Formel 1 / Historisches

Didier Pironi - Der wahre Weltmeister 1982?

Didier Pironi wird immer mit seinem kanadischen Teamkollegen und dessen Schicksal in Verbindung gebracht. Nicht aber unbedingt mit dem WM-Titel von 1982.
von Tom Distler

Motorsport-Magazin.com - Erinnert man sich an Pironi, erinnert man sich auch an das Verhältnis zu seinem letzten Teamkollegen Gilles Villeneuve und an das Schicksal, welches diese beiden Piloten verband...

Der Sohn eines italienischen Planer und Bauer ganzer Wohnlandschaften und einer Französin, kam über seinem Cousin Jose Dolhem zum Motorsport. Er liebte die Geschwindigkeit, galt als cool, phlegmatisch, rätselhaft, berechnend, was weithin auf seine Schüchternheit zurückzuführen war, von der französischen Presse aber als Arroganz fehlinterpretiert.

Didier bei seinem Sieg in Zandvoort. - Foto: Sutton

Didier bestritt insgesamt 70 GPs, holte 3 Siege, 4 Poles und 6 schnellste Runden. Er wurde nur 35 Jahre alt (geb. 26.03.52), verunglückte am 23.08.87 bei einem Power-Boat Rennen vor der englischen Küste, hinterließ seine schwangere Freundin Catherine Goux, die zwei Söhne auf die Welt brachte: Gilles und Didier!

Alles begann 1972, als Didier die begehrte Pilote Elf- Trophäe unter Beisein von Jury-Mitglied Ken Tyrrell gewinnen konnte. Didiers Sieg beim Formel 3 Grand Prix von Monaco sowie sein dritter Platz in der Formel 2-Europameisterschaft (hinter Arnoux und Cheever) überzeugten ihn endgültig, Didier in die Formel 1 zu hieven und so stellte man Didier Pironi im November 1977 als neuen Teamkollegen von Depallier 1978 beim Team Tyrrell vor.

Die Formel 1-Premiere begann sicherlich nicht so, wie Didier es sich erhofft hatte, während er sich als 23. qualifizierte und als 14. eintrudelte. Aber schon bei den nächsten Rennen in Brasilien und Südafrika gelang es ihm, mit zwei sechsten Plätzen die ersten Weltmeisterschaftspunkte einzufahren.

In Monaco folgte ein hervorragender fünfter Platz nach rundenlangem Kampf mit Patrese. Insgesamt holte Didier in der Saison 1978 sieben Punkte und mit Jean-Pierre Jaussaud (41) den ersten Sieg für Renault in Le Mans.

1979 wurde ihm Jean-Pierre Jarrier vor die Nase gesetzt, mit Lees und Daly kamen noch zwei weitere Fahrer hinzu. Nach einigen spektakulären Unfällen (z.B. Monaco mit Lauda) kam Didier in Zolder und Watkins Glen aufs Podium und holte sich mit 14 Punkten den zehnten WM-Rang. Nach zwei Jahren voller Höhen und Tiefen hatte Didier die Qual der Wahl zwischen Angeboten vom Team Lotus, Brabham und der Equipe Ligier. Obwohl die Angebote der britischen Teams viel besser waren, entschied sich Didier Ende Oktober 1979 zum Wechsel zu den "Blauen" - als Nummer 2 hinter dem WM-Vierten Laffite.

1978 fuhr Didier noch für Tyrrell. - Foto: Sutton

In Brasilien rollte Didier, erstmals in der ersten Reihe, nach Reparatur auf den 21. Platz zurückgeworfen, das Feld eindrucksvoll von hinten auf und erreichte einen vierten Platz. In Kyalami verschlief Didier den Start, kann sich aber wieder nach vorne kämpfen und erreicht seinen ersten Podestplatz für Ligier. Dann kam Zolder, der fünfte Lauf zur WM, sein erster Sieg. Schon am Start (vorbei an Polemann Jones) zog Didier unwiderstehlich davon. Niemand, weder die Renault noch Teamkollege Laffite, konnten das Tempo auch nur ansatzweise mitgehen. Am Ende hatte er 47 Sekunden Vorsprung auf Jones, fast eineinhalb Minuten auf den Drittplazierten Reutemann.

