Tipp
Formel 1

Formel 1 erklärt: So geht es in der Coronavirus-Krise weiter

Die Coronavirus-Krise sorgt für Wirbel in der Formel 1, und für viele Fragen. MSM erklärt: Alles zu Renn-Minimum, Sommerpause, Pleiten-Gefahren und mehr.
von Redaktion Motorsport-Magazin.com
Formel 1 2020: Wie geht es mit der F1 jetzt weiter?: (16:47 Min.)

Die durch den Coronavirus verursachte Zwangspause der Formel 1 erstreckt sich nach den Verschiebungen und Absagen mittlerweile bis mindestens Juni. Das wirft viele Fragen auf, wie es denn jetzt mit dieser chaotischen Saison 2020 weitergeht. Motorsport-Magazin.com hat alle Fragen abgearbeitet - und bietet hier nun die Antworten.

Wird die Saison überhaupt gefahren?
Nach bestem Wissen und Gewissen ja. Aber wann fährt die Formel 1 wieder? Wie viele Rennen gibt es? Diese Fragen kann niemand beantworten, denn sie hängen allein davon ab, wie sich die Lage um das Coronavirus entwickelt. Fix ist: Vor Juni wird nicht gefahren, das wurde am 19. März offiziell bestätigt. Startet die Saison in Baku? Das kann jetzt noch unmöglich vorhergesagt werden.

Wie viele Rennen müssen mindestens gefahren werden?
Das beantwortet das Sportliche Reglement der Formel 1. Dort ist festgesetzt, dass es mindestens acht, maximal 22 Rennen geben darf. Hinzu kommen hier noch Regelungen mit TV-Stationen, die in ihren Verträgen mit der Formel 1 Mindest-Rennzahlen festgesetzt haben. Werden die nicht erreicht, muss die Formel 1 Geld zurück erstatten.

Werden die verschobenen Rennen tatsächlich nachgeholt?
F1-Sportchef Ross Brawn sprach zuletzt schon davon, dass sie auf 18, 19 Rennen hoffen - an die 22 glaubt niemand mehr. Es liegt vor allem an Verträgen, dass bis jetzt nur Monaco ganz abgesagt wurde. Man hofft, so viele Rennen wie möglich in den hinteren Teil des Kalenders zu zwängen, aber ein paar werden wohl auf der Strecke bleiben. Gerade Straßenkurse wie der bereits abgesagte Monaco-GP oder auch Melbourne, die extra aufgebaut werden müssen, sind Kandidaten hierfür.

Wird die Anzahl der Power-Unit-Elemente bei weniger Rennen beschränkt?
Grundsätzlich nein. Das Reglement sieht das nicht vor, die Power-Unit-Teile sind von der Rennzahl entkoppelt. Es wäre aber zumindest möglich und vorstellbar, dass sich Teams und FIA gemeinsam aus Kostengründen auf eine Reduzierung einigen, wenn es deutlich weniger Rennen gibt. Denn die finanzielle Lage ist angespannt - mehr dazu gleich.

Sind die Fabriken der Teams jetzt geschlossen?
Alle Teams stellten ihre aus Australien zurückkehrenden Mitarbeiter erst einmal für 14 Tage freiwillig unter Quarantäne. Das sind aber nur die Vor-Ort-Teams. Schließen musste bis jetzt nur Ferrari, aufgrund der angespannten Situation in ihrer Heimatregion war nur mehr Homeoffice möglich. Das droht aber immer weiteren Teams, denn immer mehr Länder dehnen ihre Maßnahmen aus. Und aus dem Homeoffice kann kein Rennauto ernsthaft entwickelt werden. Das führt zur nächsten Frage:

Wird die Sommerpause vorgezogen?
Genau das haben Teams und FIA vereinbart. Normalerweise ist die Sommerpause ein vom Reglement vorgegebener 14-tägiger sogenannter Shutdown, bei dem im August die Fabriken zugesperrt werden müssen und die Mitarbeiter auf Urlaub geschickt werden. Dieser Shutdown wird in den März und April vorverlegt und auf 21 Tage verlängert.

Wann genau diese 21 Tage gestartet werden, steht den Teams offen. Ferrari startet gleich, durch die Situation können sie ohnehin nicht in die Fabrik. Die in England beheimateten Teams stehen vor einem Dilemma, denn sie wissen nicht, wie sich die Situation dort weiterentwickelt. Die meisten planen, in der letzten Märzwoche zuzusperren. Sicher ist: Im August gibt es keine fixe Pause mehr, hier könnten Rennen eingeschoben werden.

Könnten Absagen finanzielle Probleme bei Teams verursachen, oder gar Pleiten?
Diese Gefahr besteht. Ein F1-Team finanziert sich durch die Eigentümer, durch Sponsoren, und durch die von der F1 ausgeschütteten Gewinne. Letzteres (verteilt auf regelmäßige Raten) hängt von den Gewinn-Prognosen für das aktuelle Jahr ab.

Fallen Rennen aus, muss die Formel 1 mit weniger Gewinn kalkulieren, wodurch sie auch kleinere Raten an die Teams ausschüttet. Gleichzeitig zahlen die Sponsoren der Teams weniger, wenn nicht gefahren wird. Kleinere Teams wie Williams, bei denen kein Autohersteller im Hintergrund steht, finanzieren sich hauptsächlich durch Sponsoren und Preisgeldern, wodurch für sie die Situation schnell gefährlich werden kann. Und auch bei Herstellern ist die Lust gering, möglicherweise zweistellige Millionenverluste aufzufangen.

Können die neuen Regeln für 2021 um ein Jahr verschoben werden?
Auch da haben sich FIA und Teams geeinigt. Die Revolution 2021 wird auf 2022 verschoben. Hinzu kommt: 2021 werden alle Chassis eingefroren und bleiben auf dem Stand von 2020, nur bei der Aerodynamik kann entwickelt werden. Nur die neuen finanziellen Regeln mit Kosten-Obergrenze werden trotzdem 2021 eingeführt. Das alles hilft den Teams, die vorhin angesprochenen finanziellen Probleme zu bewältigen.

Wie geht es jetzt bei Motorsport-Magazin.com weiter?
Keine Sorge, wir bleiben unverändert hier und berichten weiter über alle Ereignisse in der Formel-1-Welt. Fehlende Rennen sind zwar schade, geben uns aber die Gelegenheit, journalistisch auch einmal Dinge abzuliefern, die sonst im Stress von 20 und mehr Rennwochenenden auf der Strecke bleiben. Macht euch also gefasst auf Hintergrund-Geschichten, Erklär-Serien, Esports und ein tägliches Geschichts-Feature. Das alles auch in Video-Form.


Formel 1 Tickets
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video