Sechsundzwanzig WM-Zähler trennen den fünffachen Saisonsieger und WM-Spitzenreiter Fernando Alonso von seinem härtesten Verfolger und dreifachen Saisonsieger Kimi Räikkönen. Der spanische Überflieger dieses Jahres wird also egal wie der zwölfte Saisonlauf in Hockenheim ausgehen wird, als WM-Leader nach Ungarn fahren und auch dort eine Woche später als Erster der WM-Tabelle in die dreiwöchige Sommerpause gehen.
"Es wäre zwar schön, wenn ich Spitzenreiter wäre, aber es ist nun mal nicht so", nimmt sein Herausforderer aus dem hohen Norden die Tatsachen gelassen hin. "Was soll ich da groß jammern."
Schon gar nicht gejammert wird seitens des Ice Man über das viele Pech, welches sich zuletzt ausgerechnet in seinem Silberpfeil in Form von Defekten und Motorwechseln niederschlug. "Ich schaue immer nach vorn - nie zurück", betont der Pechvogel der letzten zwei Rennwochenenden. "Kimi hat die Gabe, solche Tiefschläge innerhalb kürzester Zeit abzuhaken", fügt sein Teamboss Ron Dennis hinzu.

Diese Gabe ist aber auch notwendig. Denn Kimi weiß: "Der Titelgewinn wird schwierig, aber wir versuchen alles. Alonso ist schon weit weg und es wird nicht leicht, ihn einzuholen." Deswegen wäre für ihn am kommenden Wochenenden beim Mercedes-Heimspiel auf dem Hockenheimring ein "Doppelsieg perfekt". Natürlich ein Doppeltriumph in der richtigen Reihenfolge: Räikkönen vor Montoya. Und am liebsten auch noch vor vielen anderen Piloten, bevor dann irgendwann außerhalb der Punkte Fernando Alonso kommen sollte.
Doch diese Träume und Hoffnungen auf Probleme bei Renault erscheinen eher unwahrscheinlich. Besonders da die Franzosen mittlerweile umso mehr auf die Zuverlässigkeit ihres R25 achten, welche auch in der Hitze von Hockenheim mehr als nur ausreichend sein sollte. "Ich bin sicher, dass wir in Hockenheim sehr schnell sein werden, genau wie in den beiden Hitzerennen in Bahrain und Malaysia", ist sich Alonso sicher.
"Nach dem positiven Rennen in Silverstone pushen wir alle hart um die Performance weiter zu verbessern", kündigt McLaren-CEO Martin Whitmarsh trotzdem Verbesserungen an der Haltbarkeit des Silberpfeils an. "Dabei werden wir uns besonders auf die Zuverlässigkeit konzentrieren, damit wir unser Potenzial in den verbleibenden acht Rennen maximal ausschöpfen können."
"Wir wissen nicht, ob Kimi die Lücke auf Alonso schließen kann", gibt Norbert Haug offen zu, "aber wir werden so hart wie möglich dafür kämpfen."
Zwei- oder Dreikampf?

Kaum noch Titelchancen sieht Kimi hingegen für den amtierenden Weltmeister Michael Schumacher, der mit einem neuen Aerodynamikpaket nach Hockenheim kommen wird. "Für Michael wird es noch schwieriger als für mich, Fernando einzuholen, da wir wenigstens das passende Paket haben", weiß der Ice Man. "Aber wenn Fernando und ich ein paar Mal ausfallen, könnte es für ihn noch klappen."
Eine Meinung mit welcher Räikkönen überraschenderweise gar nicht einmal so alleine steht. Denn auch Ex-DTM-Pilot und Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer rechnet noch mit einer Rückkehr der Scuderia aus Maranello - auch wenn es dabei vielleicht nur noch zu Rennsiegen und nicht mehr zum Titelgewinn reichen könnte.
"Ich schätze Ferrari sehr hoch ein", betonte Mayländer im Gespräch mit motorsport-magazin.com. "Wenn die ihre kleineren Probleme ausgeräumt haben, dann kann man von ihnen noch einiges erwarten." Und auch das Überraschungsteam von Toyota und die zuletzt eine aufsteigende Formkurve zeigenden Japaner von British American Racing hat Mayländer noch auf der Rechnung. "Man muss immer daran denken, dass Japaner niemals aufgeben. Auch sie werden wieder zurückkommen."

In den Titelkampf werden sie aber sicher nicht mehr eingreifen können. Die Chance für Räikkönen "existiert" aber für Mayländer noch. "Es ist sogar eine ganz realistische Chance, dass er die WM noch für sich entscheiden kann. Für mich persönlich erscheint der Gewinn der Konstrukteursweltmeisterschaft allerdings noch viel realistischer als jener in der Fahrer-WM."
Kampf der Konstrukteure
Doch da hat Renault-Technikchef Bob Bell verständlicherweise etwas dagegen. "Wir wollen unbedingt die Konstrukteurs-WM gewinnen", betont der Technische Direktor der Gelb-Blauen. "Dafür ist es wichtig, jeweils mit beiden Fahrern Punkte zu sammeln. Ich gehe davon aus, dass die Entscheidung um den WM-Titel der Konstrukteure wahrscheinlich erst im allerletzten Rennen der Saison fallen wird. Das wird eine ganz enge Geschichte."
Aus diesem Grund möchte Bell jetzt in jedem Rennen "mit beiden Autos mindestens in die Punkteränge" fahren. "In Wahrheit streben wir aber jeweils doppelte Podestbesuche an", fügt er hinzu. "Wir müssen Fernando Alonso weiter in die Lage versetzen, Rennen gewinnen zu können. Wir können nicht davon ausgehen, dass das McLaren-Team weiter unter den Zuverlässigkeitsproblemen leiden wird, die sie in den vergangenen Rennen von noch besseren Ergebnissen abhielten. Wir haben daher bei den kommenden Grands Prix keine Punkte zu verschenken. Unser Ziel lautet also, dass beide Piloten das Podium erreichen."

Und genau das möchte Fernando Alonso auch in Hockenheim schaffen. "Wie in jedem Grand Prix lautet unser Ziel, aufs Podium zu kommen", betet der Spanier die Teamphilosophie herunter. "Ich war in beiden zurückliegenden Rennen sehr schnell und der Renault R25 wird in Hockenheim wieder gut funktionieren. Auf der anderen Seite wird McLaren alles daransetzen, beim Heimrennen ihres Motorenpartners erfolgreich zu sein. Uns erwartet also ein heißer Tanz."
Besondere Aufmerksamkeit schenkt diesem heißen Tanz in den letzten acht Saisonrennen ein ehemaliger Doppelweltmeister. Denn noch ist Emerson Fittipaldi der jüngste Formel 1 Champion aller Zeiten. Mit einem Titelgewinn in diesem Jahr könnte Alonso ihm diesen Rekord allerdings abnehmen.
"Es sieht so aus als ob ihm das gelingen würde", räumte der sympathische Brasilianer im Interview mit motorsport-magazin.com ein. "Kimi hat auch ein konkurrenzfähiges Auto, aber er hatte in den letzten Rennen viel Pech, was sehr schade war. Beide Fahrer sind sehr schnell, aber Kimi hat momentan wohl das beste Auto. Es sind noch acht Rennen zu fahren und da kann noch sehr viel passieren. Ich hoffe jedenfalls, dass Alonso meinen Rekord nicht bricht."



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