"Mensch Schumi! Warum ist dein Ferrari plötzlich wieder der Schnellste?", fragt die Bild-Zeitung erstaunt - Michael Schumacher hat beim Testauftakt in Jerez de la Frontera mit einem mit V8-Motor ausgerüsteten F2004M die Bestzeit erobert und war um 1,3 Sekunden schneller als Toyota-Tester Ricardo Zonta. Der geneigte Leser muss jedoch nicht allzu lange grübeln und erhält natürlich umgehend eine Antwort auf diese Frage: "Ferrari scheint Schumis Abschieds-Drohung sehr, sehr ernst zu nehmen."

Wie herrlich einfach das Leben doch sein kann! Ein paar Sätze genügen, um aus der "Schneckeria" Ferrari wieder die "Siegeria" Ferrari zu machen - und das binnen weniger Tage. Da kann man sich nur anschließen und fragen: "Schumi! Warum hast du nicht schon früher gesagt, dass du ein konkurrenzfähiges Auto haben möchtest und du ansonsten aufhörst oder vielleicht sogar zu Toyota gehst?"

Bekanntlich hat Schumacher-Manager Willi Weber einen möglichen oder zumindest nicht unmöglichen Wechsel von Michael Schumacher zu Toyota in den Raum gestellt. Viele sehen diesen Schachzug als ein Mittel, Ferrari unter Druck zu setzen. Und nicht wenige sind ob dieser Strategie ein wenig aufgebracht - denn dieses Vorgehen passt im Grunde nicht wirklich zu den vielen Liebesbezeugungen des Siebenfachweltmeisters, man müsse in einer schlechten Phase erst recht zusammenhalten. Ein wenig verwunderlich ist, dass sich Schumacher und auch Weber während der vergangenen Saison stets loyal gegenüber Ferrari verhalten haben und auf einmal solch ungewöhnlich harte Worte in den öffentlichen Raum gestellt wurden - noch vor dem ersten Rennen. Für den Express liegt die Antwort auf der Hand: "Seit Jahren beherrscht Schumacher den Fahrermarkt - doch jetzt warten alle darauf, was Kimi Räikkönen macht! Der Kerpener hat nicht mehr das Heft des Handelns in der Hand."

Bestzeit beim Testauftakt - Michael Schumacher., Foto: Sutton
Bestzeit beim Testauftakt - Michael Schumacher., Foto: Sutton

Räikkönen wurde bei McLaren für 2007 der regierende Weltmeister Fernando Alonso vor die Nase gesetzt - durchaus möglich, dass sich der Finne, dem ohnehin Kontakte zu Ferrari nachgesagt werden, bereits woanders umsieht. Durchaus möglich, dass darunter die Liebesbeziehung zwischen dem Ex-Weltmeister und der Scuderia leidet. Allerdings weiß derzeit niemand, wie das Kräfteverhältnis der Zukunft aussieht. Und das wiederum ist der Schlüsselfaktor - es geht um Fragen wie: Kehrt Ferrari wieder an die Spitze zurück? Wird Renault unter dem beschlossenen Abgang von Alonso leiden oder gibt es tatsächlich schon Anzeichen eines F1-Rückzugs? Wird McLaren-Mercedes dominieren? Und schließlich: Schafft Toyota den ersten Sieg?

Denn nur dann wäre Toyota wirklich eine Alternative für eine mögliche dritte Ära des Jahrhundertrennfahrers Michael Schumacher. Dass dort sein Bruder Ralf in einem der Cockpits sitzt, soll angeblich niemanden mehr stören. Und auch Ralf ließ via RTL ausrichten: "Ich würde mich natürlich freuen." Süffisant fügte Ralf Schumacher jedoch hinzu: "Aber Willi konnte sich schon immer viel vorstellen." Ralf hat sich bekanntlich von Willi Weber getrennt, nachdem Weber ihn bei Toyota untergebracht und seinen Angaben zufolge das Geschäft seines Lebens gemacht hatte.

Weber deutete an, dass er nur noch auf das "grüne Licht" von Michael Schumacher warten würde. Doch dass dieser in der nächsten Zeit eine Entscheidung treffen wird, ist äußerst unwahrscheinlich. Denn ohne einen Überblick auf die Kräfteverhältnisse gleicht ein Vertragsabschluss einem Blindflug. Und daher werden wohl noch viele weitere unterhaltsame Schlagzeilen den Medienwald zum Rauschen bringen...