Zum Titelanwärter aufgestiegen zeigte er nach Poles in Monaco und Brands Hatch hervorragenden Motorsport, der allerdings bis auf Platz 2 in Paul Ricard nicht belohnt wurde. Nach zwei Podestplätzen zum Abschluß in Montreal und Watkins Glen verließ Pironi als WM-Fünfter (32 Punkte) das "Team Laffite" in Richtung Enzo Ferrari.

1981 bezeichnete Pironi (der Vorsitzende der Fahrergewerkschaft GPDA) als Lernjahr, zeigte nur ein herausragendes Rennen (Österreich), hielt sich aber meist zurück, da er sich "nicht für 6.Plätze die Ohren abfahren lassen" wollte und kam nur auf ganze 9 Punkte, auch Teamkollege Villeneuves Siege konnten nur kurz darüber hinweg täuschen, daß der 126 CK ein katastrophales Auto war.

Schon bei Wintertests stellte sich heraus, daß der neue Ferrari 126 C2 absolut konkurrenzfähig sein würde und nach verpatzten Saisonauftakt, Ausfälle und ein nachträglicher 6. Platz, kam der vierte Lauf in Imola. Das Rennen artete in einem Zweikampf zwischen den beiden Ferrari-Piloten aus. Obwohl ihnen von der Ferrari-Box mehrfach das Zeichen "SLOW" gegeben wurde, hetzten sich die beiden um den Kurs als gäbe es kein morgen. Gilles verkalkulierte sich ("glaubte an seinem Nummer 1 - Status") und mußte Pironi, der gar nicht daran dachte seinen Kollegen ziehen zu lassen, den Sieg "schenken".

wischen Gilles und Didier herrschte Eiszeit. - Foto: Sutton

Nun herrschte zwischen zwei Teamkollegen, die sich immer gut verstanden hatten "Eiszeit" und zur Aussprache sollte es nicht mehr kommen, da Villeneuve beim darauf folgenden Training in Zolder tödlich verunglückte.

In Monaco rollte Pironi kurz vor den Ziel in Führung liegend aus, wurde aber als Zweiter gewertet. Nachfolger von Villeneuve wurde Tambay. Ein dritter Platz in den Betonschluchten von Detroit bescherte Didier schließlich den Sprung auf Platz 2 im Gesamtklassement. Seinen Zandvoort-Sieg (rang beide Renaults nieder) widmete er Villeneuve.

Auch sein "Schutzengel" wurde in den nächsten Wochen mehrfach beansprucht (Tragödie Kanada, Testfahrt Paul Ricard), aber in Brands Hatch übernimmt er als Zweiter erstmals die WM-Führung. Schon eine Woche später beim Grand Prix von Frankreich auf dem Circuit Paul Ricard konnte Didier als Dritter seinen Vorsprung sogar auf neun Punkte ausbauen und schließlich ging es nach Hockenheim.

Strömender Regen am Samstag. Didier, der die Pole bereits erobert hat, fährt unglaubliche Zeiten, testete die neuen Goodyear-Regenreifen.

Auf der Geraden zwischen der zweiten Schikane und der Einfahrt ins Motodrom sah Didier schemenhaft den Williams von Daly samt seiner Wasserfontaine nach rechts wandern, nahm an, daß der linke Fahrstreifen frei wäre. Doch dort befand sich der Renault von Alain Prost, dem er ins Heck prallte und über sein rechtes Hinterrad hochstieg. Der Ferrari überholte Prost senkrecht in der Luft stehend, überschlug sich auf einer Strecke von 250 Meter dreimal und zerbrach bei der Landung wie schon das Fahrzeug von Villeneuve in Zolder. Dem schnellen eingreifen des Rettungsdienstes verdankte Pironi sein Leben, mit schweren Beinbrüchen (Amputation drohte/20 Operationen), Blutverlust und schweren Schock wurde er aus seinem Fahrzeug (eingeklemmt) befreit und sofort nach Heidelberg geflogen. Das Rennen in Hockenheim entschied schließlich Villeneuve-Ersatz Patrick Tambay für sich.

Didier Pironi fuhr 1982 nur 10 WM-Läufe, hatte zu diesem Zeitpunkt 39 WM-Punkte, führte vor Watson (30) und Rosberg (27/wurde WM mit 44), war nur auf ein Ziel fixiert, den WM-Titel zu gewinnen und das hätte der "wahre Weltmeister von 1982" um Haaresbreite geschafft...


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