Formel 1

Formel 1, Haas mit Strategie-Flop im Q3: Ampel war längst rot

Haas startet beim Formel-1-Rennen in China mit beiden Autos aus den Top-10. Das Qualifying war trotzdem keine Glanzleistung. Strategen verhauen Timing.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Auf dem Papier sieht das Resultat von Haas im Formel-1-Qualifying für den Grand Prix von China 2019 eigentlich nicht verkehrt aus. Kevin Magnussen und Romain Grosjean gehen am Sonntag von den Positionen neun und zehn ins Rennen. Tatsächlich ging bei den US-Amerikanern im entscheidenden Moment des Zeittrainings aber alles schief. Haas pokerte zu hoch und fiel im Q3 auf die Nase.

Indem sich die Strategen für das finale Segment auf nur einen Run festlegten, setzte man alles auf einen Schuss in den Schlussminuten. Genau wie das Red-Bull-Duo wurden auch die Haas-Piloten auf der Outlap Opfer der Rush-Hour und kamen nicht vor Ablauf der Zeit für die fliegende Runde über die Linie. Das Ergebnis: Grosjean und Magnussen beendeten das Q3 ohne Rundenzeit.

"Entweder du fährst als Erster raus und weißt, dass du Letzter wirst, oder du riskiert, als letztes rauszufahren", verteidigt Teamchef Günther Steiner die Taktik seiner Mannschaft, es im Q3 auf den letzten Drücker zu versuchen. "Das ist eine der Situationen, in denen du bewusst ein Risiko eingehst. Und wenn du ein Risiko eingehst, musst du wissen, dass du mit dem Feuer spielst und dich verbrennen kannst."

Grosjean und Magnussen von Haas-Strategen verwirrt

Der Stau auf der Outlap betraf sieben der zehn im Q3 verbliebenen Fahrer. Nur die Mercedes-Piloten und Ferrari-Youngster Charles Leclerc waren fein raus. Dahinter wurden alle Regeln des Anstands über Bord geworfen. Sebastian Vettel und auch Haas-Erzrivale Renault überholten ihre Gegner ohne mit der Wimper zu zucken und schafften es rechtzeitig über den Zielstrich.

"In Turn 14 haben sie [die Haas-Ingenieure] gesagt: es sind noch 20 Sekunden, es ist eng, los jetzt!", beschreibt Grosjean die Situation. "Das nächste was mir gesagt wurde, war dann, dass es noch fünf Sekunden sind. Ich wusste gar nicht, wie das so schnell gehen kann, von 20 auf fünf. Und auch das war noch optimistisch. Das nächste, was ich sah, war das rote Licht."

"Die haben etwas Anderes gesehen, als wirklich Sache war", sieht Magnussen den Fehler am Kommandostand. "Als sie meinten, dass es noch fünf Sekunden sind, war die Ampel schon rot. Wir wollten Autos vor uns haben, aber nicht sieben."

Renault-Piloten machen kurzen Prozess

Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg machten es besser. Der Hulk verlässt sich auf der Outlap im Gegensatz zu den Haas-Boys aber auch nicht allein auf seine Strategen, wie er gegenüber Motorsport-Magazin.com erklärte: "Nein, das macht jeder eher nach Gefühl. Man hat vom ganzen Wochenende einen Rhythmus und eine Vorgabe, dabei geht es aber eher um die Temperatur der Reifen und das Gefühl damit. Wir machen auf der Outlap generell eher immer etwas langsamer, die Ferrari sind da immer schneller dabei."

"Nico hat mich und Max überholt, also bin ich hinterher", erklärt Ricciardo, weshalb auch er am Bummelzug vorbeiging. "Ich dachte, ich muss jetzt einfach meine Runde machen und es war höchste Zeit. Das ist normalerweise ein Gentleman Agreement, in der letzten Kurve die Position zu halten. Ich wollte die nicht behindern, aber hätte ich nicht überholt, wäre es das gewesen."

Steiner mehr Gentleman als Magnussen

Während andere Piloten sich alle Freiheiten nahmen, hielten sich Magnussen und Grosjean zurück. Letzterer hätte sich das Vordrängeln auch schlecht erlauben können, hatte er doch zwei Wochen zuvor in Bahrain eine Situation mit Vettel, nach der er sich vehement über das Überholmanöver des Deutschen beschwerte.

"Ich wollte kein Arschloch sein", lacht Magnussen. "Ihr wisst, was ich meine. Wir fahren Rennen." Er hielt sich zurück, aber nicht, weil er die Outlap seiner Gegner respektiert: "Ich habe niemanden attackiert, nicht weil ich ein Gentleman bin, aber weil ich dachte, dass ich schlechte Karten hatte an den anderen vorbeizukommen. Denn die Leute wollen nicht, dass du vorbeikommst und dann wird es nur dreckig."

Der Teamchef hingegen ist da mehr Gentleman. "Hätten wir machen sollen, was Vettel gemacht hat?", fragt Steiner und stellt seine Sicht der Dinge klar: "Dann hätten wir den Reifen riskiert, oder sogar, mit jemandem zu crashen. Und dann gibt es Strafen und so einen Scheiß."


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