Formel 1

Formel 1 Kanada 2018: FIA erklärt Chaos um Zielflagge mit Model

Der Kanada GP wurde von Supermodel Winnie Harlow eine Runde zu früh beendet. Das Model kann aber nichts dafür. Wird die Zielflagge jetzt ganz abgeschafft?
von Christian Menath
Formel 1 Kanada 2018: So kam es zum Zielflaggen-Chaos: (07:53 Min.)

Die Lacher hatte Winnie Harlow jedenfalls auf ihrer Seite, als das Supermodel den Kanada GP schon nach 69 Runden abwinkte. Damit war sie genau eine Runde zu früh, die Renndistanz auf dem Circuit Gilles Villeneuve beträgt eigentlich 70 Runden.

Tatsächlich wurde das Rennen dann aber schon nach 68 Runden gewertet, weil das Protokoll das für einen solchen Fall so vorsieht. "Damit es durch die Verwirrung nicht zu Verschiebungen kommt", erklärte FIA-Rennleiter Charlie Whiting später. "So ist das Ergebnis ehrlicher." Ähnlich wird es auch bei Rennabbrüchen gehandhabt, die Formel 1 wertet dann stets die Runde vor dem Abbruch.

Interessanter als die Erklärung, warum nun nicht 70, nicht 69 sondern 68 Runden auf dem offiziellen Rennergebnis stehen, ist jedoch die Frage, wie ein solcher Fauxpas überhaupt passieren kann. Es war übrigens nicht das erste Mal, dass bei der Zieldurchfahrt etwas schiefging. 2014 winkte ein Offizieller den China GP eine Runde zu früh ab, 2002 verpasste Fußball-Legende Pele gar seinen Einsatz.

Kommunikationsproblem schuld am Flaggen-Fauxpas

Die Erklärung, die Whiting nach dem Kanada GP für das Missgeschick gab, entlastet Supermodel Winnie Harlow. Das Protokoll sieht nämlich vor, dass Harlow das Signal des Flagge-Schwenkens vom Starter - der auch für das Abwinken des Rennens verantwortlich ist - gegeben wird. Sie griff also nicht selbstständig zur Fahne und winkte ab, sondern wurde vom Starter dazu gebracht.

Doch wie kam der Starter auf die Idee, nur 69 Runden fahren zu lassen? Es soll sich um ein Kommunikationsproblem gehandelt haben. "Der Starter fragte die Rennleitung, ob die Flagge nun geschwenkt werden könnte und die Race Control antwortete schlicht mit Ja", erklärte Whiting und fügt an: "Allerdings verstand die Race Control das nicht als Frage, sondern als Mitteilung und bestätigte einfach mit okay."

Whiting führt die gelegentliche Verwirrung auf die TV-Anzeige zurück. Dort ist im Bild immer die Runde zu sehen, in der sich der Führende gerade befindet. Dahinter steht die Renndistanz. Steht also 69/70 auf dem Bildschirm, befindet sich der Pilot in Runde 69. 70 sind aber zu absolvieren. Folglich muss die aktuelle Runde noch beendet und eine zusätzliche gefahren werden, um die gesamte Renndistanz absolviert zu haben.

"Es war ein kleiner Kommunikationsfehler, aber ein bedauernswerter", gesteht Whiting. Das Rennergebnis wurde dadurch glücklicherweise nicht groß beeinträchtigt, wie in den - überspitzt formuliert - 68 Runden zuvor kam es auch in den letzten beiden Umläufen zu keinen Positionswechseln. Lediglich Daniel Ricciardo verliert seine schnellste Rennrunde an Max Verstappen und die Abstände zwischen den Piloten sind etwas anders. Überschaubare Auswirkungen, Glück im Unglück also.

FIA prüft Alternativen: Zielflagge durch LCD-Bildschirm ersetzen?

Doch darauf kann und will sich die FIA in Zukunft nicht verlassen. "Es ist schwierig, es mit den aktuellen Standards wasserdicht zu machen. Es werden auch unterschiedliche Sprachen gesprochen, es kann immer zu Problemen kommen. Auch wenn es einmal in zehn Jahren passiert, wir wollen das schon verbessern."

Tatsächlich kann es durch solche Fehler auch zu gefährlichen Situationen kommen. Denn die Marshalls an der Strecke sahen das Rennen schon als beendet an, schwenkten die Fahnen. Oftmals gehen die Marshalls in der Ausführungsrunde direkt an die Strecke, um den Piloten zu gratulieren. Auch Fans stürmen manchmal die Strecke nach Rennende.

Das Problem war, dass die Piloten nach der fälschlichen Zielflaggen weitergefahren sind. Schließlich wussten sie über ihre Displays und den Boxenfunk, dass das Rennen noch nicht zu Ende war. Dadurch wurde offensichtlich, dass die Zielflagge diesbezüglich eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist.

"Die Zielflagge ist traditionell, aber wir müssen über ein besseres Signal nachdenken", sagte Whiting zu Motorsport-Magazin.com. Schon jetzt gibt es neben der Startampel eine kleine LCD-Anzeige, die bei der Zieldurchfahrt die karierte Flagge anzeigt. Doch binden ist das Signal offenbar nicht, große Beachtung erhält es auch noch nicht. Möglich wäre, dass eine LCD-Anzeige die Zielflagge komplett ersetzt. Diese wird dann einfach direkt von der Race Control angesteuert.


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