Kimi Antonelli überquerte beim Formel-1-Rennen in Spielberg die Ziellinie auf der dritten Position nur knapp hinter Rennsieger George Russell und Max Verstappen. Nach einem späteren letzten Boxenstopp ging dem WM-Führenden mit neuen Reifen bestückt auf den letzten Runden die Zeit aus, um noch eine Attacke durchzuziehen. Ansonsten wäre es vermutlich nur eine Frage von Runden gewesen, ehe er beide geschnappt hätte.

Seine Pace war also keineswegs der Grund, warum Antonelli in Österreich nicht gewonnen hat. Den potenziellen Sieg ließ er nämlich in zwei Etappen liegen. Zunächst im Qualifying am Samstag, als er seine letzte schnelle Runde im Glauben abbrach, eine doppelte gelbe Flagge gesehen zu haben. Dabei war nur Single-Yellow ausgerufen und er hätte noch fertig fahren können. Das hatte ihn wohl zwei Startplätze gekostet. P4 statt P2!

Kimi Antonellis Startoffensive geht nach hinten los

Am Sonntag die zweite Etappe in der Startphase des Grands Prix, als Antonelli mit allen Mitteln versuchte, seine Startposition auszubügeln. Die Folge war eine Reihe von Fehlern: Ausflug in die Auslaufzone in Kurve 1 auf der ersten Runde, Verbremser in Kurve 3 und bei einer Attacke gegen Lewis Hamilton erneut in Kurve 1 auf der zweiten Runde gleich der nächste Verbremser. Eine Reihe von Patzern, die ihn nicht nur viel Zeit kosteten, sondern vor allem die Position gegen Max Verstappen.

Toto Wolff ist sich sicher, dass Antonelli in diesen Momenten die Chance auf den Sieg verspielte. "Ich denke seine Fahrt war großartig. Abgesehen von den ersten Runden hatte er die schnellste Rennzeit", stellte der Österreicher fest. Es sei einfach zu viel Attacke gewesen, so die Analyse des Teamchefs: "In den ersten Kurven ging das Rennen verloren."

Antonelli stimmt seinem Mannschaftsleiter zu: "Der gesamte erste Stint [hat mir die Chance auf den Sieg gekostet]." Zusätzlich zu den Fehlern in der unmittelbaren Startphase erinnert er sich an eine weitere Serie an Verbremsern, die ihm teuer zu stehen kam: "Am Ende des ersten Stints machte ich ein paar Fehler und verlor vielleicht eine oder eineinhalb Sekunden auf jeder Runde. Denn einmal geriet ich in Kurve 4 fast neben die Strecke, einmal in Kurve 3 komplett. Da verlor ich viel Zeit."

In dieser Rennphase laborierte Antonelli an Bremsproblemen und haderte mit seinem Vertrauen in die Mercedes-Bremsen. Sein Renningenieur Peter Bonnington hatte ihm am Funk auch mitgeteilt, dass sich die Temperaturen der Bremsen auf beiden Fahrzeugseiten deutlich unterschieden. Im zweiten und im dritten Stint legte sich das wieder und Antonelli holte unermüdlich auf.

Toto Wolff spricht von Lernphase: "Wird ihm nie wieder passieren"

Wolff ist der Ansicht, dass diese Fehlerserie Teil der Lernphase des Mercedes-Youngsters ist. "Das ist genau, was ich von ihm erwarte. Genau wie gestern die gelben Flaggen. Das wird ihm nie wieder in seinem Leben passieren, dass er nicht sieht, ob es ein doppeltes Gelb ist oder ein einfaches Gelb."

Die Fehlersuche bei Antonelli selbst geht aber noch weiter. Der Italiener ließ nach dem Rennen durchklingen, dass er sich nach einem starken Start in die Trainings seiner Sache womöglich zu sicher war. "Es war ein Wochenende, in das ich stark gestartet bin und ich denke, dass ich deshalb die Intensität ein bisschen zu sehr verringert habe." Im Qualifying habe sich das dann gerächt: "Wir waren trotzdem bei der Musik dabei, aber ich fuhr nicht so gut und fühlte mich dabei nicht so frei."