Formel 1

Formel 1, Vettel: Verstappen hätte mehr Platz lassen sollen

Sollte bei Unsafe Release der Fahrer bestraft werden wie Max Verstappen in Monaco? Sebastian Vettel kein Fan davon, sieht in diesem Fall aber Mitschuld.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Unsafe Release von Red Bull war das Manöver, welches den Monaco GP 2019 nachhaltig veränderte. Valtteri Bottas verlor deshalb nicht nur die Position gegen Max Verstappen im Formel-1-Rennen in Monte Carlo, sondern fiel durch einen Reifenschaden und einen nötigen zweiten Stopp auch hinter Sebastian Vettel.

Damit nicht genug. Durch die resultierende Zeitstrafe gegen Verstappen war der Niederländer daraufhin besonders erpicht, Lewis Hamilton zu überholen. Nur so wäre es möglich gewesen, sich einen ausreichenden Puffer nach hinten herauszufahren. Immerhin managte Hamilton mit seinen Medium-Pneus vorne die Pace erheblich, sodass Vettel und Bottas leicht unter fünf Sekunden folgen konnten.

Unsafe Release: Warum Verstappen, nicht Red Bull bestraft?

In diesem Fall verlieh das der sonst so faden Prozession von Monte Carlo eher zusätzliche Würze. Viel zu oft zerstörten derartige Zeitstrafen jedoch schon Formel-1-Rennen. Überhaupt stellte sich manch ein Zuschauer sofort bei Aussprechen der Strafe die Frage: Warum erhält hier überhaupt der Fahrer die Strafe wenn es doch das Team war, das gepatzt hat?

"Unter dem Strich ist es ein Teamsport, also zahlst du auch den Preis zusammen, geschlossen", meint Lewis Hamilton. "Wenn wir auf der Strecke einen Fehler machen, dann zahlt das Team den Preis. Und wenn das Team einen Fehler macht, dann zahlt der Fahrer den Preis. Das ist einfach eines dieser Szenarien. Ich habe es jetzt nicht gesehen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass diese Unsafe Release keine gute Sache war. Da gibt es immer eine Gefahr für Unfälle."

Hamilton: Teamsport, zahlen Preis gemeinsam

Tatsächlich kam es in diesem Fall so weit. Bottas berührte bei seinem Versuch, Verstappen nach rechts auszuweichen die Boxenmauer. Anders als Hamilton sogar mit einem Logenplatz auf die Szene ausgestattet war Sebastian Vettel. Der Ferrari-Pilot fuhr direkt dahinter, als es schepperte.

"Ich war erstmal überrascht", sagt Vettel. "Max muss da einen großartigen Stopp gehabt haben. [...] Aber dann war da einfach kein Platz mehr. Ich habe mir tatsächlich Sorgen gemacht, denn etwas weiter runter die Boxengasse haben ein paar Leute - jetzt keine Panik geschoben -, aber sie haben es da echt gut gemacht die Mechaniker von - wie heißen die jetzt noch gleich? Nicht Force India - Racing Point! Sie haben die Schläuche weggezogen und den beiden Autos Platz gemacht", schildert Vettel die brenzlige Situation.

Vettel: Kein Strafen-Fan, aber Verstappen hätte mehr Platz lassen sollen

Doch wie beurteilt der Deutsche den Adressaten der Strafe? Fahrer korrekt? Oder sollte es hier das Team treffen? "Ich weiß nicht genau. Hier ist es sogar sehr knifflig, weil du so wenig Platz in der Boxengasse hast", sagt Vettel. "Ich bin generell kein Fan von Strafen, aber du musst auch einen Weg finden, solche Aktionen einzudämmen, klar. Und die Boxengasse ist nicht designt, damit zwei Auto kämpfen."

Die Stewards hätten sich es jedenfalls ganz sicher wieder und wieder angesehen, meint Vettel. Aus seiner Sicht auf die Szene jedenfalls habe es durchaus so ausgesehen, als könne es mit der Strafe den richtigen getroffen haben, so Vettel weiter. "Von hinten sah es aus, als hätte Max mehr Platz lassen sollen. Aber wie gesagt, es ist eine knappe Entscheidung. Ich weiß nicht, ob Max vorne war, also weiß ich nicht, ob es nötig war, Valtteri so sehr wegzudrücken. Ich weiß auch nicht ganz genau, was da vielleicht noch vor ihm war."

Steward-Begründung: Verstappen-Anteil an Unsafe Release

Tatsächlich entspricht genau das der Urteilsbegründung der Stewards. Diese liest sich so, als hätte Verstappen der Strafe für die "extrem enge" Release seitens Red Bull, so die Stewards, noch entrinnen können, hätte er danach selbst anderes agiert. "Die Stewards glauben, dass - auch wenn er da schon vorne war - der Fahrer die Gelegenheit hatte, die Berührung zu vermeiden und damit zur Unsafe Release beigetragen hat."

Kurzgesagt: Für die Stewards war Verstappen zumindest mitverantwortlich, sodass in diesem Fall der Fahrer nicht für einen vollständigen Fehler allein des Teams die Konsequenzen zu tragen hatte. Bei Red Bull machte man sich damit nicht beliebt. "Wir waren mit der Nase vorne, da hätte Bottas ja auch nachgeben können", sagte Helmut Marko dem ORF. "Ich glaube, die Stewards sind keine großen Fans von Max. Aber die Chance war da und er hat es probiert."

Verstappen selbst: "Wir waren vorne, aber dann haben wir uns natürlich berührt und vielleicht habe ich deshalb die Strafe bekommen. Ich glaube aber, ich habe nichts falsch gemacht und das Team auch nicht."


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