Für viele Formel 1-Experten ist Williams der Absteiger des Jahres - nicht nur, weil der britische Traditionsrennstall mit Platz 5 in der Konstrukteurs-WM die schlechteste Platzierung seit 1999 hinnehmen musste, sondern in erster Linie deshalb, weil Sir Frank Williams in diesem Jahr seinen Langzeitpartner BMW verloren hat. Williams wird die kommende Saison bekanntlich mit Cosworth-Motoren bestreiten - in gewissem Sinne ist Williams wieder zum Privatteam mutiert. Und so fühlen sich viele an die Jahre 1998 und 1999 erinnert, als Williams nach der Scheidung von Partner Renault mit Mecachrome- respektive Supertec-Aggregaten im Mittelfeld herumkrebste...
Cheftechniker Sam Michael wehrt sich gegen eine solche Darstellung - gegenüber Autosport erklärte der Brite: "Wir müssen so schnell wie möglich an die Spitze zurückkehren. Wir wollen sicherstellen, dass wir wieder Rennen gewinnen können. Wir gehen in die Saison 2006 mit dem Ziel, um die Weltmeisterschaft kämpfen zu können." So und nicht anders würden das auch die neuen Partner von Williams sehen - neben Cosworth auch Bridgestone, die Briten kehren schon 2006 zu den Japanern zurück.
Michael fügt hinzu: "Es ist klar, dass wir nicht gewillt sind, das Feld aufzufüllen. Wir sind auch nicht hier, um irgendwelche Übergangsjahre für 2007 oder 2008 zu bestreiten - darum geht es uns wirklich nicht. Wir wollen 2006 die Weltmeisterschaft gewinnen!"
Zugleich gibt Sam Michael zu, dass sich die Trennung von BMW negativ auf die Entwicklung des Autos ausgewirkt habe. "Dinge wie die Traktionskontrolle" wären nicht ausreichend weiterentwickelt worden. "Ich sehe BMW nicht als Bürde oder etwas in dieser Richtung", sagt Michael - die Bayern hätten auch weiterhin gepuscht, aber letztlich habe sich BMW doch "für einen neuen Weg entschieden". Und: "Jetzt wollen wir mit Cosworth weitergehen und hoffentlich werden wir einen besseren Weg gehen, als uns das mit BMW gelungen ist."
Sam Michael erinnerte daran, dass Williams im Gegensatz zu Herstellern wie BMW seine Existenzberechtigung ausschließlich in der Formel 1 respektive im Motorsport sehen würde - die Hersteller jedoch würden kommen und gehen, das habe die Geschichte bewiesen. Michael: "Die Dinge wiederholen sich, sie kommen in Zyklen, nicht wahr? Alle sind begeistert darüber, wie viel Geld die Hersteller zurzeit in die Formel 1 stecken - doch es braucht nur eine einzige Vorstandsentscheidung, um das komplette Unternehmen Formel 1 zum Kollaps zu bringen." Nachsatz: "Und eine solche Entscheidung wird irgendwann auch kommen, das garantiere ich. All diese Leute, die jetzt hier sind - sie werden in zehn Jahren nicht mehr da sein. Williams hingegen wird sehr wohl da sein - denn dieses Team existiert nur deshalb, weil es Motorsport betreiben will."

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