Als bereits drittes Team testete am Dienstag Renault seinen neuen Renner für die Saison 2006 auf dem Circuito de Jerez. Was uns die Franzosen dabei zeigten war eine konsequente und logische Weiterentwicklung des Weltmeisterautos. Jedes Teil, so scheint es, wurde noch ein wenig extremer als es ohnehin schon war designt. Schließlich schlug bereits der Bolide der letzten Saison aggressive Wege in der aerodynamischen Gestaltung ein.

Sehen wir uns den R26 also einmal genauer an: Der Frontflügel kommt uns bereits vom letztjährigen Modell bekannt vor. Die Franzosen vertrauen weiterhin auf einen Doppeldecker-Frontflügel und auf den gewohnt stark nach unten gewölbten Hauptflügel. Eine weitere Änderung an der Frontpartie stellt die minimal schmalere Nase dar.

Der Heckflügel weist kleine Kiemen auf., Foto: Sutton
Der Heckflügel weist kleine Kiemen auf., Foto: Sutton

Doch umso weiter wir unseren Blick Richtung Heck schweifen lassen, desto radikaler werden die Neuerungen. Die aerodynamische Form des Hecks wurde um einiges aggressiver gestaltet als es noch beim R25 der Fall war. Die Seitenkästen, wie auch die Airbox, wurden um einiges verkleinert. Dies ist höchstwahrscheinlich auf den neuen V8-Motor zurückzuführen, welcher weniger Wärme entwickelt als die alten Zehnzylinder-Maschinen.

War Renault im letzten Jahr noch der König der Kiemen im Heck, welche beim R25 als Auslass für heiße Luft dienten, verzichteten Bob Bell und seine Mannschaft beim diesjährigem Boliden komplett auf diese Art der Luftauslässe - zumindest in der in Jerez eingesetzten Konfiguration. Verwunderlich ist nur, dass auch die Kamine an den Seitenkästen nicht vergrößert wurden, um die heiße Luft unter der Haube an die Oberfläche zu befördern.

Der R26 weist eine starke Rundung der Seitenkästen auf, um die Luft ohne Verwirbelungen Richtung Heck strömen zu lassen. Dies ist nur dank der sehr schmalen und kleinen Lufteinlässe möglich. Bei den Winglets vor den Hinterrädern setzen die französischen Techniker auf totalen Abtrieb. Nicht weniger als vier Flügel sorgen vor den Hinterrädern für mehr Anpressdruck.

Der neue Motor verlangte natürlich nach einem neuen Auspuffsystem, welches nun die heißen Abgase etwas früher und höher an die Außenwelt abgibt.

Auch der R26 weist eine schmale Delphinnase auf., Foto: Sutton
Auch der R26 weist eine schmale Delphinnase auf., Foto: Sutton

War man schwungvolle Flügel bisher nur an der Front gewohnt, muss man sich nun darauf einstellen auch am Heck auf solche zu stoßen. Der neue Heckflügel am Renault weist eine Wölbung nach oben hin auf. Dies bringt nicht unmittelbar mehr Abtrieb, sondern kann dabei behilflich sein den Abtrieb konstanter und somit das Auto berechenbarer für den Fahrer zu gestalten.

Des Weiteren wirkt sich eine solche Wölbung positiv auf den Luftwiderstand aus. Auf die Kiemen an den Seitenflaps des Heckflügels, welche einen Luftstau auf der Innenseite des Flügels verhindern, wurde auch dieses Jahr nicht verzichtet.

Der neue Renault R26 ist vor allem am Heck eine sehr extreme Konstruktion. Nicht umsonst bescheinigt Giancarlo Fisichella seinem neuen Arbeitsgerät ein "großes Potenzial".