Formel 1

Formel 1 Japan GP 2017: Streckenvorschau Suzuka Circuit

Der Grand Prix von Japan ist auch 2017 das Highlight einiger Formel-1-Piloten. Das einzigartige Layout von Suzuka zählt zu den beliebtesten im Kalender.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Beim Großen Preis von Japan 2017 geht das WM-Duell zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel in die 16. Runde. Austragungsort für das 33. Gastspiel der Formel 1 in Fernost wird wieder einmal der Suzuka Circuit sein. Die bei den Piloten seit jeher beliebte Achterbahn empfängt die Königsklasse zum 29. Mal. Die schnellen Kurven auf dem 5,807 Kilometer langen Kurs versprechen diese Saison besonders viel Spaß.

"Es sollte dort richtig gut sein. Kurve 3 wird Vollgas gehen, 4 und 5 mit einem kleinen Lupfer und 6 genauso. Turn 7 wird komplett voll gehen. Dann die erste Degner mit kleinem Lupfer... das wird sicherlich die meisten von uns erregen..." gab Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo scherzhaft seine Erwartungen an Suzuka mit den 2017er Boliden zum Besten.

Der 1962 im Auftrag von Honda ursprünglich als Teststrecke erbaute Kurs war 1987 erstmals Teil des Kalenders. Abgesehen von den Jahren 2007 und 2008, als die Formel 1 in Fuji gastierte, war er seitdem in jeder Saison die Heimat des Grand Prix von Japan. Das Alleinstellungsmerkmal des vom Niederländer Hans Hugenholtz entworfenen Layouts mit seinen 18 Kurven ist die Form einer Acht.

Streckenname: Suzuka International Racing Course

Der Suzuka Circuit in seiner seit 2003 genutzten Konfiguration - Foto: Motorsport-Magazin.com

Unter Piloten gilt Suzuka seit jeher als klassische Fahrerstrecke. Schnelle und flüssige Passagen, gepaart mit Höhenunterschieden und wenigen Auslaufzonen sorgen für eine der größten fahrerischen Herausforderungen in der Motorsport-Welt. Über die Jahre sind die meisten Kiesbetten zwar asphaltierten Auslaufzonen gewichen, in den Kurven ist aber dennoch höchste Präzision gefragt.

Suzuka: Trotz Entschärfung eine echte Herausforderung

Früher zählte die 130R, welche die Piloten nach der langen Gegengerade zurück in Richtung Start- und Ziel führt, zu den schwierigsten Kurven auf dem Kurs. Nach einem schweren Unfall von Allan McNish im Jahr 2002 wurde sie jedoch entschärft. Sie gilt heute zwar immer noch als Mutkurve, durch die Entschärfung samt asphaltierter Auslaufzone werden Fehler dort jedoch längst nicht mehr so hart bestraft. Eine seit Jahren unverändert große Challenge bietet sich den Fahrern dafür in Kurve 8.

Die erste der beiden Degner-Kurven ist eine sehr schnelle Rechtskurve. Bei der Durchfahrt müssen die Fahrer nicht nur versuchen so viel Speed wie möglich mitzunehmen, sondern sich auch auf das gleich darauffolgende Anbremsen auf Turn 9 vorbereiten. Die Strecke ist an dieser Stelle nicht besonders breit und außerdem befindet sich hier eines der wenigen verbliebenen Kiesbetten. Wer hier zu weit geht, kommt nur mit sehr viel Glück wieder zurück auf den Asphalt.

Abgesehen von diesen beiden Highspeed-Passagen wird in den S-Kurven im ersten Sektor ein Höchstmaß an Präzision gefordert. Wer hier einmal aus dem Flow gerät, verliert jede Menge Zeit. Im Mittelsektor unterbricht gleich nach den Degner-Kurven die Haarnadel für einen Moment den Fluss der Runde. Im Rennen ist sie eine von fünf Überholmöglichkeiten. Ein Manöver gelingt hier jedoch nur, wenn der Vordermann bei der Anfahrt nicht aufpasst. Mit den ab 2017er wieder in die Breite gewachsenen Autos dürfte es zudem noch schwieriger werden.

Streckendaten Suzuka Circuit
Länge: 5,807 km
Runden: 53
GP-Distanz: 307,771 km
Rundenrekord: 1:31.540 Minuten(Rai, 2005)
Kurven: 18
Weg bis Kurve 1: 350 m
Länge Boxengasse: 413 m
Zeit in Box bei 80 km/h: 20,00 s

Nach der Hairpin führt die Spoon-Kurve die Piloten auf die Gegengerade. Spoon war mit seinem Kiesbett in der Vergangenheit ebenfalls eine knifflige Kurve, verzeiht dank Asphalt in der Auslaufzone mittlerweile aber auch mehr Fehler. Auf der folgenden mit 900 Metern längsten Geraden des Kurses bietet sich die nächste Überholmöglichkeit, allerdings steht den Piloten hier kein DRS zur Verfügung. Sie führt die Fahrer zur spektakulären 130R und zur letzten Schikane vor Start- und Ziel. Da 130R seit Jahren problemlos mit Vollgas durchfahren wird und auch Dirty Air hier keine allzu große Rolle spielt, lädt die Schikane zu wie keine andere Stelle auf dem Kurs zu Ausbremsmanövern ein.

