Nach Malaysia ist das Thema Kühlweste zurück auf der Agenda. Nachdem dort herausgekommen war, dass Mercedes dieses Jahr kein System fahren kann, weil es nicht robust genug ist. Sehr zum Leidwesen von Kühlwesten-Fan George Russell, der in der letzten Woche das Formel-1-Reglement genauer gelesen hat und nun auf einen neuen Plan hofft. Doch ist es die Mühe wirklich wert?
Für Russell absolut: "Ich würde sie an jedem Wochenende fahren. Außer Vegas, diese Strecken, wo es richtig kalt ist. Aber ich sehe absolut den Vorteil, und mag sie sehr. Ich schätze, wir müssen einfach zusammen mit FIA und den Teams einen Weg finden, um das hinzubekommen."
Das seit 2025 im Reglement verankerte Fahrer-Kühlsystem hat jetzt schon einen Haufen gesonderter Paragrafen bekommen. Wird vor einem Wochenende offiziell eine Hitzewarnung ausgerufen, so wird direkt das Mindestgewicht des Autos um fünf Kilogramm angehoben, um sicherzustellen, dass jedes Team sich das Verbauen des Systems auch gewichtstechnisch erlauben kann.
Reglement erlaubt Kopieren: Russell animiert Mercedes zum Zugreifen
Dann gibt es da eben noch die Entwicklungskosten. Russell muss hier eine Woche nachdem er in Malaysia Ausnahmen in der Budget-Obergrenze gefordert hatte etwas relativieren: "Das war inkorrekt, weil es davon ausgenommen ist. Aber wir brauchen immer noch Leute, welche die Hardware designen und herstellen. Das sind Leute, die du von anderen Dingen abziehst."
Bei seinem Studium des Reglements hat Russell in den letzten Tagen aber festgestellt, dass fast die ganze Fahrer-Kühlung ein sogenannter "Open Source Component" ist. Das sind eine kleine Anzahl an oft nur wenig performance-relevanten Teilen, bei welchen das Reglement verlangt, dass die Teams ihre Baupläne auf einen offenen FIA-Server hochladen. Wie das Wort "Open Source" schon verrät, dürfen solche OSCs dann von allen anderen Teams legal kopiert werden.
"Ich habe mit anderen Fahrern gesprochen, die meinten, ihr System funktioniere sehr gut, also hält einen nichts davon ab, das zu kopieren, was jemand anders hat", animiert Russell sein Team hier zum Zugreifen. "Das wird aktuell absolut diskutiert." Mercedes könnte sich die Entwicklungskosten sparen. Größte technische Hürde wird hier sein, dass die Kühleinheiten anderer Teams explizit auf deren Platzbedarf in ihren eigenen Chassis ausgelegt sein werden.
George Russell sicher: Formel-1-Kühlweste ist Performance-Vorteil
Doch damit ist man wieder am Ursprung der Diskussion angekommen: Funktioniert das System wirklich? "Nicht das ganze Rennen, seit wir das System eingeführt haben", beschreibt es Haas-Pilot Esteban Ocon. "Es hält gut 40 Minuten, dann ist es einfach warme Flüssigkeit, die weiter zirkuliert, weil es so heiß ist im Auto. Aber ganz ehrlich, es ist gut, irgendwas zu haben."

"Ich gewinne 15 bis 20 Runden, und dafür bin ich schon dankbar", meint auch Charles Leclerc. "Es ist jetzt nicht so, dass ich denke, dass die Fahrer nicht fit genug für ein ganzes Rennen sind. Aber gegen Ende oder gegen Rennmitte 100 Prozent dabei zu sein, wenn du so viel Wasser ausschwitzt und dehydrierst - da lässt du sicher Potenzial liegen."
"Ich sprach damals 2023 nach Katar mit Alex Albon, und er meinte, er habe im Rennen halluziniert, konnte nicht atmen, da hätte man alles getan, um abzukühlen", erinnert sich Russell an die körperlich härteste Hitzeschlacht der letzten Jahre. Das ist für ihn der Beweis: Jede Kühlleistung ist Mehrleistung. "Da steckt definitiv viel Performance drin."
Hat George Russell recht? Max Verstappen und Co. haben andere Meinungen
Auf der anderen Seite sind die Kühlwesten-Gegner nicht von ihrer Meinung abgerückt. "Ja, es ist heiß, aber das ist es auch in einer Sauna", hat Max Verstappen immer noch kein Interesse daran, sich die Weste anzuziehen. "Da hast du diese dummen Kabel im Auto, das schränkt deine Bewegungen ein. Ich brauche das nicht. Selbst wenn es eineinhalb Stunden wirklich kühlen würde brauche ich das nicht."
"Aber es funktioniert sowieso nicht, und ich glaube, es funktioniert in keiner Rennserie für eineinhalb Stunden", winkt Verstappen ab. Der Komfort und die Tatsache, dass spätestens ab der Rennhälfte die Kühlwirkung nicht mehr existiert, lässt immer noch viele Fahrer auf das System verzichten, obwohl sie dann Ballastgewicht zuladen müssen und durch den Verzicht keinen Performance-Vorteil haben.
Russells Teamkollege Kimi Antonelli ist nach schlechten Erfahrungen im Vorjahr von der Kühlweste abgerückt: "Beim ersten Mal hielt es nicht so lang wie erhofft. Beim zweiten Mal ging die Pumpe kaputt, in Austin. Die ganze Session hat die Pumpe 50 Grad heißes Wasser gepumpt. Ich erlitt danach einen Hitzeschlag. Nicht sehr angenehm. Dann dachte ich mir: Weißt du was? Ich trainiere hart, dann muss ich sie nicht fahren." Ohne eine Neuentwicklung mit signifikanten Verbesserungen will er nicht wieder zurück.
Zeitkritisch ist die Kühlwesten-Frage bei Mercedes zum Glück nicht. Im 2026er-Auto zirkuliert Luft viel besser als in den letzten Jahren, hält Russell fest: "Wegen der Positionen der Elektronik-Boxen, Hydraulik-Leitungen, die Servolenkungseinheit war falsch platziert bezüglich der Isolation der Lüfter neben dem Cockpit." So lässt sich auch ein Hitzerennen in Singapur 2026 im Mercedes aushalten.



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