Der siebte Platz von Esteban Ocon in Baku war das einzige Punkteergebnis von Haas seit dem Formel-1-GP von Monaco. Das US-Team ist in dieser Zeit von einem regelmäßigen Punktekandidaten bis ins hintere Mittelfeld zurückgefallen. Das letzte Update in Monza schien zwar ein klarer Schritt in die richtige Richtung zu sein, aber der Anschluss zu Alpine und den Racing Bulls, die nach wie vor das Mittelfeld anführen, ist noch nicht hergestellt. Ganz im Gegenteil: Zuletzt in Malaysia schafften es Ocon und Oliver Bearman nicht einmal in Q2.

Jetzt probiert die Mannschaft von Teamchef Ayao Komatsu deshalb ein radikales Experiment aus und legt dem Sprint-Wochenende zum Trotz Hand an der kompletten Setup-Philosophie an. Zumindest einmal im Training, wo man sich daraus Kenntnisgewinne erhofft, die weit über Singapur hinausgehen. "Wir haben einen ziemlich wichtigen Test, den wir in FP1 auf dem Auto fahren werden, um eine Richtung für die Zukunft festzulegen", erklärte Oliver Bearman vor dem 17. Grand-Prix-Wochenende der Saison.

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Oliver Bearman mit wichtigem Setup-Test in Singapur

Der Test wird zunächst nur an Bearmans Auto durchgeführt, das - so behauptet zumindest Esteban Ocon - an diesem Wochenende auch ein Update erhalten soll. "Es ist ein wichtiger Test, auf den wir schon länger warteten, und der uns hoffentlich ein besseres Verständnis dafür geben wird, was für ein Auto wir haben", so der Brite.

Bereits seit Beginn des Jahres wird das Formel-1-Team, welches seine Boliden bei Dallara in Italien fertigen lässt, von rätselhaften Leistungsunterschieden zwischen seinen Fahrzeugen heimgesucht. Diese inkonstanten Verhaltensweisen, welche auch in den Daten nachweisbar sind, holte vor allem Esteban Ocon häufig als Erklärung für seine klaren teaminternen Niederlagen hervor. Im Laufe des Jahres trat das Problem aber auch am Auto von Bearman zunehmend öfter auf. Ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem Setup-Test und diesem Charakteristikum besteht, ist aktuell noch unklar.

Sicher ist aber, dass Haas die allgemeine Abstimmungslogik hinter seinem Auto hinterfragt. Bisher in diesem Jahr stimmte man dieses sehr aggressiv ab. Doch man stellt fest, dass der Trend bei der Konkurrenz in eine andere Richtung geht. "Das ist etwas, das wir nicht ganz verstehen. Denn für uns ist es ziemlich klar, wie wir unser Auto am besten zum Laufen kriegen, aber es sieht so aus, als seien wir nur eine Ausnahme unter allen Autos", so Bearman.

In Singapur wird man im Training deshalb wohl ein Setup fahren, das ein sanfteres Fahrverhalten mit einem größeren Arbeitsfenster bieten soll. Einerseits wäre das Training in dem Stadtstaat der ideale Moment für einen Test, denn das noch bei Tageslicht ausgetragene FP1 ist historisch gesehen im Verhältnis zum nächtlichen Qualifying und Rennen wenig aussagekräftig. Allerdings findet das Wochenende 2026 erstmals im Sprint-Format statt, wodurch nur ein einziges Training gefahren wird.

Bearman verliert also noch mehr 'normale' Trainingszeit für den Leistungscheck, aber langfristig soll es das wert sein. "Wenn es ein normales Wochenende wäre, dann würde ich mir keine Sorgen machen. Aber da wir an einem Sprint-Wochenende direkt ins Parc Ferme gehen, ist es eine riskante Idee, aber ich habe das Gefühl, dass potenziell das Wissen, das wir dadurch erwerben, uns dabei helfen wird, das Auto in Zukunft zu entwickeln und, dass das die Nachteile ausgleicht", sagte er.

Dabei ist natürlich noch unklar, ob man das Experimental-Setup auch ins Rennen mitnehmen will. Nach einem Sprint öffnet sich ja das Parc-Ferme-Fenster bis zum Qualifying wieder, wodurch die Teams notwendige Änderungen vornehmen können. Da die Punktechancen von Haas im Sprint ohnehin gering sind, bietet sich die Möglichkeit, diese Session am Samstagvormittag von Haus aus abzuschenken und das Kurzrennen als Training mitzunehmen.

Der Singapur-GP ist das sechste und damit letzte Sprint-Wochenende in dieser Formel-1-Saison. Wie Stand jetzt der restliche Kalender aussieht, könnt ihr hier nachschauen: