Anfang Dezember erhielten Fernando Alonso und Flavio Briatore in Monaco ihre WM-Pokel für den Gewinn des Fahrer- respektive Team-Titels überreicht. Heute kehren beide zusammen mit ihrem Team und dem neuen R26 ins Fürstentum zurück: Zur offiziellen Präsentation des neuen Boliden.
Zum Zeitpunkt der FIA-Gala lagen die bereits fertigen Einzelteile des R26 noch arbeitslos in Enstone und Viry-Châtillon herum. Jetzt wird ihnen als fertiges Endprodukt eine heutzutage nicht mehr alltägliche Ehre zuteil: Sie werden in einem gehobenen Rahmen offiziell vorgestellt. Die meisten ihrer Fahrzeug-Kollegen erhalten nur noch ein simples Roll-Out.
Kein Interimsauto: Wenn dann richtig...

Als Renault den Verzicht auf ein V8-Interimsauto für die November- und Dezember-Tests bekannt gab, bekamen die Franzosen viele schüttelnde Köpfe zu sehen. Aber Bob Bell & Co haben nicht nur Recht, wenn sie sagen, dass ein Interimsauto sie nur Geld und Zeit gekostet hätte: Denn sie machten den angeblichen Testverlust im Dezember im Januar weg.
Während die anderen Teams bis auf Toyota und Red Bull noch an ihren Autos feilten, rollte der R26 schon am 10.01. in Jerez auf die Strecke. Und das sehr gut: "Beide Fahrer äußerten sich zufrieden über das Auto und lobten nach wenigen Runden schon das Fahrverhalten", lautete die erste Bilanz von Technikchef Bob Bell.
Beim ersten Test ging es vor allem darum die Zuverlässigkeit zu überprüfen, denn hätte diese nicht gestimmt, dann hätten die Kritiker des Renault-Plans tatsächlich Recht behalten. So aber erwies sich der R26 bislang sogar als noch standfester als sein weltmeisterlicher Vorgänger.
Haben die Franzosen also alles richtig gemacht? "Ich glaube, daran zeigt sich, wie gut unser Team bei diesem Projekt gearbeitet hat und wie eng Chassis- und Motorentechniker integriert sind. Wir haben uns schon in der Konstruktionsphase mit den Details befasst und unsere Hausaufgaben auf den Prüfständen gut erledigt. Dass der RS26 praktisch nur ausgepackt werden musste und perfekt lief, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis harter Arbeit."
Großes Potenzial
Die Meinung der beiden Piloten war ebenfalls eindeutig: "Mein erster Eindruck ist, dass wir über ein Auto mit großem Potenzial verfügen", freute sich Giancarlo Fisichella nach der Jungfernfahrt. "Die gute Nachricht für mich ist, dass der neue Wagen immer noch einfach zu fahren ist und dennoch auf längeren Stints konstant blieb", fügte Fernando Alonso nach seiner ersten Ausfahrt hinzu.
Die Zielsetzungen der beiden Renault-Fahrer fallen deshalb ähnlich aus: "Es ist kein Geheimnis, dass ich um den Titel mitfahren möchte", kündigte Fisichella schon im Vorjahr an. "Mein Ziel ist es um den Titel zu kämpfen. In diesem Jahr habe ich dabei geholfen den Konstrukteurstitel zu gewinnen und im nächsten Jahr möchte ich noch mehr erreichen."
Dabei wähnt er sich im Gegensatz zu seinem Teamkollegen gleich aus zwei Gründen in Vorteil: "2006 werde ich ein Team und ein Auto besitzen, um den Fahrertitel gewinnen zu können", kündigte der Römer an. Denn in dieser Saison würde das Auto nicht Alonsos, sondern seinem Fahrstil entgegenkommen.

"Fernando fuhr im letzten Jahr mit einem Auto, das um ihn herum entwickelt wurde und anders gefahren werden musste als ich es mit meinem Fahrstil gewohnt war." In diesem Jahr soll sich das aber ändern. "Es gab einen guten Informationsaustausch zwischen mir und den Renalt-Technikern", sagt Fisico. "Ich habe die Garantie bekommen, dass sie alles geben werden um das Auto an meine Charakteristiken anzupassen."
Zudem wittert der Italiener durch den bereits feststehenden Abgang des Spaniers seine große Chance: "Das könnte gut für mich sein", philosophierte er. "Vielleicht verändert es die Arbeitsweise des Teams im Hinblick auf Fernando." Mit anderen Worten: Vielleicht wird nun Fisichella als Nummer 1 bevorzugt...
Der R26 unter der Lupe
Der R26 ist eine konsequente und logische Weiterentwicklung des Weltmeisterautos. Jedes Teil, so scheint es, wurde noch ein wenig extremer als es ohnehin schon war designt. Schließlich schlug bereits der Bolide der letzten Saison aggressive Wege in der aerodynamischen Gestaltung ein.
Der Frontflügel kommt uns bereits vom letztjährigen Modell bekannt vor. Die Franzosen vertrauen weiterhin auf einen Doppeldecker-Frontflügel und auf den gewohnt stark nach unten gewölbten Hauptflügel. Eine weitere Änderung an der Frontpartie stellt die minimal schmalere Nase dar.
Doch umso weiter wir unseren Blick Richtung Heck schweifen lassen, desto radikaler werden die Neuerungen. Die aerodynamische Form des Hecks wurde um einiges aggressiver gestaltet als es noch beim R25 der Fall war. Die Seitenkästen, wie auch die Airbox, wurden um einiges verkleinert.
War Renault im letzten Jahr noch der König der Kiemen am Heck, welche beim R25 als Auslass für heiße Luft dienten, verzichteten Bob Bell und seine Mannschaft beim diesjährigem Boliden komplett auf diese Art der Luftauslässe.

Der R26 weist eine starke Rundung der Seitenkästen auf, um die Luft ohne Verwirbelungen Richtung Heck strömen zu lassen. Dies ist nur dank der sehr schmalen und kleinen Lufteinlässe möglich. Bei den Winglets vor den Hinterrädern setzen die französischen Techniker auf totalen Abtrieb. Nicht weniger als vier Flügel sorgen vor den Hinterrädern für mehr Anpressdruck.
Der neue Motor verlangte natürlich nach einem neuen Auspuffsystem, welches nun die heißen Abgase etwas früher und höher an die Außenwelt abgibt.
War man schwungvolle Flügel bisher nur an der Front gewohnt, muss man sich nun darauf einstellen auch am Heck auf solche zu stoßen. Der neue Heckflügel am Renault weist eine Wölbung nach oben hin auf. Dies bringt nicht unmittelbar mehr Abtrieb, sondern kann dabei behilflich sein den Abtrieb konstanter und somit das Auto berechenbarer für den Fahrer zu gestalten.
Des Weiteren wirkt sich eine solche Wölbung positiv auf den Luftwiderstand aus. Auf die Kiemen an den Seitenflaps des Heckflügels, welche einen Luftstau auf der Innenseite des Flügels verhindern, wurde auch dieses Jahr nicht verzichtet.

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