Charles Leclerc wird seinem Ruf als Ferrari-Heilsbringer in der Formel 1 2026 bisher nicht gerecht. Genauer wurde Maranellos liebster Ziehsohn zuletzt von Teamkollege Lewis Hamilton entzaubert - und zwar nicht nur, weil der einen guten Job machte. Zweimal schmiss Leclerc zuletzt das Qualifying weg und reiste auch nach den Rennen mit leeren Händen ab. Von Schwierigkeiten mit dem Auto geplagt, manövrierte er sich mit Fahrfehlern in eine handfeste Krise. Doch der Monegasse zeigt vor dem Österreich GP am Wochenende trotzdem keine Spur von Verunsicherung. Kein Stress wegen Pleiten. Hamilton-Sieg macht Ferrari noch lange nicht zum Hamilton-Auto.

"Ich denke ehrlich gesagt nicht, dass das der Fall ist", stellt Leclerc gegenüber Motorsport-Magazin.com klar, dass der SF-26 keineswegs entwicklungsbedingt den Fahrstil des Teamkollegen begünstigt. "Es ist nicht so, dass ich mich im Auto dieses Jahr nicht wohlfühle. Ich hatte nur in Montreal und besonders in Monaco einige Probleme. Da war es schwierig und ich verlor Vertrauen ins Auto, aber nicht in das Paket als solches."

Nach 7 von 22 Rennen liegt er in der Gesamtwertung derzeit 40 Punkte hinter Lewis Hamilton. Vor zwei Rennen stand er noch drei Zähler davor. "Letztes Jahr hatte ich eine sehr starke Saison, und wir haben als Team an diesem Projekt gearbeitet. Es ist nicht so, dass wir uns für die eine oder die andere Richtung entschieden haben", sagt er mit Blick auf den Input der Fahrer bei der Entwicklung. "Heutzutage haben wir viel Freiheiten bei der Abstimmung, um sicherzustellen, dass das Auto zu deinem Fahrstil passt. Es ist also nicht so, dass ich mich dabei in irgendeiner Weise eingeschränkt fühle."

Formel-1-Krise für Charles Leclerc nur eine Momentaufnahme

In Monaco eckte er im Qualifying auf der Jagd nach der Pole an und beendete das Rennen mit einem skurrilen Unfall in der Wand. Es folgte eine Wutrede auf die Bremsanlage des Ferrari, eine Lösung für Barcelona - und die nächste Pleite. Nach einem weiteren Fahrfehler im Qualifying schied er am Sonntag mit einem Defekt aus.

"Die letzten paar Rennen waren objektiv betrachtet sicher nicht schön. Monaco und Spanien waren deutlich schlechter, als sie es auf dem Papier hätten sein sollen", sagt der 28-Jährige über seine jüngste Reihe von Fehlschlägen, die er allerdings nicht allein auf die fahrerische Performance zurückführt: "Wir hatten natürlich zwei technische Probleme in zwei Rennen hintereinander, und das hat uns viele Punkte gekostet."

Charles Leclerc sieht Probleme mit Ferrari bereits überwunden

Die ausbleibenden Resultate täuschen dabei über die positiven Entwicklungen der vergangenen Wochenenden, auch auf seiner Seite der Garage, hinweg. "Es stimmt natürlich auch, dass ich mich im Auto nicht mehr so wohlgefühlte habe, wie zu Beginn der Saison. Aber in Barcelona habe ich dieses Gefühl wiedergefunden", beteuert er. "Ich fühle mich mit diesem Auto nicht weniger sicher als mit dem Auto vom letzten Jahr. Es ist nur so, dass es diese zwei, drei Rennen gab, bei denen mir in Kanada und Monaco das Vertrauen gefehlt hat."

Für das Rennwochenende in Barcelona wechselte er auf die Bremsanlagen-Spezifikation von Hamilton. Die Resultate sind für ihn damit nur noch Formsache: "Ich mache mir wegen der Pace keinen Stess. Ich will nur zusammen mit dem Team ein Wochenende zusammenbringen, an dem wir wieder dort sind, wo wir hingehören. Es ist schon zu lange her und die eine oder andere Sache hat uns am Sonntag daran gehindert."

Neuer Ferrari-Motor in Österreich, Mercedes trotzdem Favorit

Im Jahr 2022 feierte Leclerc auf dem Red Bull Ring einen seiner bisher acht Formel-1-Siege. Seit Austin 2024 stand er nicht mehr ganz oben auf dem Podest. "Österreich hat mir schon immer gefallen. Es ist irgendwie seltsam, denn normalerweise weiß ich immer, warum mir eine Strecke gefällt, aber bei dieser Strecke mag ich einfach nur den Rhythmus", so Leclerc. "Dass wir schon lange nicht mehr gewonnen haben, bedeutet für mich aber keinen zusätzlichen Druck oder so, aber wenn ich dann Lewis' Sieg in Barcelona sehe, möchte ich natürlich auch wieder einen Sieg erleben."

Für das bevorstehende Rennwochenende in der Steiermark bringt Ferrari ein Motor-Upgrade, das den Leistungsrückstand beim Verbrennungsmotor verringern soll. Dieses ist allerdings erst ab dem 2. Freien Training im Einsatz. Einen Game Changer erwartet Leclerc aber wenn überhaupt nur kurzfristig: "Jedes Upgrade kann einen riesigen Unterschied machen, und so hat man das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein - bis das nächste Team mit einem gewaltigen Upgrade aufwartet, und dann sieht es plötzlich so aus, als wäre man hintendran. Es ändert sich also sehr, sehr schnell."

Einzig die Hitzewelle in Europa könnte Ferrari in Spielberg in die Karten spielen: "Bei Hitze waren wir im Rennen tatsächlich ziemlich gut mit den Reifen, daher hoffe ich, dass wir diese Stärke auch an diesem Wochenende ausspielen können. Allerdings gibt es hier längere Geraden, und die Power Unit von Mercedes ist derzeit besser. Daher gehe ich davon aus, dass wir da mehr leiden werden."