Formel 1

Formel 1, Vettel nach Verbremser: Wollte als Letzter bremsen

Sebastian Vettel riskierte in Barcelona am Start viel - zu viel. Ein heftiger Verbremser kostete ihn die Chance auf Platz drei.
von Christian Menath

Mangelnden Einsatz kann man Sebastian Vettel wahrlich nicht vorwerfen. Der Ferrari-Pilot ist nicht dafür bekannt, nicht alles zu versuchen - eher im Gegenteil. Auch beim Spanien GP in Barcelona übertrieb es Vettel etwas.

Nachdem Ferrari das ganze Wochenende nicht konkurrenzfähig war, witterte Vettel von Startplatz drei aus seine Chance am Start. Der vierfache Formel-1-Weltmeister kam gut von der Linie weg und konnte sich im Windschatten schnell an Valtteri Bottas heransaugen. Vor dem Anbremsen auf Kurve eins zog Vettel nach links und versuchte außen an beiden Silberpfeilen vorbeizugehen.

Allerdings endete der Versuch in einem gewaltigen Verbremser und der falschen Linie für die anschließenden Kurven. Vettel drückte dabei noch Teamkollege Charles Leclerc auf die Seite, so dass Max Verstappen an beiden Ferrari-Piloten vorbeiziehen konnte. "Ich denke, er hat mich nicht gesehen", nimmt Leclerc seinen Teamkollegen in Schutz.

Doch wie kam es überhaupt zum heftigen Verbremser? "Ich wollte als Letzter bremsen - was ich wohl auch gemacht habe", scherzte Vettel nach dem Rennen und erklärte: "Aber Valtteri war auch sehr spät dran. Ich habe ihn nicht gesehen, aber ich wusste, dass er da irgendwo sein musste. Deshalb konnte ich nicht einlenken, obwohl ich es wohl geschafft hätte."

"Wenn ich einlenke, dann kann er nirgends hin und dann fahre ich in die andere Richtung. Es hat nicht funktioniert", musste Vettel einsehen. "Am Ende habe ich sogar noch Lewis geholfen, weil ich Valtteri abgelenkt habe."

Zwischen Vettel und Bottas kam es sogar zur leichten Berührung - Foto: LAT Images

Ging Vettel in der ersten Kurve zu viel Risiko? "Mir war klar, dass ich das Rennen nicht in der ersten Kurve gewinnen kann", entgegnet Vettel. "Aber ich sah die Chance, etwas zu versuchen, habe es versucht und es hat nicht funktioniert."

Es war der Mut der Verzweiflung, der Vettel dazu veranlasst hatte. Daraus macht auch der Ferrari-Star selbst kein Geheimnis: "Ich hatte gehofft, die Dinge da ein wenig durcheinanderwürfeln zu können - meinetwegen und für euch. Ich wollte Mercedes etwas aufmischen und etwas mehr Kampf haben."

Durch den Verbremser verlor er schließlich aber nicht nur die Position gegen Verstappen, sondern holte sich dabei auch einen ordentlichen Bremsplatten. Der wiederum führte dazu, dass Vettel auch noch Teamkollege Charles Leclerc ziehen lassen musste. Dank einer weiteren Teamorder später im Rennen und einer Safety-Car-Phase holte sich Vettel Position vier wieder zurück.

Vettel: Rennpace auf Red-Bull-Niveau

Ganz unzufrieden mit der Rennpace war Vettel nicht. "Im ersten Stint auf Soft wäre ich gut gewesen. Charles hatte einen guten Stint, aber ich hatte den Bremsplatten, den ich managen musste. Das hat mich ziemlich viel gekostet. Als ich dann freie Fahrt hatte, war die Pace ziemlich stark, auch im Vergleich zu Max. Ohne den Verbremser in der ersten Kurve wäre es ein sehr enges Rennen mit ihm geworden."

Das Gesamtbild ist in Maranello aber getrübt. "Es war ein enttäuschendes Rennen für uns, wir hatten gehofft, viel schneller zu sein", gesteht Vettel. Teamchef Mattia Binotto stimmt zu: "Es war ein weiteres Wochenende, an dem wir hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben sind. Die Updates haben gut funktioniert, aber sie waren nicht genug."


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