Formel 1

Formel 1, Haas zwischen Genie und Chaos: Teamchef erklärt wieso

Haas bewegt sich mit Kevin Magnussen und Romain Grosjean 2018 auf einem schmalen Grat. Trotz starkem Auto blieb das Team hinter den Erwartungen zurück.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Haas startete in Australien mit einer beeindruckenden Performance in die Formel-1-Saison 2018. Kevin Magnussen und Romain Grosjean waren in Melbourne drauf und dran ihr Standing als vierte Kraft zu bestätigen, als das Team durch zwei katastrophale Boxenstopps des Top-Resultats beraubt wurde. Seitdem läuft es schleppend. Mit lediglich elf Punkten liegt Haas in der Konstrukteurs-WM nur auf dem achten Platz.

Die gesamte Punkteausbeute war bisher der Verdienst von Kevin Magnussen, der 2018 erstmals seit seinem Debüt vor vier Jahren mit McLaren wieder richtig sein Talent aufblitzen lässt. In Kombination mit den vom Dänen gewohnt wilden Manövern bewegt sich KMAG zwischen Wahnsinn und Genie. Mit seiner Pace tendiert er eher zum Genie, während Teamkollege Grosjean in diesem Jahr eher dem Wahnsinn zugetan ist.

"Ich würde sagen, diese Saison hatten wir bisher immer einen Fahrer in Problemen und einen der gut performt hat. Wir brauchen ein Wochenende, an dem wir beide gut performen, sodass wir gute Punkte für das Team holen können", so Magnussens Urteil über die durchwachsenen Leistungen, mit denen Haas bisher klar hinter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Der 25-Jährige kam dabei aber bisher deutlich besser weg als der Stallgefährte.

Magnussen: Romain Grosjean schneller als Jenson Button

Magnussen soll mit der Balance des VF-18 deutlich besser zurechtkommen als Grosjean. Obwohl der Franzose bisher keine zählbaren Resultate einfuhr und auch im Qualifying bis auf Shanghai jeweils den Kürzeren zog, glaubt Magnussen, dass er für ihn "Vielleicht ist er gerade schneller als Jenson, aber Jenson war sehr konstant. Bei Romain geht es mehr auf und ab, aber mit sehr starken Höhen", vergleicht er ihn mit seinem ersten Teamkollegen in der Formel 1, Jenson Button.

"Es macht Spaß. Er hat alles, was ich bei einem Teamkollegen brauche. Den puren Speed, mit dem ich vergleichen kann und von dem ich lernen kann. Und er hat auch Erfahrung. Letztendlich hast du nur deinen Teamkollegen, mit dem du dich vergleichen kannst, an dem du dich messen und verbessern kannst. Es ist viel besser einen arrivierten Teamkollegen zu haben, der eine gute Reputation genießt und von dem man weiß, dass er schnell ist", erklärt Magnussen.

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Haas weiß um Magnussens gestiegenen Marktwert

Grosjean erfuhr sich in den vergangenen beiden Jahren als Punktegarant von Newcomer Haas in der Tat einen äußerst guten Ruf. 2016 wurde er über weite Strecken in der Gerüchteküche sogar als potentieller Ferrari-Kandidat gehandelt. Angesichts seiner bisherigen Leistungen im Jahr 2018 dürfte das aktuell wohl kein Thema mehr sein. Magnussens Marktwert ist in den ersten paar Rennen dafür deutlich gestiegen.

"Das ist ein nettes Problem. Eines der Probleme, die du nicht willst. Aber wenn du einen guten Fahrer hast, weißt du, dass du ihm etwas geben musst, damit er bleiben will", erklärt Teamchef Günther Steiner das zweischneidige Schwert, einen begehrten Piloten im Team zu haben. "Aber darum kümmer wir uns später. Wir haben ihn hierher gebracht und er respektiert uns sehr, denn er weiß dass wir einen Anteil daran haben, wo er jetzt ist", fügt der Tiroler an.

Haas-Teamchef überzeugt: Grosjean kommt wieder

Steiner hat 2018 bisher definitiv andere Baustellen. Alleine schon, dass sein zweiter Pilot bisher noch nichts zum Teamerfolg beitragen konnte. Mit seinem Unfall hinter dem Safety Car schmiss Grosjean in Baku ein fast sicheres Punkteresultat weg. "Romain braucht ein Auto, das ihm perfekt passt. Dann kommen wir wieder dorthin, wo wir ihn haben wollen", erklärt der Tiroler. "Kevin ist in der Lage, einige Dinge fahrerisch zu kompensieren."

"Das hat Vor- und auch Nachteile", so Steiner über die Konstellation. "Wenn wir ein perfektes Auto haben ist er (Grosjean, Anm. d. Red.) fantastisch, während Kevin nur sagt, dass es okay ist. Er hat gelernt, hart für das zu pushen was er will. Wenn Kevin kleine Probleme hat, adaptiert er sich besser und fährt um sie herum." Grosjean hingegen kam mit dem desaströsen Qualifying und dem Kardinalfehler im Rennen von Aserbaidschan wohl an einem neuen Tiefpunkt an.

Besorgt ist Steiner angesichts der 2018 bisher von seinem Fahrer gezeigten Leistungen aber nicht: "Ich würde nicht sagen, dass er unterperformt. In Australien hatten wir Bedingungen, unter denen er gute Leistungen gezeigt hat und es keine Probleme gab", gibt er zu bedenken, dass Grosjean beim Auftakt durchaus auf Augenhöhe mit Magnussen war. "Ich ziehe nach nur zwei Rennen nie voreilige Schlüsse. Das Jahr ist lang."

Nach den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre ist Steiner überzeugt, dass Grosjean den Weg zurück zu alter Stärke bald finden wird: "Er war vorher da, als wir nicht perfomt haben und er es musste. Wir müssen für ihn das Auto nur etwas modifizieren, damit er sich wohler fühlt. Wir müssen beide Fahrer in ihre Zone bringen, damit sie performen können. Ich bin da aber sehr entspannt, denn ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können."

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Zwist zwischen Magnussen und Grosjean: Regeln ja, Teamorder nein

Neben den Problemen von Grosjean hat Steiner 2018 auch noch ein weiteres Feld zu beackern, nämlich das des Hausfriedens. In Bahrain gerieten die beiden Haas-Teamkollegen das erste Mal in ihrer gemeinsamen Zeit aneinander. Magnussen hatte Grosjean in der Wüste vorgeworfen ihn absichtlich blockiert zu haben, als er hinter dem Franzosen auf frischen Reifen aus der Box kam.

In China musste Grosjean den Dänen auf einer anderen Strategie schon zu Rennbeginn auf Aufforderung vom Kommandostand passieren lassen. "Die Grundregel ist, dass sie für das Team fahren", gibt Steiner zu verstehen. "Es geht nicht um dich sondern ums Team. Wer auch immer in der besseren Position ist, also so wie in China als einer freie Reifenwahl und einen Vorteil hatte", fügt er an. "Wir hatten in Bahrain einen kleinen Zwischenfall, weil wir keine klaren Anweisungen gegeben haben."

Aus diesem Fehler hat Haas mittlerweile gelernt, wie Steiner erklärt: "Das haben wir auf unsere Kappe genommen und haben dann diese Regeln etabliert. Erst Haas, dann ihr. Wir versuchen nicht, gegeneinander zu kämpfen. Das ist die Grundregel." Diese sei aber nicht mit einem Verbot oder einer Teamorder gleichbedeutend. "Das versuchen wir nicht und das ist nichts, worauf ich abziele. Aber du weißt nie, ob es passiert oder nicht", so Steiner.


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