Formel 1

Jenson Button: Lewis Hamilton war ein seltsamer Teamkollege

Jenson Button fuhr in der Formel 1 drei Jahre mit Lewis Hamilton für McLaren. In seiner bald erscheinenden Autobiografie plaudert er aus dem Nähkästchen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Jenson Buttons Zeit in der Formel 1 scheint ein für allemal abgelaufen. Nach seinem Rücktritt Ende 2016 hatte er sich als dritter Fahrer von McLaren zunächst die Möglichkeit offen gelassen, nach einem Sabbatical wieder als Stammpilot zurückzukehren. Der Reiz von dieser Gebrauch zu machen, scheint mittlerweile verflogen. Stattdessen erscheint am Donnerstag die Autobiografie des Briten, in der er unter anderem über Ex-Teamkollege Lewis Hamilton aus dem Nähkästchen plaudert.

"Ich habe eine Option, nächstes Jahr Rennen zu fahren. Aber ich habe meine Zeit in der Formel 1 gehabt", erklärt Button im Gespräch mit der Sunday Times, im Vorfeld der Veröffentlichung seiner Autobiografie 'Life to the Limit'. Sein Einsatz beim diesjährigen Grand Prix von Monaco, bei dem er Indy-500-Fremdgeher Fernando Alonso ersetzte, dürfte damit sein letzter Auftritt in der Königsklasse gewesen sein.

In einem Auszug aus seinem Buch, welcher im Daily Telegraph veröffentlicht wurde, arbeitet Button seine gemeinsame Zeit mit Lewis Hamilton bei McLaren Mercedes auf. Zwischen 2010 und 2012 bildeten die beiden Weltmeister das britische Dream-Team des Traditionsrennstalls aus Woking. Im Gegensatz zur Fahrerpaarung Hamilton und Rosberg bei Mercedes, schien der Haussegen zwischen den Beiden nie schief zu hängen.

Ganz ohne Reibereien lief die Zusammenarbeit jedoch nicht ab. "Ich habe unsere Rivalität genossen. Aber abseits der Strecke war er einfach ein bisschen seltsam", erklärt Button. Als Button 2010 als amtierender Weltmeister zu McLaren wechselte, saß Hamilton beim Team seit langer Zeit fest im Sattel. Als Zögling von Ron Dennis und Weltmeister 2008 war er bei McLaren eine feste Größe.

"Lewis war sehr freundlich und offen und vermutlich selbstbewusst genug, was seinen Status innerhalb des Teams anging, dass er sich nicht bedroht fühlen musste - zumindest am Anfang nicht", so Button, der sich seine neue Herausforderung wohlweislich ausgesucht hatte. Nachdem Hamilton 2007 als Rookie für Furore sorgte und die britische Presse ihn für sein empfinden etwas stiefmütterlich behandelte, war er umso entschlossener, sich mit dem Landsmann zu messen.

"Ich wollte Lewis als Teamkollegen. Man könnte jetzt mit allem möglichen Psycho-Gelaber als Grund ankommen, aber weshalb ich mit ihm fahren wollte. Aber letztendlich war es nur einer: Ich bin Sportler. Ich lebe vom Wettbewerb und ich wollte mich mit dem schnellsten Fahrer im Grid messen. Ich wollte sehen, ob ich ihn schlagen kann", so Button, der beim Türkei GP 2010 den ersten Disput mit Hamilton erlebte.

Hamilton wittert Verschwörung bei McLaren

"Zur Mitte dieser ersten Saison lag ich in den Punkten vor Lewis. In der Türkei wandten sich die Dinge dann zum Schlechten, als wir fast eine Kollision hatten, die zu einer kleinen Auseinandersetzung zwischen uns führte." Das McLaren-Duo war beim siebten Saisonrennen auf dem Weg zu seinem sicheren Doppelsieg, als Button den in Führung liegenden Hamilton einholte.

