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Formel 1

Formel 1 Nürburgring: MGU-H-Defekt zerstört Bottas' WM-Träume

Valtteri Bottas wehrte sich beim Eifel GP zunächst tapfer - dann zerstörte er die Siegchancen mit einem Fehler und ein Technik-Defekt seine WM-Träume.
von Christian Menath

Bitterer hätte der Rennsonntag am Nürburgring für Valtteri Bottas nicht laufen können. Der Pole-Setter verteidigte die Führung nach einem durchwachsenen Start zunächst energisch gegen Lewis Hamilton. Ein Fehler kostete ihn schließlich jegliche Siegchancen, ehe ein Technik-Defekt das Rennende für ihn bedeutete.

Zunächst brachte Bottas ein weiterer schwacher Start in Kurve eins in Bedrängnis. Hamilton ging auf die Innenseite und drückte seinen Teamkollegen weit nach außen. Keine Absicht, wie Teamchef Toto Wolff meint: "Er hat etwas spät gebremst und hatte dann die Lenkung voll eingeschlagen."

Zwischen die beiden Mercedes-Piloten passte kein Blatt Papier. "Aber Valtteri hat den Fuß im Stil eines Rallyefahrers auf dem Gas gelassen und hat sich zurückgekämpft", lobt Wolff. Der Finne beschleunigte den WM-Leader auf dem Weg zu Kurve zwei aus und ging wieder in Führung.

Bottas: Als Erster in den Regen gefahren

Dann sah es zunächst nach einer souveränen Vorstellung von Valtteri Bottas aus. Der WM-Zweite kontrollierte das Geschehen an der Spitze, fuhr Hamilton aber nie richtig davon. In Runde 13 dann der verhängnisvoll Fehler: Bottas verbremste sich in Kurve eins heftig.

"Ich war das erste Auto und habe den Nieselregen gespürt, es war weniger Grip", verteidigte sich Bottas. "Lewis hat bestimmt gesehen, dass ich mich verbremst habe und hat darauf reagiert. Aber so läuft es nun Mal. Natürlich war es ein Fehler, aber es waren auch schwierige Bedingungen."

Nicht nur, dass Hamilton dadurch an Bottas vorbeigehen und die Führung übernehmen konnte, bei der Aktion zog sich Bottas einen ordentlichen Bremsplatten zu. Bevor auch noch Max Verstappen vorbeigehen konnte, zog Mercedes die Notbremse und holte Bottas verfrüht zum Reifenwechsel.

"Ich hatte noch immer alle Chancen, zu gewinnen", glaubt Bottas. "Ich habe mich damit früh einer Zweistopp-Strategie verschrieben. Und das war am Ende glaube ich die beste Strategie." Besonders lange währte die Hoffnung bei ihm allerdings nicht.

Eine VSC-Phase in Runde 17 beendete Bottas' Siegchancen endgültig. Hamilton und Verstappen stoppten von der Spitze, während das Rennen neutralisiert wurde. Dadurch verloren sie bei ihren Stopps deutlich weniger Zeit als Bottas ein paar Runden zuvor.

Neuer Mercedes-Motor macht schlapp

Doch damit nicht genug: Kurz nach der VSC-Phase verlor der Mercedes mit der Startnummer 77 Leistung. In Runde 19 musste Bottas seinen Boliden schließlich in der Garage abstellen. Das Team diagnostizierte ein Problem am Elektro-Antrieb des Turboladers, der MGU-H.

Ganz sicher sind sich die Ingenieure beim Defekt aber noch nicht. Bitter: Das Mercedes-Werksteam setzte an diesem Wochenende brandneue Motoren ein. "Die Aufgabe war am Ende auch eine Sicherheitsmaßnahme, um den Motor nicht zu beschädigen", so Wolff.

Für die Weltmeisterschaft war der Ausfall Gift. Durch Hamiltons Sieg verlor Bottas weitere 25 Punkte. Nun liegt der 31-Jährige satte 69 Punkte hinter seinem Teamkollegen. "Das ist sehr enttäuschend", sagte ein niedergeschlagener Bottas. "Der Rückstand auf Lewis ist nun ziemlich groß, ich brauche vielleicht ein Wunder. Aber es macht keinen Sinn, aufzugeben. Es macht auch keinen Sinn, zu rechnen. Ich gehe es Rennen für Rennen an."


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