Hier gab es in der Vergangenheit schon einige heikle Szenen und auch Kollisionen, wie zum Beispiel zwischen Michael Schumacher und Takuma Sato beim WM-Finale 2003. Zurück auf der Start- und Zielgeraden erwartet die Fahrer die einzige DRS-Zone auf der Strecke, die ein Überholen bei der Anfahrt auf Turn 1 möglich macht. In Turn 1 und 2 wurden für 2017 auch die einzigen Modifikationen an der Strecke vorgenommen. Am Kurvenausgang wurde jeweils der Teppich entfernt und durch Doppelkerbs ersetzt, die dafür sorgen sollen, dass die Piloten sich an die Tracklimits halten.

Technik: Downforce ist King

Suzuka gilt seit jeher als klassische Aerodynamik-Strecke - oder in Nico Hülkenbergs Worten: "Downforce ist King, Junge." Power ist nur auf der Start- und Zielgerade und auf der Gegengerade gefragt. Die Rundenzeit wird in den Kurven entschieden, in denen viel Anpressdruck und eine gute Balance wichtiger als Maximalleistung sind. Dementsprechend gilt es beim Setup, das Auto für diese Passagen optimal abzustimmen. Die eine oder andere Mannschaft wird sich möglicherweise dennoch zu einem Kompromiss hinreißen lassen, denn im Rennen bedeutet weniger Flügel auch bessere Chancen auf den Geraden zu überholen.

Der Vollgasanteil liegt in Suzuka bei 65 %. Die längste Zeit unter Vollast wird zwischen Spoon und der Start- und Ziel-Schikane hingelegt. Hier stehen die Piloten für 16 Sekunden voll auf dem Gas. Für die Hybrid-Aggregate ist der Kurs eine besondere Herausforderung, da nur zehn Prozent der Runde auf der Bremse absolviert werden. Lediglich in der Schikane gibt es eine wirklich harte Anbremszone, bei der die Energie gespeichert werden kann.

Strategie: Zwei Boxenstopps in Suzuka ein sicheres Ding

In den vergangenen Jahren war der Sieger, sofern normale Wetterbedingungen herrschten, jeweils auf einer Zweistopp-Strategie unterwegs. Die Reifenwechsel fanden in etwa in den Runden 15 und 35 statt. Für 2017 hat Pirelli jedoch andere Reifen im Gepäck als zuletzt. Aufgrund des erhöhten Härtegrades der diesjährigen Pneus dürfen die Piloten auf Supersoft als weichste Mischung zurückgreifen.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Reifenwahl sich auf die Boxenstopp-Strategie auswirken wird. Für das kommende Rennwochenende in Suzuka sind zumindest für den Rennsonntag sonnige Bedingungen mit Temperaturen um die 25 Grad Celsius vorhergesagt. Wenn es für japanische Verhältnisse warm wird, könnte sich das auch auf die Strategie auswirken. Suzuka ist allerdings auch für launisches Wetter bekannt, was sämtliche Planungen der Teams schnell über den Haufen werfen kann.

Japan GP: Unvergessene Momente

Moment 1: Suzuka war als Finale über viele Jahre hinweg Schauplatz von WM-Entscheidungen. So auch im Jahr 2000, als Michael Schumacher und Ferrari im fünften Anlauf endlich den erlösenden Titelgewinn feiern konnten. Nachdem die Italiener 1998 mit Schumacher und 1999 mit Irvine in Japan jeweils an der Fahrer-WM vorbeigeschrammt waren, brachte 2000 ein taktischer Schachzug am Kommandostand den entscheidenden Sieg über Mika Häkkinen und McLaren Mercedes.

Moment 2: 1994 brachte Suzuka nicht die unmittelbare WM-Entscheidung, doch das Rennen ging als chaotischer Regen-GP trotzdem in die Geschichte ein. In Runde 13 sorgte ein Unfall von Martin Brundle für einen Rennabbruch. Schumacher hatte zu diesem Zeitpunkt mit über sechs Sekunden Vorsprung auf Damon Hill geführt. Gemäß dem damaligen Reglement wurden Abstände bei roten Flaggen beibehalten. Der zweite Teil des Rennens wurde so zu einem Rennen gegen die Uhr. Hill legte eine Gala-Vorstellung hin und ging auf der Strecke 10,1 und auf dem Zeiten-Monitor 3,3 Sekunden vor Schumacher über die Linie.

Damon Hill schnappte Michael Schumacher 1994 in Suzuka in einem spannenden Fernduell den Sieg weg - Foto: Sutton

Moment 3: In der Saison 2006 sorgte Suzuka zumindest für eine Vorentscheidung in der WM. Michael Schumacher ging punktgleich mit Fernando Alonso in das vorletzte Rennen der Saison. Schumacher führte das Rennen nach seinem zweiten Boxenstopp an, doch in Runde 37 gab der Motor seines Ferraris den Geist auf. Es war sein erster Motorschaden seit dem Frankreich GP 2000. Alonso gewann in Japan und sicherte sich beim Finale in Brasilien den Titel.

Japan GP: Die letzten Rennen

Jahr Sieger 2. Platz 3. Platz Pole Schn. Runde
2016 Nico Rosberg Max Verstappen Lewis Hamilton Nico Rosberg Sebastian Vettel
2015 Lewis Hamilton Nico Rosberg Sebastian Vettel Nico Rosberg Lewis Hamilton
2014 Lewis Hamilton Nico Rosberg Sebastian Vettel Nico Rosberg Lewis Hamilton
2013 Sebastian Vettel Mark Webber Romain Grosjean Mark Webber Mark Webber
2012 Sebastian Vettel Felipe Massa Kamui Kobayashi Sebastian Vettel Sebastian Vettel


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