Eigentlich hatte Honda im Juli angekündigt, dass man es in dieser Formel-1-Saison bei einem Motorupgrade belassen wird. Obwohl dem schwächsten Power-Unit-Hersteller laut dem ADUO-Reglement aufgrund eines PS-Rückstandes von über vier Prozent zwei Joker zustanden, wollte man nur einen davon nutzen und sich anschließend auf das nächste Jahr konzentrieren.

Dieses Upgrade kam in Zandvoort, doch in der Folge änderten die Honda-Ingenieure offenbar ihren Plan. Denn wie vor dem Grand-Prix-Wochenende in Malaysia bekannt wurde, führte der Exklusivausstatter von Aston Martin an den letzten beiden GP-Wochenenden nun doch seine zweite Nachbesserung ein.

Honda nutzte zweiten ADUO-Joker

Das teilte Hondas Trackside-Manager Shintaro Orihara am Donnerstag mit. "Nach Zandvoort glaubten wir, dass noch etwas Raum für Verbesserung ist, wenn wir die Kalibrierung ändern", erklärte der Japaner die Planänderung. Konkret wurde dabei Hand am Turbolader angelegt, der in Madrid erstmals in einfacher Ausführung zum Einsatz kam und vor dem dritten Training am Auto von Lance Stroll verbaut wurde.

In Baku bekam schließlich auch Fernando Alonso den neuen Turbolader. Zwei Punkte lagen dabei im Fokus, wie Orihara erklärte: "Wir führten den neuen Turbolader ein, um die Fahrbarkeit zu verbessern und auch um den Boostlag am Ausgang der Kurve zu verbessern." Vom zweiten Punkt erhofft sich Honda, dass die Elektro-Power, die ansonsten eingesetzt wurde, um dieses Leistungsloch am Kurvenausgang zu stopfen, nun effizienter eingesetzt werden kann.

Die Fahrbarkeit auf der anderen Seite war ein anderes Problem, das Aston Martin ebenfalls seit Beginn der Formel-1-Saison begleitete. Die Verbesserungen konnten in Baku bestätigt werden, allerdings war von vornherein klar, dass es sich nur um Kleinigkeiten handeln würde. "Es wird uns etwas Besserung beim Energiemanagement verschaffen. Aber wir reden hier über keine große Menge", dämpfte Orihara die Erwartungen.

Das war wohl auch einer der Gründe, warum die Nachbesserung erst jetzt bekannt wurde. Denn im Gegensatz zu den von außen sichtbaren Aerodynamik-Upgrades sind die Formel-1-Hersteller nicht verpflichtet derartige Motorneuerungen zu kommunizieren. Aus den offiziellen FIA-Dokumenten geht nur hervor, wann ein Formel-1-Fahrer eine neue Motor-Komponente verbaut bekommen hat, welche sich vorher noch nicht in seinem Pool befand. Um welche Spezifikation es sich dabei handelt, wird nicht mitgeteilt.

Aktenzeichen XY ungelöst: Was war mit Fernando Alonsos Motor in Baku los?

Eine ganze Renndistanz hat die neue Power Unit noch nicht am Stück absolviert, was aber wohl kaum an den Upgrades liegt. In Madrid schied Lance Stroll schon in Runde 12 mit einem Bremsdefekt aus, in Baku hielt er nach einem Wasserdruck-Problem nur acht Runden durch. Fernando Alonsos Rennen endete beim Aserbaidschan-GP nach 20 Umläufen aufgrund eines mysteriösen Power-Verlusts, den er selbst diagnostizierte und danach abstellte.

Mysteriös deshalb, weil die Honda-Ingenieure sowohl während des Rennens in den Daten als auch im Nachgang an der Strecke und in der Fabrik bei einer Motoruntersuchung kein Problem feststellen konnten. "Aber der Fahrer ist der beste Sensor und Fernando hat viel Erfahrung", zweifelt Orihara nicht an den Aussagen des Aston-Martin-Toppiloten, der vor diesem Wochenende seinen Vertrag mit dem Team aus Silverstone verlängert hatte.