Es war ein typischer, kalter und dunkler Dezember-Freitag in der Formel 1. Die Augen der Welt waren auf die WM-Auslosung in Leipzig gerichtet und nur einige eingefleischte F1-Fans nahmen die Verleihung der WM-Pokale an Fernando Alonso und Renault wahr. Ebenfalls nur halbwegs das Interesse erweckte der Beschluss des FIA-Weltrats ab 2008 mit einem Einheitsreifenhersteller in der Formel 1 anzutreten.
Wer die Vorgeschichte von Michelin und deren Reaktionen auf das Thema Reifenmonopol sowie die Vorgehensweise der FIA in diesem Jahr kennt, der dachte sich in diesem Moment sofort: Das dürfte das Aus für die Franzosen bedeuten. Entweder weil sie der Weltverband ohnehin nicht auswählen wird oder weil sie sowieso kein Interesse an einer alleinigen Rolle in der so genannten Königsklasse des Motorsports hätten.
Eine knappe Woche nach diesem Freitag kam die Bestätigung aus Clermont-Ferrand: Michelin zieht sich nach der F1-Saison 2006 aus der Formel 1 zurück und wird noch vor dem Inkrafttreten der geplanten Einheitsreifen 2008 aus der Königsklasse aussteigen.
Als Begründung gaben die Franzosen in einer Presseaussendung zum einen den fehlenden Wettbewerbscharakter und das Verlorengehen des High-Tech-Images der Formel 1 und zum anderen die ständigen Regeländerungen ohne ersichtlichen Grund oder ausreichend Vorlauf an. Diese Praktiken würden eine Zukunftsplanung "unmöglich" machen.
"Diese Entscheidung ist das Ergebnis grundlegender Differenzen zwischen der traditionellen Michelin Sportphilosophie [dem Wettbewerbsgedanken] und der Art und Weise wie die Formel 1 von ihrer Sporthoheit geführt wird. Diese Führung bietet kein klares und fruchtbares Umfeld mehr, um langfristige Investitionen zu rechtfertigen", erklärte Edouard Michelin. "Der Rückzug aus der F1 bedeutet aber keinesfalls, dass sich Michelin aus dem gesamten Motorsport verabschieden wird. Diesem haben wir uns seit 117 Jahren verpflichtet und sollte die Funktionsweise der F1 eines Tages deutlich geändert werden, würde Michelin nicht zögern seine Dienste wieder anzubieten."
Mit der frühen offiziellen Bekanntgabe des F1-Rückzugs schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens müssen die Franzosen ihren Rücktritt ohnehin ein Jahr vorher bekannt geben und zweitens möchte man nun 2007 erleben, ob die von der FIA versicherte Fairness und sportliche Qualität unter einem Einheitsreifenhersteller tatsächlich eintreten wird.



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