"Ich wusste nicht, dass man ihn darum gebeten hatte Benzin zu sparen", erklärt Button, der den Teamkollegen kurzerhand überholte. Hamilton hatte das Team kurz davor gefragt, ob Button ihn überholen würde, wenn er Tempo herausnimmt. Der Renningenieur verneinte. "Ich wusste von all dem natürlich überhaupt nichts und ging vorbei", so Button.

Beim darauffolgenden Konter Hamiltons kam es zu einer leichten Berührung in der ersten Kurve. Letztendlich gewann Hamilton das Rennen vor Button, war danach jedoch gar nicht gut auf diesen zu sprechen. "Er kam gleich zur Sache und fragte mich: Hast du mich entgegen der Teamorder überholt?" Button erklärte Hamilton, nichts von seinem Funkverkehr gewusst zu haben, woraufhin dieser eine Verschwörung roch.

Button: Hamiltons Telemetrie-Tweet war ein bisschen dumm

"Das brachte ihn dazu, zu denken, dass das Team seine Seite gegen meine aufhetzen würde. Das war ein bisschen seltsam und auch etwas unnötig. Vor allem war es aber auch ein Beweis dafür, dass hinter dem Lächeln nicht immer alles so toll war", sagt Button. Eine weitere Auseinandersetzung fand statt, als Hamilton 2012 in Spa-Francorchamps Telemetriedaten auf Twitter veröffentlichte, nachdem er von Button im Qualifying geschlagen worden war.

Hamilton wollte damit beweisen, dass er durch eine andere Heckflügel-Konfiguration, die er vom Team verpasst bekommen hatte, den Zeitverlust gegenüber Button erlitten hatte. "Der Screenshot zeigte all die Dinge, an denen du so hart arbeitest, um sie vor den Gegner zu verstecken. Ich habe ihm schon klargemacht, was ich davon hielt."

Dass es sich dabei jedoch nicht um einen direkten Angriff auf seine Person handelte, war Button von vornherein klar. "Ich wusste schon, dass es nichts persönliches war. Es war vielleicht ein bisschen dumm, aber keine "Ich hasse Jenson"-Aktion, sondern eher eine "Ich habe die Schnauze von McLaren voll"-Aktion."

Button: Alonso ein kompletterer Rennfahrer als Hamilton

Trotz der vereinzelten Dispute herrschte zwischen den beiden Briten bei Sponsoren-Auftritten und auch an der Rennstrecke zumeist ein harmonisches Klima. "Persönlich kam er gut mit mir klar, auch wenn du sehen konntest, dass er hin und wieder etwas angesäuert war. Ich glaube nicht, dass ich ganz nach seinem Geschmack war, wenn ich ehrlich bin", so Button.

Andererseits schien die Chemie doch insofern zu stimmen, dass Button sich wundert, dass Hamilton und er nie richtig geklickt haben. "Ich bereue es, dass wir trotz unserer Gemeinsamkeiten nie Freunde waren. Wir haben hin und wieder Zeit zusammen verbracht, aber es gab schrecklich viele unangenehme und verlegene Momente des Schweigens."

Ganz anders war es mit mit Fernando Alonso, zu dem Button in den drei gemeinsamen Saisons bei McLaren ein sehr freundschaftliches Verhältnis pflegte. Den Spanier schätzte er aber auch als Rennfahrer etwas höher ein als Hamilton. "Lewis ist unglaublich schnell und kann einfach so eine unglaubliche Runde aus dem Hut zaubern. Er und Ayrton Senna waren auf einer Runde vielleicht die schnellsten Typen aller Zeiten."

"Aber Fernando war der komplettere Fahrer. Ich wusste, selbst wenn ich im Qualifying vor ihm landete, würde er im Rennen schwer zu schlagen sein. Er ist nach außen hin sehr freundlich und zugänglich, aber darunter steckt sein sehr, sehr entschlossener Rivale, der alles dafür tun wird, um dich zu schlagen."


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