Formel 1

Formel 1: Kosten McLarens Fehlschläge Eric Boullier den Kopf?

McLaren erfüllt auch 2018 nicht die Ziele. Der erste Kopf ist in Woking deshalb bereits gerollt und auch Eric Boullier gerät immer mehr in die Schusslinie.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - McLaren wollte nach drei katastrophalen Jahren mit Honda in der Formel-1-Saison 2018 endlich wieder an der Spitze gegen Mercedes, Ferrari und Red Bull kämpfen. Die ersten Rennen zeigten jedoch: Der Wechsel auf die Power Units von Renault reichte nicht aus, um wieder ein Top-Team zu werden. Mit Tim Goss wurde bereits der für das Chassis verantwortliche Konstrukteur vor die Tür gesetzt. Angesichts der abermals verfehlten Ziele scheint es nur eine Frage der Zeit, bis auch einer der Hauptverantwortlichen seinen Hut nehmen muss.

"Genau wie du immer weiter versuchst dein Rennauto zu entwickeln und zu modifizieren, machst du es auch mit deinem Rennteam", erklärte McLarens CEO Zak Brown in Barcelona auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com, dass die Trennung von Goss genau wie das Update des MCL33 ein ganz gewöhnlicher Prozess innerhalb des Teams sei. "Wir sind gerade an ein paar Umstrukturierungen dran, um die maximale Performance aus unserem Rennteam zu holen."

Die maximale Performance: Wenn man sie am letzten Sieg des Teams misst, hat McLaren sie seit der Saison 2012 nicht mehr abgerufen. Jenson Buttons Triumph beim Finale in Interlagos war der bis dato letzte große Erfolg des Traditionsrennstalls. Nachdem es bereits 2013 schon enttäuschend lief, wurde damals der langjährige McLaren-Mann Martin Whitmarsh seines Amtes enthoben. Seine Nachfolge trat im Januar 2014 Eric Boullier an.

Boullier trotzt Problemen: Brauche keine Befehle von den McLaren-Bossen

Dem von Lotus abgeworbenen Franzosen gelang es in den vergangenen vier Jahren jedoch nicht, McLaren wieder zurück zu alter Stärke zu führen. Als größte Erfolge stehen die zwei Podestplätze von Kevin Magnussen und Jenson Button beim Auftakt 2014 zubuche. 350 WM-Punkte fuhr das Team mit Boullier an der Spitze bis dato ein - 28 weniger als 2012. Von 2015 bis 2017 wurde Honda vom Team als Alleinverantwortlicher für die Misere ausgemacht.

Nach der Trennung von den Japanern kann Boullier so nicht mehr argumentieren. Es läuft mit den Power Units von Renault zwar besser, doch der Abstand auf Red Bull ist nach wie vor beträchtlich. Obendrein liefert er den McLaren-Bossen einen hieb- und stichfesten Beweis dafür, dass ihr Team die von ihnen vorgegebenen Ziele nicht erreicht. "Ich glaube an unsere Mannschaft und die Leute die wir haben", bekräftigte Boullier.

Doch glauben die Shareholder und Zak Brown auch weiterhin an ihn? "Ich brauche selbstverständlich keine Befehle", wiegele er ab, dass die Anteilseigner von McLaren ihm schon die Pistole auf die Brust gesetzt hätten. Den Druck durch die Chefetage wollte er aber nicht leugnen: "Es ist harte Arbeit, denn es gibt natürlich hohe Erwartungen von McLaren und einigen Leuten."

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Boullier: Ich bin der richtige Mann für den Job

Boullier besteht jedoch darauf, dass seine Erfolge vor der Formel 1 und die mit Renault beziehungsweise Lotus zwischen 2010 und 2013 ihn nach wie vor für seine Position bei McLaren qualifizieren. "Ich habe in meinem vorherigen Leben ein paar Teams gemanagt, wiederaufgebaut und umstrukturiert und habe mit allen davon gewonnen, in jeder Kategorie in der wir waren", so der 44-Jährige. "Im Idealfall willst du in einem F1-Team eine starke Führung auf jeder Ebene sowie eine gute Kommunikation haben und dabei so effizient und flexibel wie möglich sein."

An seiner eigenen Kompetenz, um dies bei McLaren umsetzten zu können, hat Boullier keinen Zweifel. "Ich denke, ich bin der richtige Mann für den Job" stellte er klar. Dass sich seine Vorgesetzten die bisherigen Resultate aber nicht ewig anschauen, ist auch ihm bewusst. "Wir müssen sicher stellen, dass wir es schaffen und rechtzeitig abliefern." Was rechtzeitig nach vier sieglosen Jahren bedeutet? "Das Timing muss richtig sein, und nicht eines der falschen Erwartungen."

Was er damit meint, ist klar. Zwar stellt McLaren den Anspruch um Siege und WM-Titel zu kämpfen, doch für 2018 das als Ziel noch nicht vorgesehen. Der Wechsel zu Renault sollte einerseits den Anschluss zu Red Bull herstellen, andererseits aber auch erstmal nur eine neue Standortbestimmung ermöglichen. "Wir haben jetzt ein paar andere Teams mit denselben Power Unit. So haben wir zumindest Referenzen und daran arbeiten wir. Es ist ein langer Weg", sagte Boullier.

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Boullier: Bei McLaren wird mit offenen Karten gespielt

Das Ziel dieses Weges kann Boullier nur mit einem perfekt aufgestellten Team von Ingenieuren und Technikern erreichen. An seinem Vertrauen in die Fähigkeit der nach der Entlassung von Goss übrig gebliebenen Mannschaft lässt er keinen Zweifel aufkommen: "Ich denke, es ist Teil der Verantwortung eines jeden Managers, die Motivation deiner Leute so hoch wie möglich zu halten. Falsch wäre aber, die falschen Erwartungen zu haben."

Doch diese erste Entscheidung sowie die Aussagen Zak Browns machen deutlich: McLaren muss etwas unternehmen. "Wir wollen das was wir machen nicht zu sehr kommentieren", so Boullier hinsichtlich weiterer Personalentscheidungen. "Wir versuchen natürlich die Besten zu sein. Das bedeutet auch, darauf zu schauen wie wir in unserer Organisation effizienter sein können. Somit werden auch dort konstante Verbesserungen durchgeführt", pflichtete er Brown bei.

Der US-Amerikaner und er versuchen dafür zu sorgen, dass das Verhältnis zwischen Chefetage und Konstrukteuren trotz der anhaltenden Schwierigkeiten stabil bleibt. "Alles muss sehr klar sein, deshalb ist innerhalb unseres Teams alles sehr transparent. Ich weiß genau was an der Strecke vor sich geht, und sie wissen genau wie das Feedback von der Strecke aussieht. Das halten wir mit allen Leuten in unserem Unternehmen so, damit es keine falschen Erwartungshaltungen gibt", erklärte Boullier.

Wann McLaren endlich wieder in den Kampf an der Weltspitze eingreifen kann, vermag er jedoch nicht abzusehen. "Wir können langfristig nicht so viel vorhersagen, da sich die Regeln für nächste Saison ändern und es für 2021 wieder eine große Regeländerung gibt," so Boullier. "Ich denke, die Rennserie wird sehr von den Motoren bestimmt und es gibt viele Parameter, die Liberty adressiert um sicherzustellen, dass das Kräfteverhältnis zwischen den Teams ausgeglichener ist."


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