Für Marco Bezzecchi war das letztjährige Wochenende in Silverstone so etwas wie der Startschuss für größere Ambitionen mit Aprilia. Auf der Paradestrecke der RS-GP gelang ihm sein erster Sieg für Noale. 2026 stehen die Vorzeichen anders. Aprilia gilt weiter als der Favorit, aber höchstwahrscheinlich mit anderen Piloten. Für den Italiener hat nach seinem komplizierten Schlüsselbeinbruch am Sachsenring nur eine Sache Priorität.

Marco Bezzecchis MotoGP-Comeback ohne Leistungsdruck: Einfach nur sehen, wie ich mich fühle

"Ich fühle mich nicht allzu schlecht, aber natürlich war das eine harte Sommerpause. Sicherlich nicht die, die ich wollte", begann Bezzecchi seine Ausführungen bei der in London stattfindenden MotoGP-Pressekonferenz im Donnerstag. Letzte Zweifel um seinen körperlichen Zustand schwebten aber durch alle seine Aussagen. Zwar absolvierte er bereits einen Test auf einem Superbike, doch der Härtetest mit einem MotoGP-Monster auf einer körperlich anspruchsvollen Strecke wie Silverstone ist ein anderes Kaliber: "Ich bin immer noch nicht bei 100 Prozent, aber die Schulter ist nicht so schlimm. Aber ich habe mich auch am Knie verletzt. Ich bin froh, überhaupt hier zu sein. Morgen werden wir sehen, wie es auf dem Motorrad ist."

Marco Bezzecchi bei einem Superbike-Test in Misano
Marco Bezzecchi fuhr bereits wieder auf einem Superbike, Foto: Aprilia Media

Tatsächlich konnte 'Bez' zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mit Sicherheit wissen, ob er am Freitag wirklich fahren würde. Erst danach ging es zur Strecke und zum vorgeschriebenen Medizincheck für Piloten, die aus einer Verletzung zurückkommen. Wie erwartet erhielt der Aprilia-Pilot die Startfreigabe von den Ärzten.

Sein Zustand überlagerte alle andere Themen. Ob er Chancen auf eine Wiederholung des Sieges vom Vorjahr hätte, lautete eine Frage. "Momentan sind sie nicht groß, leider. Natürlich ist das eine besondere Strecke für mich. Ich mag das Layout sehr und letztes Jahr war das ein sehr gutes Rennen für mich. Aber dieses Jahr komme ich mit einer anderen Einstellung hierher, aufgrund meiner Situation. Ich denke gar nicht viel über meine Leistung nach, sondern will einfach nur auf das Motorrad, um zu sehen, wie ich mich dabei fühle", lautete die Antwort. Nur für einen kurzen Moment entkam seinen Lippen dann doch so etwas, wie eine sehr kleine Kampfansage: "Falls ich mich gut fühlen sollte, dann werde ich es [den Kampf um den Sieg, Anm. d. Red.] versuchen. Aber die Antwort werden wir erst morgen kennen."

2025 gewann Bezzecchi in Silverstone erstmals auf Aprilia, Foto: IMAGO / Action Plus
2025 gewann Bezzecchi in Silverstone erstmals auf Aprilia, Foto: IMAGO / Action Plus

Marco Bezzecchi sucht Rat bei Valentino Rossi, aber nicht wegen der Meisterschaft

Einer der anwesenden Journalisten versuchte dann über Umwege doch noch zum Thema Titelkampf durchzudringen. Ob er in der Sommerpause mit Mentor Valentino Rossi über die schwierigen letzten Wochen gesprochen habe? "Ich habe mich mit ihm getroffen und wir haben gesprochen", betätigte Bezzecchi. Nur um dann aber wieder zum Grundtenor zurückzukehren: "Aber um ganz ehrlich zu sein, haben wir nicht zu viel über meine Lage in der Meisterschaft gesprochen. Darüber haben wir nicht zu viel nachgedacht, denn mein körperlicher Zustand war das Hauptthema."

Schwache MotoGP-Spitze 2026? Das sind die Gründe (07:00 Min.)

Wenigstens ließ er uns dann aber auch noch wissen, dass die Verletzung wohl die einzige Hürde für die sportliche Ambition ist: "Hoffentlich können wir [er und Valentino Rossi, Anm. d. Red.] auch wieder über das Thema Meisterschaft sprechen, nachdem ich weiß, wie ich mich auf dem Motorrad fühle." Der Freitag in Silverstone wird also eine Art Tag der Wahrheit für den 27-Jährigen.

Dass Marco Bezzecchi sich kaum als Siegkandidat fühlt, könnte für die Fortsetzung der unglaublichen Silverstone-Serie der MotoGP sorgen. Elf verschiedene Sieger in Serie (!) hat der Traditionskurs zuletzt hervorgebracht. Hier stellen wir euch die heißen Kandidaten für Nummer 12 vor: