Die extremen Wetterbedingungen bei Formel-1-Rennen wie beispielsweise Singapur oder Katar stellen die Fahrer regelmäßig vor enorme körperliche Belastungen. Um dem entgegenzuwirken, besteht seit 2025 bei einer offiziellen Hitzewarnung die Möglichkeit, eine spezielle Fahrerkühlweste einzusetzen. Auch der Grand Prix von Bahrain in Malaysia, bei dem trotz Unwetters Lufttemperaturen von 27 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von fast 90 Prozent herrschten, wurde als Hitzerennen eingestuft.
Dennoch mussten George Russell und sein Teamkollege Kimi Antonelli auf das System verzichten. Wie Russell vor dem Rennwochenende verriet, fehlen Mercedes schlicht die Ressourcen, um das Kühlsystem zuverlässig weiterzuentwickeln. Er forderte daraufhin ein Eingreifen der FIA und eine Ausnahme von der Budget-Obergrenze. Ein solches Zugeständnis hätte es allerdings bereits gegeben, wie der stellvertretende Mercedes-Teamchef Bradley Lord nach dem Rennen auf dem Sepang International Circuit bestätigte.
"Ja, so etwas gab es, aber wir glaubten nicht, dass dieses Zugeständnis ausreicht, um eine Lösung zu entwickeln, die robust genug ist, um das gesamte Rennen zu überstehen", erklärt er.
Mercedes verzichtet vollkommen auf Kühlwesten: Zuverlässigkeit fehlt
Wie wichtig die Zuverlässigkeit des Systems ist, zeigt ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. In der Mittagshitze von Austin fiel das System am Mercedes von Kimi Antonelli aus. Statt ihn zu kühlen, erwärmte sich die Flüssigkeit in der Weste. Der Italiener wurde dadurch fast gegrillt.
Aufgrund dieser Fehleranfälligkeit entschied das Team im Einvernehmen mit den Fahrern, die Kühlweste vorerst komplett wegzulassen. Das zugehörige Kühlsystem muss aber ohnehin verpflichtend bei jeder Hitzewarnung im Auto verbaut werden. Wer die Kühlweste nicht trägt, wie in diesem Fall die Mercedes-Piloten, muss dann ein halbes Kilo Zusatzgewicht ans Auto packen.
"Es ist klar, dass es in bestimmten Bereichen unangenehm sein würde, aber die allgemeine Kühlung im Cockpit des Autos ist in einem viel besseren Zustand als noch vor ein paar Jahren - als sowohl George als auch Lewis damals in Singapur so große Probleme hatten", erklärt Lord und erinnert an den Singapur Grand Prix 2024, als beide Mercedes-Fahrer nach dem Rennen an Überhitzung litten und daher nicht an den Medienterminen teilnehmen konnten.
Kühlweste oder Performance? Für Mercedes ist die Priorität klar
In den letzten beiden Jahren hat sich laut Lord an der allgemeinen Cockpit-Kühlung im Mercedes einiges getan, wodurch die Kühlweste selbst bei Hitzerennen kein absolutes Muss mehr darstellt.
Das System spaltet ohnehin die Gemüter im Fahrerlager. Einige Piloten verzichten bewusst auf die Weste, da sie durch die integrierten Schläuche unbequem zu tragen ist. Weil hier neben dem Faktor Kühlung, der durch das allgemeine System ohnehin gut abgedeckt sei, nur noch der Komfort eine große Rolle spielt, entschied sich das Team nach einer einfachen Motorsport-Logik gegen die Weiterentwicklung.
"Im Hinblick auf den gesamten Kompromiss sind die Fahrer immer zufrieden, solange wir Komfort gegen reine Performance tauschen. Jeder Rennfahrer in der Boxengasse wird immer die Leistung dem Komfort vorziehen", ist sich Lord sicher.



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