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Vettel besser Formel-1-Botschafter? Stewart empfiehlt Rücktritt

Sebastian Vettel ist bei Ferrari sportlich trotz Vertrag für 2021 in der Krise. Nico Rosberg sieht Negativspirale. Jackie Stewart legt Rücktritt nahe.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettels Formel-1-Zukunft ist durch den Vertrag mit Aston Martin sichergestellt. Sportlich läuft es beim viermaligen Weltmeister jedoch nach wie vor nicht rund. Im Vergleich zu Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc bleiben die Resultate 2020 aus. Nico Rosberg sieht Vettel in einer anhaltenden Negativspirale. F1-Legende Jackie Stewart zweifelt an Vettels Entscheidung zur Fortsetzung der F1-Laufbahn.

"Sebastian Vettel ist ein sehr netter Gentleman. Er hat eine wundervolle Karriere gehabt, aber ich persönlich würde es gerne sehen, wenn er zurücktritt und das macht, was ich mache", so Stewart im Rahmen eines historischen Events in Goodwood gegenüber der Gazzetta dello Sport. Der Schotte trat Ende 1973 nach dem Gewinn seiner dritten Weltmeisterschaft im Alter von 34 Jahren zurück.

Nach seiner Karriere als aktiver Rennfahrer stellte sich Stewart als einer der ersten F1-Stars im Ruhestand kommerziell und medial breit auf. Als TV-Experte und Markenbotschafter blieb er in den Sport involviert, bevor er sich zwischen 1997 und 1999 mit Stewart Grand Prix als Teambesitzer in der Formel 1 versuchte. Seit dem Verkauf des Rennstalls tritt er im Rahmen der Königsklasse hauptsächlich als Botschafter und Ehrengast in Erscheinung.

Der 81-Jährige glaubt, dass Vettel diese Rolle ebenfalls gut stehen könnte. "Er könnte zu einigen der besten Events reisen und mit ein paar der besten multinationalen Unternehmen zusammenarbeiten. Er wäre ein großartiger Botschafter für den Sport", so Stewart.

Stewart glaubt nicht an Vettel-Renaissance, Rosberg schon

Für den ältesten lebenden Formel-1-Weltmeister liegen die Gründe für Vettels Vertrag mit Aston Martin auf der Hand. "Wenn er weiter Rennen fahren will, dann nur, weil er den Sport liebt", so Stewart, der offenbar nicht daran glaubt, dass Vettel noch einmal an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen kann.

Der jüngste F1-Weltmeister im Ruhestand sieht hingegen mehr Aussicht auf Erfolg, obwohl er den Heppenheimer derzeit noch in einem tiefen Tal sieht. "Ich denke, er ist in eine große Negativspirale hineingeraten", so Nico Rosberg gegenüber Sky F1. Der 35-jährige trat 2016 nach dem Gewinn seiner ersten Weltmeisterschaft zurück und schlug danach als TV-Experte, YouTuber und Markenbotschafter die von Stewart empfohlene Laufbahn ein.

Dass es für Vettel 2020 derart schlecht läuft, führt Rosberg auf einen kostspieligen Fahrfehler in der Saison 2018 zurück. Beim Deutschland GP hatte Vettel in Führung liegend die Kontrolle über seinen Ferrari verloren und war in der Sachskurve aus dem Rennen gerutscht. Der selbstverschuldete Ausfall sorgte für einen herben Rückschlag im WM-Kampf gegen Lewis Hamilton.

Rosberg: Vettel-Absturz begann mit Hockenheim 2018

"Die Dinge beginnen schleichend. Ein großer Fehler während du in Hockenheim in Führung liegst, danach hier und da noch einer, und schon wird es zu einer großen Lawine", so Rosbergs Beurteilung der sich häufenden Fahrfehler Vettels. "Es ist eine Spirale der Negativität. Je negativer du mental eingestellt bist, desto mehr Zweifel und Fehler werden sich einschleichen. Es wird einfach schlimmer und schlimmer."

Dabei haben nicht nur die Misserfolge auf der Rennstrecke einen negativen Effekt. Rosberg sieht auch in den politischen Entscheidungen vor der Saison 2020 einen Grund für Vettels schwache Form. "Das Team hat jetzt Leclerc als seinen Gott und er ist nicht mehr der Gott. Das ist auch eine große Abwärtsspirale und ein ziemlicher Schock", so der ehemalige Mercedes-Pilot.

Rosberg glaubt an Comeback mit Aston Martin

Rosberg glaubt, dass Vettel schon lange vor dem Rausschmiss bei der Scuderia das Gefühl des Rückhalts verloren hat: "Er war bei Ferrari und für das ganze Land [Italien] die Nummer eins, und plötzlich kommt der junge Leclerc und unterschreibt einen Fünfjahresvertrag. Das ist mental auch eine große Sache."

Der Teamwechsel und die neue Perspektive soll alles wieder zum Guten wenden können. "Aston Martin ist seine große Chance. Er wird in diesem Team wieder der Gott sein", glaubt Rosberg. "Das Auto ist schnell und er kann echte Erfolgsmomente haben und eine positive mentale Kurve. Und vielleicht wird er dann wieder so gut, wie er einmal war, und macht diese Fehler nicht mehr."


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