kurven wurden die Fahrer von der Strecke geblasen
Leclerc glaubt zu wissen, warum es den Formel-1-Fahrern auf dem Circuit of the Americas am Freitag so schwer fiel, sich innerhalb der weißen Linien zu halten. Der Ferrari-Fahrer machte das Wetter verantwortlich: "Der Wind kam heute aus jener Richtung, dass er uns in all jenen Kurven, in denen die Track Limits am schwierigsten sind, nach außen gedrückt hat."
"Sobald man einen kleinen Verbremser hatte, kam man von der Linie ab und dann war es unmöglich, sich innerhalb der Streckenlimits zu halten", sagte der Monegasse weiter. Der Wind kam in Austin größtenteils aus dem Osten, was zur Folge hatte, dass die Fahrer in der langen Geraden nach Turn 11 Rückenwind hatten, was das Anbremsen für Kurve 12 umso schwieriger machte.
Entsprechend war T12 auch die Stelle mit den meisten Verstößen gegen die Streckenbegrenzungen. Ganze 70 Vergehen (27 in FP1, 43 in FP2) ereigneten sich dort. In der letzten Kurve (Turn 20) gab es mit 35 Stück exakt die Hälfte. Da in Turn 20 automatisch nach einem Vergehen auch die folgende Runde gestrichen wird, gingen also auch dort 70 Runden drauf. Kurve 19 und Kurve 15 (21 bzw. 14 Vergehen) schafften es ebenfalls in den zweistelligen Bereich. In der Tabelle die komplette Übersicht:
Formel 1 Austin: Track-Limit-Verstöße pro Kurve
| Kurve | FP1 | FP2 | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Kurve 12 | 27 | 43 | 70 |
| Kurve 20 | 13* | 22* | 35* |
| Kurve 19 | 7 | 14 | 21 |
| Kurve 15 | 3 | 11 | 14 |
| Kurve 9 | 3 | 6 | 9 |
| Kurve 11 | 7 | 1 | 8 |
| Kurve 1 | 3 | 0 | 3 |
| Kurve 4 | 2 | 1 | 3 |
| Kurve 6 | 0 | 3 | 3 |
| Kurve 2 | 0 | 1 | 1 |
| Kurve 3 | 1 | 0 | 1 |
| Kurve 7 | 0 | 1 | 1 |
| Kurve 13 | 0 | 1 | 1 |
| Kurve 16 | 0 | 1 | 1 |
| Kurve 18 | 0 | 1 | 1 |
Anmerkung: Nach Vergehen in Kurve 20 wurde automatisch auch die darauffolgende Runde aberkannt
Problemlösung über Nacht: FIA will Linien verbreitern
Doch es liegt nicht nur am Wind. Der Circuit of the Americas ist für seine Streckenlimit-Problematik berüchtigt. Die asphaltierten Auslaufzonen minimieren die Konsequenzen für kleine Fehler, wodurch sich die Fahrer schon früher ans Limit trauen. Die Lösung, hinter dem Kerb einen schmalen Kiesstreifen einzubauen, die etwa auf dem Red Bull Ring Track-Limit-Vergehen vermeiden soll, kommt auf dem texanischen Kurs nicht zur Anwendung.
"Wenn man versucht, sich ans Limit zu pushen, ist es normal, dass man manche bekommt", weiß Andrea Kimi Antonelli. Der 'Streckenlimit-König', der in dieser Saison schon mehrmals aufgrund der Streckenbegrenzungen Strafen im Rennen erhielt oder einer solchen nur knapp entging, kam in Austin auf 13 Übertretungen. Er fand dabei heraus: "Die grünen Stellen [hinter dem Kerb] haben an einigen Stellen auch sehr viel Grip. Das verleitet uns auch dazu, die Strecke noch weiter auszureizen."
Das Thema kam auch im Fahrermeeting am Freitagabend auf. Wie Motorsport-Magazin.com in Erfahrung bringen konnte, plant die FIA, dem Problem Herr zu werden, indem man die weißen Linien am Streckenrand verbreitert. Das ist schon länger ein beliebter Trick, um kurzfristig mit überschaubarem Aufwand Problemstellen zu entschärfen. Denn die Linien sind laut Reglement Teil der Strecke, erst darüber hinaus gilt es als Vergehen.
Auf der Strecke von Austin sind nicht nur die Streckenlimit seit Jahren ein immer wieder aufkeimendes Thema, sondern auch der holprige Asphalt. In diesem Jahr ist es besonders schlimm, warnen mehrere Fahrer - allen voran Max Verstappen. Mehr Informationen im Video:



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